Platzhirsch

Ardour (Abbildung 10) [9] ist die leistungsfähigste freie Audio-Workstation. Das Programm mischt Audiodaten ab, passt also die Lautstärke für den gewünschten Klang an. Die Lautstärke muss dabei nicht für die ganze Dauer des Stücks gleich bleiben: Entweder bewegen Sie die Mixerregler (Abbildung 10, rechts) während der Wiedergabe mit der Maus (Ardour schreibt die Reglerbewegungen dann mit), oder Sie zeichnen den Lautstärkeverlauf ähnlich wie in einem Grafikprogramm als Kurven (Abbildung 10, rote Kurven).

Abbildung 10: Ardour ist ein Mehrspurrekorder (links) mit "motorgetriebenen" Mixer- und Effektreglern: Die für die "Vocals"-Spur eingeblendeten roten Kurven steuern die Reglerpositionen des Compressor-Effekts.

Neben dem Abmischen fügt Ardour einem Audio-Track auch noch Effekte wie Hall, Flanger oder Verzerrung hinzu. Dafür nutzt das Programm Plug-ins. Die Ardour-Entwickler liefern nur sehr wenige mit, doch den EasyLinux-Distributionen liegen einige als Paket bei. Weitere (kostenlose und kostenpflichtige) Plug-ins sind im Internet zu finden [10].

Für die Effektintensitäten und all ihre Parameter wie zum Beispiel die Nachhalldauer gilt wie beim Abmischen: Sie können sich im Verlauf des Stücks verändern (rote Kurven in Abbildung 10) [11]. Auch hier bewegen Sie wie bei der Wiedergabe wahlweise die Regler live oder formen die roten Effektparameterkurven mit der Maus.

Nachgebessert

So große Neuerungen wie vor einem Jahr, als wir die neue Majorversion 5 von Ardour vorgestellt haben, hat die aktuelle Version 5.11 nicht vorzuweisen. Doch bei den sieben Ausgaben seit dieser Zeit sind nicht nur mehrere Hundert Bugfixes zusammengekommen, sondern die Entwickler haben auch etliche neue Funktionen ergänzt.

Dies beginnt mit Kleinigkeiten, so lässt sich nun z. B. das von manchen Anwendern als störend empfundene Blinken der Aufnahmekontrollleuchten vor dem Start der Aufnahme deaktivieren. Endlich können Sie Auswahlen von Bereichen des Musikstücks auch an in der Musik üblichen gebrochenen Notenwerten (1/16, 1/32, 1/64) ausrichten.

Ein allmählich ansteigendes Tempo (Accelerando) lässt sich jetzt einfacher umsetzen: Es genügt, das Zieltempo festzulegen und per Rechtsklick auf das Tempo-Lineal die Option Ramp to next (dt.: zum nächsten hin ansteigen) an der Stelle einzufügen, an der das Tempo anziehen soll.

Wie erwähnt lassen sich Lautstärkeänderungen der einzelnen Tracks statt mit Live-Bewegungen der Regler auch über Kurven eingeben. Dies gilt nun auch für Gruppenlautstärkeregler (im Musiker-Jargon: VCA, so auch in Ardour), mit denen sich seit Version 5 mehrere Kanäle zusammenschalten lassen.

Außerdem soll das Programm nun umfangreiche Aufnahme-Sessions deutlich schneller laden.

Die Redaktion meint

"Es hat keinen Zweck, so zu tun, als wäre Ardour ein simples, einfach zu bedienendes Programm." So sagen es seine Entwickler selbst im Vorwort des inzwischen gut ausgearbeiteten Handbuchs [12]. Manches funktioniert anders, als ein von verwandten Programmen kommender oder gar ein in der Audiobearbeitung unerfahrener Anwender denken würde. Sich einzuarbeiten dauert eine Weile, macht Interessierten dank des umfassenden Handbuchs aber Spaß.

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