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Linux auf Monitoren mit hoher Auflösung

Eine Nummer zu groß

Große Monitore mit hoher Auflösung sind stark im Kommen. Sie bieten viel Komfort und hohe Bildqualität. Ihr Einsatz unter Linux stellt Nutzer jedoch vor einige unerwartete Hürden.

Das sprichwörtliche Mäusekino auf dem Desktop ist längst Geschichte: In den vergangenen Jahren sind Monitore kontinuierlich größer geworden. Galt noch vor wenigen Jahren ein Bildschirm mit 24 Zoll Bildschirmdiagnole als riesig, sind mittlerweile längst Displays mit 30 Zoll und mehr verfügbar. Dazu gesellen sich die Ultra-Wide-Monitore, die sich an Spieler richten und gerade durch ihre große Breite bestechen. Mit der wachsenden Größe sind auch die von den Monitoren angezeigten Auflösungen gewachsen: Das klassische "1024x768", das lange als Standard galt, hat heute ausgedient.

4k-Monitore sind ganz aktuell das Objekt der Begierde vieler Nutzer: Diese zeigen mit 3840 x 2160 Bildpunkten viermal so viele Pixel wie ein Full-HD-Monitor an.

Das hat nicht nur Vorteile: Manche Nutzer merken erst nach dem Auspacken des neuen Monitors, mit welchen Dimensionen sie es künftig zu tun haben. Spätestens nach dem ersten Anschließen des Displays ist der Katzenjammer oft groß: Die Bildschirmelemente eines KDE-Desktops etwa sind bei 4k-Auflösung so klein, dass man ihnen schon bei geringem Abstand zum Monitor praktisch mit der Lupe zuleibe rücken muss (Abbildung 1) – das ist im Alltag jedoch keine sinnvolle Option. Fast alle gängigen Betriebssysteme und Desktop-Umgebungen beherrschen deshalb heute den so genannten HiDPI-Modus (high dots per inch): Dabei läuft das Display zwar mit seiner nativen, hohen Auflösung, die grafische Anzeige skaliert aber die Elemente, die zum Desktop gehören, automatisch so hoch, dass sie gut zu erkennen sind.

Abbildung 1: Ein 4k-Display zeigt zwar eine beeindruckende Auflösung, für die alltägliche Arbeit sind viele Bildschirmelemente aber schlicht zu klein.

Apple gilt als Vorreiter dieser Technologie: Die "Retina"-Displays, die das Unternehmen aus Cupertino vor Jahren erstmals auf den Markt brachte, bieten auf kleinen Displays sehr hohe Auflösungen und damit die Möglichkeit, die Bildschirminhalte besonders scharf darzustellen. MacOS kann deshalb schon seit einiger Zeit die Bildschirmelemente skaliert anzeigen. Die gängigen Linux-Desktops bieten vergleichbare Funktionen: Auch KDE und Gnome etwa haben einen HiDPI-Modus (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das HiDPI-Prinzip kommt von Apple: Das Display läuft in der nativen Auflösung, das Betriebssystem skaliert die UI-Elemente aber hoch.

Doch wie gut wurde das Prinzip unter Linux umgesetzt? Wir zeigen am Beispiel des 32-Zoll-4k-Monitors LG 32UD99W, dass HiDPI Linux-Nutzer leider vor manch unüberwindbare Hürde stellt. Die beschriebenen Lösungen und Probleme sind unter Kubuntu und OpenSuse identisch, weil beide ähnliche Versionen von KDE nutzen.

Homogene Umgebungen brillieren

Zunächst gilt: Wer ein 4k-Display an seinen Linux-Computer anschließt und Gnome oder KDE verwendet, aktiviert im Konfigurationsdialog des Desktops die Funktion Anzeige skalieren. Der passende Button dafür findet sich im KDE-Dialog zur Verwaltung und Einrichtung von Monitoren und Anzeigen. Über einen Schieberegler geben Sie den Skalierungsfaktor an: Wenn Sie hier etwa 2 auswählen, stellt KDE alle Fenster doppelt so groß dar, wie es ohne die Skalierung der Fall wäre. Die Skalierung, die Sie in KDE festlegen, wirkt sich aber nur auf Anwendungen aus, die die Grafikbibliothek Qt5 zur Darstellung nutzen. Das KDE-Kontrollzentrum hinterlegt in Ihrer Qt-Konfigurationsdatei eine entsprechende Anweisung, Qt5-Programme doppelt so groß darzustellen, wie es eigentlich der Fall wäre (Abbildung 3).

Abbildung 3: KDE bietet im Konfigurationsdialog einen Schieberegler, um die eigenen Programme hochzuskalieren. Das ändert aber nur die Anzeige von Qt5-Anwendungen.

Etliche Extrawürste

Der Umkehrschluss ist leider zulässig: Alle Anwendungen, die nicht auf Qt setzen, ignorieren die Skalierbarkeitsanweisung kurzerhand – im schlimmsten Fall bleiben die jeweiligen Fenster mitsamt ihren Buttons also winzig. Als Linux-Nutzer haben Sie an dieser Stelle die Wahl: Sie beschränken sich entweder auf Qt5-Anwendungen, oder Sie starten eine Odyssee durch etliche Konfigurationsdialoge verschiedener Grafikbibliotheken, um so viele Programme wie möglich auf HiDPI umzustellen.

Hinzu kommt, dass es eine Reihe von Standardapplikationen gibt, die gar keine Grafikbibliothek aus der "Standardsammlung" nutzen – sondern ihre Grafik selbst implementieren. Dazu gehören die großen Webbrowser wie Firefox oder Chrome genauso wie etwa Thunderbird. Hier müssen Sie pro Applikation festlegen, dass die Inhalte der angezeigten Fenster vergrößert werden sollen. Die folgenden Beispiele zeigen im Detail, wie mühsam das sein kann.

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