Schwarze Liste

Querschießende Treiber lassen sich gezielt deaktivieren. Dazu müssen Sie zunächst den internen Namen des Treibers herausfinden. Ihn verrät unter anderem die Ausgabe des Linux-Kernels beim Systemstart. Sofern Linux noch startet, können Sie auch ein Terminalfenster öffnen, den Befehl

lspci -v

eintippen und die Eingabetaste drücken. Unter jedem erkannten Gerät stehen dann neben Kernel modules der oder die gesuchten Treiber.

In jedem Fall verwenden Sie als Bootparameter den Namen des Treibers, dem Sie ein module_blacklist= voranstellen. Den Treiber e1000 für die entsprechende Intel-Netzwerkkarte deaktivieren Sie z. B. mit module_blacklist=e1000. Mehrere zu entfernende Treiber trennen Sie durch Kommata. Im folgenden Beispiel würde der Kernel sowohl die E1000-Netzwerkkarte als auch den freien Grafikkartentreiber Nouveau deaktivieren:

module_blacklist=e1000,nouveau

Mit dem Parameter usbcore.nousb lässt sich zudem das komplette USB-System lahmlegen – und somit in der Regel auch Maus und Tastatur, es sei denn, Sie verwenden noch ältere Geräte mit rundem PS/2-Anschluss.

Festplatten und Prozessor

Einige Datenträger und Festplatten brauchen ein paar Sekunden, bis sie betriebsbereit sind. Wenn der Kernel die Linux-Root-Partition zu früh einhängen möchte, führt das zu einem Fehler. Sie können dann über den Parameter rootdelay= eine längere Wartezeit vorgeben. Mit rootdelay=2 würde Linux zwei Sekunden Däumchen drehen und erst dann die Root-Partition einhängen. Mit rootwait wartet Linux sogar unendlich lange auf die Betriebsbereitschaft der Partition. Das kann vor allem dann helfen, wenn Sie Linux auf einer SD-Karte oder einem USB-Gerät installiert haben.

Sieht das Live-System keinen der angeschlossenen Datenträger, sollten Sie den Bootparameter nodmraid ausprobieren: Der schaltet das Software-RAID ab, mit dem sich mehrere Festplatten zu einer einzigen großen logischen Platte zusammenfassen lassen.

Mit maxcpus= legen Sie fest, wie viele Prozessoren (bzw. Kerne) Linux nutzen soll. Im Fall von maxcpus=1 verwendet Linux nur noch einen Prozessorkern. Bei maxcpus=0 geht Linux ebenfalls von einem CPU-Kern aus und schaltet gleichzeitig APIC ab (wie noapic).

Nachdem der Linux-Kernel seine Arbeit aufgenommen hat, übergibt er bei den meisten Distributionen den Stab an das Programm Systemd. Dieses steuert den restlichen Bootvorgang und sorgt unter anderem dafür, dass automatisch die grafische Benutzeroberfläche startet. (Alle am Systemstart beteiligten Komponenten fasst Abbildung 9 nochmals zusammen.) Über entsprechende Bootparameter können Sie auch Systemd beeinflussen. So startet der Bootparameter systemd.unit=multi-user.target das System ohne grafische Benutzeroberfläche, während systemd.unit=rescue.target ein minimales System ohne Netzwerkzugang aktiviert. Letzteres ist in erster Linie als Rettungssystem gedacht.

Abbildung 9: Der Systemstart im Schnelldurchlauf: Nach dem Einschalten startet das eingebaute BIOS oder UEFI den Bootloader, der wiederum den Linux-Kernel lädt und aktiviert und diesem die Bootparameter übergibt. Der Kernel startet Systemd, das schließlich alle weiteren Komponenten des Systems einrichtet.

In einem laufenden Linux-System können Sie sich die beim Start übergebenen Bootparameter anzeigen lassen. Dazu öffnen Sie ein Terminalfenster, tippen

cat /proc/cmdline

ein und drücken die Eingabetaste.

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