Grafikkarte im Griff

Normalerweise wählt der Linux-Kernel die passende Bildschirmauflösung. Unter anderem kann er so besonders früh einen Splash Screen mit einer Fortschrittsanzeige präsentieren. Einige Grafikkarten kommen mit diesem "Kernel Mode Setting" jedoch nicht zurecht. Das gilt insbesondere für neue Nvidia-Grafikkarten, die der Linux-Kernel noch nicht kennt. Der Bildschirm flackert dann, bleibt schwarz oder zeigt im besten Fall eine verzerrte Darstellung. Bei solchen Grafikproblemen sollten Sie daher zunächst den Parameter nomodeset ergänzen. Damit verbieten Sie dem Kernel, die Bildschirmauflösung selbst zu setzen; diese bestimmt dann erst die grafische Benutzeroberfläche (genauer gesagt: der dafür zuständige X-Server).

Sollte nomodeset alleine nicht helfen, ergänzen Sie noch den Parameter xforcevesa. Damit verwendet die grafische Benutzeroberfläche einen Standard-Grafikmodus, den jede Grafikkarte gemäß VESA-Standard unterstützten sollte. Die Auflösung ist dann allerdings niedrig, die 3-D-Fähigkeiten sind eingeschränkt, und je nach Monitor ist das Bild sogar in die Breite gezogen. Dank nomodeset xforcevesa sollten Sie aber zumindest eingeschränkt mit dem System arbeiten und die proprietären Grafikkartentreiber nachinstallieren können.

Über vga= lässt sich zudem noch eine ganz bestimmte Auflösung erzwingen. Hinter dem Gleichheitszeichen steht dabei eine Zahl für den gewünschten Grafikmodus. Der Parameter vga=794 würde z. B. eine Auflösung von 1 280 x 1 024 Pixeln mit Farbtiefe 16 Bit wählen. Die Tabelle Grafikmodi und Modusnummern für die "vga"-Option listet alle wichtigen Grafikmodi mit ihren zugehörigen Nummern auf. Die dort kursiv gedruckten Modi werden nicht von allen Grafikkarten unterstützt.

Grafikmodi und Modusnummern für die "vga"-Option

  320 x 200 640 x 400 640 x 480 800 x 500 800 x 600 896 x 672 1024 x 640 1024 x 768 1152 x 720 1280 x 1024 1400 x 1050 1440 x 900 1600 x 1200 1920 x 1200
16 Farben         770     772   774
256 Farben   768 769 879 771 815 874 773 869 775 835 864 796 893
15-Bit-Farbtiefe 781 801 784 880 787 816 875 790 870 793   865 797
16-Bit-Farbtiefe 782 802 785 881 788 817 876 791 871 794 837 866 798
24-Bit-Farbtiefe 783 803 786 882 789 818 877 792 872 795 838 867 799
32-Bit-Farbtiefe   804 809 883 814 819 878 824 873 829   868 834

Bockige Stromsparfunktionen

Auf aktuellen Systemen steuert das "Advanced Configuration and Power Interface" (ACPI) die Stromsparfunktionen. Diese können jedoch einen Start von Linux verhindern, etwa mit einem schwarzen Bildschirm oder einem Absturz während des Startvorgangs. Wenn Linux die Notebook-Lüfter nicht steuern kann, rauschen diese auch gerne schon einmal auf vollen Touren. Betroffen sind vor allem Notebooks, deren ACPI vom Standard abweicht. In solchen Fällen können Sie die Stromsparfunktionen mit acpi=off deaktivieren. Im schlimmsten Fall legen Sie den Lüfter des Prozessors lahm, was wiederum zu Schäden führen kann. Für einige bekannte verkorkste ACPIs kennt Linux einige Tricks bzw. Workarounds, doch auch die können Probleme verursachen. Anstatt dann mit acpi=off gleich komplett ACPI zu deaktivieren, können Sie auch zunächst acpi=strict ausprobieren: Dann verwendet Linux keine Workarounds, sondern hält sich strikt an den ACPI-Standard.

Das ACPI hilft auch bei der Erkennung von Erweiterungskarten und Hardwarekomponenten. Klappt die Identifizierung nicht, können Sie entweder das ACPI abschalten oder den Parameter pci=noacpi ausprobieren. Im letzten Fall versucht Linux selbst, die Hardwarekomponenten zu erkennen. Auf älteren Computern kommt statt ACPI noch das Advanced Power Management (APM) zum Einsatz. Dieses deaktivieren Sie mit apm=off.

Hardwarekomponenten machen über Interrupts auf sich aufmerksam. Diese Interrupts verwaltet auf modernen Computern eine Komponente namens Advanced Programmable Interrupt Controller (APIC; nicht mit dem bereits erwähnten ACPI zu verwechseln). Insbesondere auf Notebooks bringen fehlerhafte APICs gerne Linux durcheinander. Dort können Sie mit dem Bootparameter noapic das APIC-System lahmlegen. In der Folge wecken jetzt allerdings die Interrupts immer sämtliche Prozessorkerne, wodurch das System wiederum mehr Energie verbrät. Zum APIC-System gehören auch die Local Advanced Programmable Interrupt Controller, die sich vereinfacht gesagt um die Interrupts eines jeden Prozessors (bzw. CPU-Kerns) kümmern. Diese Local APICs knipsen Sie mit dem Bootparameter nolapic aus. Möchte Linux bei Ihnen nicht starten, sollten Sie insbesondere auf einem Notebook einmal die Dreierkombination acpi=off noapic nolapic ausprobieren. Wenn Ihr System damit startet, entfernen Sie nacheinander je einen der Parameter, um die minimal nötige Parametermischung zu entdecken.

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