Vidcutter 3.2.0 – simples Videoschnittprogramm

Ein Mehrspureditor wie OpenShot oder Kdenlive ist viel zu kompliziert, um Werbeunterbrechungen aus Fernsehaufnahmen herauszuschneiden. Mit Vidcutter geht das einfacher und schneller.

Der eben vorgestellte Video-Editor OpenShot gibt sich übersichtlich. Aber es handelt sich bei ihm um einen Mehrspureditor: Sie schneiden dort aus beliebig vielen Aufnahmen die gewünschten Szenen heraus und montieren sie dann auf den Spuren am unteren Bildrand zum fertigen Film. Dieses Verfahren ist praktisch für Schnitt und Komposition mehrerer Videodateien, es ermöglicht weiche Übergänge oder Überlagerungen.

Doch wenn Sie aus einer Fernsehaufnahme Werbung herausschneiden oder Vor- und Nachlaufzeit entfernen möchten, sind Mehrspureditoren wie OpenShot oder Kdenlive einfach überdimensioniert: Zum Herausschneiden einzelner Bereich genügt eine Spur wie im Vidcutter (Abbildung 9) [6], dessen Entwicklung erst seit August 2016 läuft.

Abbildung 9: Das GUI des Einspur-Schnittprogramms Vidcutter ist intuitiv: Die weiß hinterlegten Bereiche im Zeitstrahl landen im geschnittenen Video. Der "Clip Index" zeigt die ersten Frames der ausgewählten Szenen, die sich bei Bedarf entfernen, wieder neu erstellen und umsortieren lassen.

Vidcutter wirkt auf den ersten Blick wie ein einfaches Abspielprogramm: Der Play-Button oder die Leertaste starten die Wiedergabe. Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten spulen Sie vor und zurück. Wie die grafisch liebevoll gestaltete Keyboard-Shortcut-Übersicht (Abbildung 10) erläutert, gibt es mit [Pfeil hoch] und [Pfeil runter] sowie [Umschalt]+[Pfeil hoch] und [Umschalt]+[Pfeil runter] auch Tastenkürzel für größere Sprünge. Daneben lässt sich der Wiedergabe-Cursor auch mit der Maus verschieben.

Abbildung 10: Die Keyboard-Shortcut-Übersicht ist nur ein Beispiel für die angenehme optische Gestaltung von Vidcutter.

So navigieren Sie exakt und doch zügig an die Stelle, an der die Wiedergabe des geschnitten Videos beginnen soll. Klicken Sie dann auf Clip Start oder drücken Sie [Eingabe]. Im rechten Unterfenster Clip Index erscheint eine Vorschau des ersten Frames. Springen Sie nun zur ersten Werbeunterbrechung, die Sie herausschneiden möchten. Auf dem als Videostreifen dargestellten Zeitstrahl erscheint eine graue Auswahl. Klicken Sie auf Clip End oder drücken erneut [Eingabe], sind Start- und Endzeit im Clip-Index-Unterfenster fixiert.

Positiv denken

Vidcutter führt also anders als das ansonsten ähnliche Programm Avidemux [7] eine Positivliste der ausgewählten Bereiche. Avidemux schneidet dagegen die Auswahl direkt aus dem Zeitstrahl heraus, was wir weniger praktisch finden. Außerdem macht dort die Änderungen-Verwerfen-Funktion alle Schnitte gleichzeitig rückgängig, Sie müssen dann ganz von vorne beginnen.

In Vidcutter entfernen Sie per Rechtsklick bequem einen oder mehrere Clips aus dem Clip Index. Wählen Sie Bereiche weiter vorn im Video erneut aus, landen sie im Clip Index zwar zunächst am Ende der Schnittliste, und auch im fertigen Film würden Sie erst am Ende erscheinen, sie lassen sich aber per Rechtsklick einfach an die richtige Position verschieben.

Haben Sie alle gewünschten Szenen herausgepickt, klicken Sie auf den Button Save Media. Vidcutter startet dann im Hintergrund FFmpeg für den Schnitt. Wie schon bei OpenShot benötigen OpenSuse-Anwender für die Unterstützung der gängigen Video-Codecs die Version aus dem Community-Repository Packman.

Über den Menü-Button ganz rechts in der unteren Button-Leiste lässt sich die Schnittliste speichern. Nötig ist das nur, wenn Sie den eigentlichen Schneidevorgang, der naturgemäß eine Weile dauert, erst nach einem Neustart des Programms starten möchten. Im Menü gibt es noch die Möglichkeit, ein dunkles Theme auszuwählen, sowie eine detaillierte Media Information mit Daten zum Videoformat und den Audio- und Video-Codecs.

Die Redaktion meint

Der übersichtliche Newcomer Vidcutter hat der Redaktion besser gefallen als Avidemux, der Klassiker für den Schnitt einer einzelnen Videodatei. Filter sind in Vidcutter allerdings anders als in Avidemux nicht zu finden, auch das Konvertieren in andere Formate und die Rekompression eines Videos stehen nicht auf seiner Feature-Liste.

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