Monokultur

Liebe Leserinnen und Leser,

der jüngste Angriff namens "Wanna Cry" hat um die 200 000 Rechner durch Verschlüsselung der Daten lahmgelegt – allen befallenen PCs gemeinsam ist, dass auf ihnen Windows läuft. Dia Diagnose, dass die Microsoft-Monokultur, die in vielen Bereichen herrscht, gefährlich ist, stellen nicht nur Open-Source-Verfechter – unter der Überschrift "Mit Microsoft leben und sterben" [1] schreibt z. B. Ruth Berschens im Handelsblatt:

Von einer vernünftigen Streuung des Cyber-Risikos kann [...] keine Rede sein. Fast alle Regierungen, Behörden und Unternehmen in der EU haben ihre Computernetzwerke mit Microsoft-Produkten ausgestattet. Sollten Viren oder Trojaner die Betriebssysteme des Konzerns erfolgreich angreifen, dann läuft in Europa im schlimmsten Falle gar nichts mehr.

Doch zu oft setzen Microsoft-Anhänger darauf, beim "Bewährten" zu bleiben – oder versuchen sogar, eine erfolgreiche Teilmigration auf Linux wieder umzukehren, wie zuletzt im Februar Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter [2], der das LiMux-Projekt am liebsten eindampfen würde [3]. Entscheidern fehlt oft die nötige Kompetenz, Vor- und Nachteile von Windows, Linux und anderen Lösungen in einem konkreten Szenario richtig einzuschätzen.

Vielleicht sind wir Linux-Anhänger alle zu leise. Wir könnten z. B.

  • als Angestellte immer wieder darauf drängen, dass die Firmen-IT auch die Anbindung von Linux-Arbeitsplatz-PCs unterstützt,
  • als Student/innen via AStA und Fachschaft fordern, dass Dozenten Unterlagen nicht als Word-, Excel- und PowerPoint-Dateien, sondern in offenen Formaten zur Verfügung stellen und dass EDV-Kurse für Nichtinformatiker auch in Linux einführen,
  • als Eltern schulpflichtiger Kinder bei Elternversammlungen fordern, dass im Informatikunterricht auch Linux eingesetzt wird,
  • als Bürger in die Sprechstunden von Ratsmitgliedern und Abgeordneten aller Ebenen (Stadt, Land, Bund) gehen und fragen, was sie gegen die Monokultur zu tun gedenken.

Ein großer Teil der Bevölkerung wird gar nicht wissen, dass man PCs nicht zwingend mit Windows betreiben muss – und viele wird das auch nicht interessieren. Trotzdem sollten wir das Thema immer wieder zur Sprache bringen.

Schwerpunkt Backup

In der Titelstrecke dieser Ausgabe geht es um das wenig geliebte Thema Datensicherung: Es fällt weder in den Bereich "Spaß mit Linux", noch gehört sie zu den produktiven Aufgaben – trotzdem ist es wichtig, regelmäßige Backups durchzuführen. Damit Sie sich leichter dazu aufraffen können, haben wir verschiedene Methoden untersucht, die mit möglichst geringem Aufwand umzusetzen sind – lesen Sie dazu unsere Einführung ab Seite 28 und entscheiden Sie sich dann für lokale Backups (auf USB-Platte oder -Stick) oder eine Netzwerklösung (mit eigenem Server bei einem Webhoster oder via Dropbox). Das Netzwerkbackup einzurichten, ist etwas aufwendiger als die lokale Lösung, aber dieser Konfigurationsaufwand fällt nur ein einziges Mal an – danach läuft die Datensicherung regelmäßig und vollautomatisch ab.

Frisches Linux

Auf der Heft-DVD finden Sie wieder zwei aktuelle Linux-Distributionen, die Sie installieren und damit Ihren Rechner auf einen frischen Stand bringen können: Kubuntu 17.04 ist die im April erschienene und von uns via Service-Kit-DVD mit Updates und Software unterstützte KDE-Variante von Ubuntu, und OpenMandriva 3.02 ist die kurz vor Redaktionsschluss veröffentlichte Version eines der beiden Mandrake-/Mandriva-Linux-Nachfolger.

Hans-Georg Eßer

Chefredakteur

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