PostScript

Die Seitenbeschreibungssprache PostScript "sprechen" vor allem bessere Laserdrucker und auch Druckmaschinen (in einer Druckerei). PostScript ist für Linux eine wichtige Sprache, denn wenn Sie etwas ausdrucken, erzeugt das Drucksystem meist zunächst eine PostScript-Datei, welche ein spezieller Druckertreiber für Ihr Gerät dann in die Sprache übersetzt, die der Drucker spricht. Der letzte Schritt entfällt, wenn Sie einen PostScript-Drucker benutzen: Dann liegt das Dokument nach der ersten Umwandlung schon in der Zielsprache vor.

Wie kann man dieses Wissen sinnvoll nutzen? Ein Beispiel: Wenn Sie eines dieser irritierenden PDF-Formulare ausgefüllt haben, bei denen der PDF-Viewer Ihnen verbietet, die Änderungen zu speichern, ist nur das Ausdrucken erlaubt. Nach dem Drucken (und dem Schließen des PDF-Viewers) sind die Änderungen verloren. Wenn Sie aber die Verarbeitung der Druckerwarteschlange mit cupsdisable anhalten, erzeugt der PDF-Viewer zwar den Druckauftrag, dieser verlässt aber nicht das System. Jetzt können Sie sich auf die Suche begeben: Verarbeitete Druckaufträge landen im Ordner /var/spool/cups/ und haben dort nichtssagende Dateinamen der Form d00012-001. Eine kurze Untersuchung mit dem Befehl file verrät, dass es sich dabei um eine PostScript-Datei handelt:

quad:/var/spool/cups # file d00012-001
d00012-001: PostScript document text conforming DSC level 3.0, Level 2

(Vor dem Wechsel in den Ordner /var/spool/cups/ müssen Sie mit sudo -l zum Administrator rootwerden; normale Anwender können das Verzeichnis nicht betreten oder auflisten.)

PostScript-Dateien können Sie u. a. im Dateibetrachter Dolphin öffnen; auf den ersten Blick gibt es keine großen Unterschiede zwischen PDF- und PostScript-Dateien: Diese lassen sich ineinander konvertieren.

  • Von PostScript zu PDF geht es mit dem Programm ps2pdf,
  • für die umgekehrte Richtung nutzen Sie pdf2ps.

Beide Programme erwarten als Argument den Namen einer PostScript- bzw. PDF-Datei und erzeugen eine – bis auf die Dateiendung – gleichnamige Datei des jeweils anderen Typs.

Um zum Ausgangspunkt zurück zu kommen: Die gegen Speichern von Änderungen geschützte Datei haben Sie nun auf Umwegen in eine PostScript-Datei (mit Ihren Formulareintragungen) umgewandelt, und daraus können Sie wieder eine PDF-Datei erzeugen, die Sie dann archivieren. Hat alles geklappt, nehmen Sie die Druckerwarteschlange mit cupsenable wieder in Betrieb.

Mehr Informationen zu PostScript und dem (daraus entstandenen) PDF-Format lesen Sie in einem älteren EasyLinux-Artikel [3].

psnup, psselect & Co.

Ein Programmpaket, das bei OpenSuse und Kubuntu einheitlicg psutils heißt, enthält eine Sammlung kleiner Tools, mit denen Sie PostScript-Dateien verarbeiten können. Klassiker sind psnup und psselect.

psnup (PostScript n-up) fasst mehrere Seiten auf je einem Blatt zusammen, z. B. in einem 3x3- oder 4x4-Raster. Um etwa aus der digitalen Fassung der letzten EasyLinux-Ausgabe eine Miniaturansicht mit 16 Seiten auf einem Blatt zu machen, können Sie folgende Befehle verwenden:

pdf2ps EL_03-2016_Digisub.pdf test.ps
psnup -16 test.ps test-out.ps
ps2pdf test-out.ps

Das Ganze dauert eine Weile, danach erhalten Sie ein Ergebnis wie in Abbildung 4. (Sinnvoller wäre es hier allerdings, pdfnup zu verwenden, das dieselbe Aufgabe wie psnup hat, dabei aber direkt mit PDF-Dateien arbeitet.)

Abbildung 4: 16 EasyLinux-Seiten auf einem Blatt: Zu klein zum Lesen aber hübsch anzusehen.

Auch psselect ist ein nützliches Tool: Es wählt einzelne Seiten aus einer PostScript-Datei aus – über die Angabe von Seiten, Seitenbereichen oder durch die Vorgabe "ungerade" oder "gerade". Haben Sie z. B. einen nicht duplexfähigen Drucker, können Sie ein großes Dokument trotzdem beidseitig drucken, indem Sie zunächst mit psselect -e (even) die gerade Seiten drucken, den fertigen Papierstapel neu einlegen und dann mit psselect -o -r (odd, reverse) die ungeraden Seiten in umgekehrter Reihenfolge drucken. Das liefert im Ergebnis eine Sammlung von korrekt beidseitig bedruckten Blättern.

In der Toolsammlung psutils stecken noch weitere interessante Helfer, etwa psbook, das aus einem mehrseitigen Dokument eine so genannte Signatur erstellt. Dieser Begriff aus dem Buchdruck beschreibt die ungewöhnliche Anordnung von Seiten, die für den erforderlich ist – man kann sie aber auch brauchen, wenn man eine kleine mehrseitige Broschüre erstellen und selbst drucken möchte [2].

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