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© Brother International GmbH

SANE-Konfiguration für Multifunktionsgeräten

Scannen unter Linux

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Multifunktionsgeräte kombinieren Drucker und Scanner – wobei aus Linux-Sicht beide Geräte separat auftreten und auch so behandelt werden möchten. Mit der SANE-Bibliothek gelingt der Zugriff auf den Scanner-Teil.

Separate Scanner sterben im Anwenderbereich langsam aus: Immer selter finden sich klassische Flachbettscanner als eigenständige Geräte in den Regalen der Händler. Das hat nichts damit zu tun, dass zu Hause weniger gescannt wird – im Gegenteil: Der Bedarf, Dokumente oder Fotos auf den eigenen Computer zu laden, um etwa Nachbearbeitungen durchzuführen, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Schließlich kann man so bequem Fotos digitalisieren oder Papierrechnungen am Computer wie per Mail erhaltene Rechnungen behandeln.

Den Platz der klassischen Scanner nehmen Multifunktionsgeräte ein: Das sind Kombinationen aus Scanner und Drucker, die oft auch noch einen Faxanschluss und eine Kopierfunktion aus dem Ärmel schütteln und so vier Geräte in sich vereinen. Bessere Geräte bieten zudem einen Netzwerkanschluss.

Linux-Anwender müssen beim Kauf der genannten Geräte einmal mehr wachsam sein: Während man sich blind darauf verlassen kann, dass Treiber für alle aktuellen Windows-Versionen beiliegen, sieht es bei der Unterstützung auf der Linux-Seite nicht immer ganz so gut aus. Wir verraten, wie Sie gängige Multifunktionsgeräte so konfigurieren, dass Sie die Scan-Funktion nutzen können.

Erst testen

Bevor Sie sich mit einer eventuell umständlichen manuellen Konfiguration beschäftigen, sollten Sie ausprobieren, ob Linux Ihren Scanner aus dem Stand unterstützt. Um überhaupt scannen zu können, benötigen Sie ein wenig Software – prüfen Sie darum zunächst, ob die folgenden Pakete installiert sind:

  • unter Kubuntu 16.04: libsane, libsane-extras und xsane
  • unter OpenSuse 42.1: sane-backends und xsane

– falls nicht, holen Sie das über die Paketverwaltung nach.

In einem nächsten Schritt sollten Sie prüfen, ob Linux den Scanner beim Einstöpseln bemerkt: Das neue Gerät sollte Spuren im Systemlog hinterlassen. Öffnen Sie dazu mit [Alt]+[F2] und konsole ein Terminalfenster und geben Sie dort den Befehl

sudo dmesg -w

ein. Dadurch erscheinen die letzten und alle künftigen Systemlog-Einträge in diesem Terminalfenster. Der Befehl fordert mit sudo Administratorrechte an; darum müssen Sie Ihr Passwort (Kubuntu) bzw. das Administratorpasswort (OpenSuse) eingeben. Abbildung 1 zeigt die Ausgaben, nachdem wir testweise zunächst ein modernes Multifunktionsgerät von Brother (den MFC-J5910DW) und danach zusätzlich einen älteren Flachbettscanner von Canon (den LIDE 35) angeschlossen haben.

Abbildung 1: Das Anstöpseln eines USB-Geräts sollte immer eine Reaktion im Systemlog verursachen. Hier haben wir zwei Scanner angeschlossen.

Die nächsten Schritte sind ein Blick in die Liste der USB-Geräte mit lsusb und der Aufruf von scanimage -L, das nach Scannern sucht. Abbildung 2 zeigt die Resultate: Das Tool erkennt beide Geräte als Scanner. In jeder Zeile steht zum Gerät auch die USB-ID in der Form ab12:cd34, im Beispiel 04f9:0288 und 04a9:2213 für die beiden Geräte von Brother und Canon. Diese USB-IDs benötigen Sie eventuell noch.

Abbildung 2: Mit "lsusb" und "scanimage -L" finden Sie raus, ob Linux Ihren USB-Scanner überhaupt bemerkt hat.

Spannend wird dann der Versuch, mit XSane auf das Gerät zuzugreifen. Sie starten das Programm durch Eingabe von xsane (wahlweise in der Shell oder in den mit [Alt]+[F2] geöffneten Schnellstartdialog). Jetzt gibt es zunächst drei Möglichkeiten:

  • XSane erkennt keine Scanner und bricht direkt mit einer Fehlermeldung ab.
  • XSane erkennt genau einen Scanner und zeigt seine Benutzeroberfläche.
  • XSane erkennt mehrere Scanner und lässt Sie auswählen, welches Gerät Sie verwenden möchten. Nach der Auswahl erscheint die Benutzeroberfläche. (Wollen Sie im laufenden Betrieb den Scanner wechseln, beenden Sie XSane und starten das Programm neu.)

In den Fällen 2 und 3 können Sie schließlich – eventuell nach Überprüfung, dass der richtige Papiereinzug ausgewählt ist – probeweise im Hauptfenster auf Scannen oder im Vorschaufenster auf Vorschauscan klicken. Wenn dann alles funktioniert (Abbildung 3), sind Sie fertig und können den Rest des Artikels auslassen.

Abbildung 3: Der Scanner läuft: XSane hat erfolgreich einen ersten Vorschauscan erledigt.

Klappt das Scannen nicht, prüfen Sie, ob Sie zur Gruppe der berechtigten Benutzer gehören – das ist bei OpenSuse die Gruppe lp und bei Kubuntu die Gruppe scanner. Geben Sie in einem Terminalfenster id ein, um sich alle Gruppenmitgliedschaften anzeigen zu lassen:

$ id
uid=1000(esser) gid=100(users) Gruppen=100(users),6(disk),7(lp),483(vboxusers)

Auf diesem OpenSuse-System ist der Benutzer in der richtigen Gruppe. Ist das nicht der Fall, beheben Sie das Problem wie folgt: Fügen Sie über die Benutzer- und Gruppenverwaltung Ihrer Distribution sich selbst (und eventuell weitere Benutzer, die den Scanner verwenden wollen) zur Gruppe

  • scanner (Kubuntu) bzw.
  • lp (OpenSuse) hinzu. Freunde der Kommandozeile erledigen das auch schnell mit
sudo usermod -a -G scanner username

(unter Kubuntu) bzw. mit

sudo usermod -a -G lp username

(unter OpenSuse). Danach müssen Sie sich ab- und wieder anmelden, damit die Änderung greift. Probieren Sie dann erneut, ob Sie scannen können – wenn nicht, lesen Sie beim letzten Abschnitt Rechteprobleme beheben weiter.

Somit bleibt nun nur noch das Szenario, dass XSane Ihren Scanner gar nicht erkennt – es fehlt also der nötige Treiber.

Konfiguration

Beispielhaft spielen wir die Einrichtung für ein Gerät von HP durch. Geplant war auch die Betrachtung eines weiteren Geräts von Brother, aber die nötigen Schritte für die Installation der vom Hersteller bereitgestellten Treiber sind dermaßen komplex und fehleranfällig, dass wir davon Abstand genommen haben. Generell empfehlen wir bei den problematischeren Geräten, einen Blick auf das kostenpflichtige Programm VueScan zu werfen, das wir ab Seite 46 vorstellen.

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