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VueScan: Scannen

Scannen ohne Treiberprobleme

Wie könnte die Scanner-Einrichtung noch einfacher als unter Windows sein, wo man Software von der Treiber-CD installiert und dann loslegt? Es könnte ohne jegliche Einrichtung laufen. Für 40 US-Dollar leistet VueScan genau das.

VueScan [1] ist ein Scanprogramm, das der Anbieter Hamrick Software schon seit vielen Jahren vertreibt: Es handelt sich um kommerzielle, proprietäre Software, die in der Standardversion für 40 US-Dollar den Weg auf Ihren Rechner findet. Vor dem Kauf können Sie das Programm testen: Die Testversion ist in der Funktion nicht eingeschränkt, verunstaltet allerdings die gescannten Bilder mit Wasserzeichen und frag bei jedem Start, ob Sie das Programm kaufen möchten.

Wer seinen Scanner nicht mit den Standardtreibern über SANE zum Laufen bekommt, sollte dennoch einen Blick auf das Programm werfen: Es unterstützt mehr als 3000 Geräte [2], die via USB, SCSI oder Firewire Anschluss finden oder im Netzwerk erreichbar sein müssen. Für unseren Test des Programms haben wir einen modernen Multifunktionsdrucker (Brother MFC J5910DW) mit WLAN-Anbindung und einen alten klassischen Flachbettscanner (Canon CanoScan LiDE 35) mit USB-Verbindung verwendet. Beim Start sucht VueScan nach Geräten und zeigt nach ca. einer Sekunde die Programmoberfläche an. Unter Quelle können Sie dann einen der Scanner auswählen (Abbildung 1). Die Treiber "wissen" auch, welche Geräte über mehrere Einzüge verfügen, dann können Sie z. B. zwischen dem automatischen Dokumenteneinzug und dem Flachbett-Betrieb wählen, der sich für das Scannen von Buchseiten oder Fotos eignet.

Abbildung 1: Sie haben mehrere Scanner? VueScan findet sie alle, und das ohne Treiberinstallation.

Eingescannte Dokumente speichert das Programm u. a. im JPEG- oder PDF-Format (Abbildung 2): Letzteres bietet sich für Dokumente, wie z. B. Briefe, an, und Sie können auch mehrere Seiten eines Dokuments zu einer PDF-Datei zusammenfassen lassen. VueScan schlägt automatisch Dateinamen der Form 2016-09-30-0001.pdf vor und zählt die Endziffer bei mehreren Scans am selben Tag hoch. Über den Button Scannen+ kann man an bestehende PDF-Scans auch weitere Seiten anhängen. Hat der Scanner einen Dokumenteneinzug, landen mit VueScan bequem zahlreiche Seiten in einer PDF-Datei, ohne dass dafür ein manueller Eingriff nötig ist.

Abbildung 2: VueScan hat den Seitenplan dieser EasyLinux-Ausgabe eingescannt und erzeugt daraus automatisch eine PDF-Datei.

Bei ungewöhnlichen Vorlagenformaten (wie Buchseiten oder Fotos) holen Sie erst eine Vorschau mit niedriger Auflösung, ziehen dann einen Rahmen um den relevanten Bereich und scannen nur die benötigte Fläche ein. Wer auf Anpassungen verzichten kann, muss nicht den Doppelschritt Vorschau / Scannen machen: Ein Klick auf Scannen holt die Daten sofort in voller Qualität.

VueScan lässt sich auch als Kopierer nutzen – was aber nur bei reinen Scannern sinnvoll ist: Besitzer eines Multifunktionsgeräts dürften eher die Kopierfunktion des Geräts verwenden. Um mit zwei Geräten (Scanner und Drucker separat) zu kopieren, klicken Sie in VueScan zunächst auf Vorschau und (nachdem der Scan auf dem Monitor erscheint) auf Drucken.

Installation

Die Einrichtung von VueScan ist einfach, folgt aber nicht dem üblichen Schema. Die Downloadseite erkennt das Betriebssystem und bietet unter Linux automatisch die Linux-64-Bit-Version an. Es landet dann ein tgz-Archiv (vuex6495.tgz) im Downloadordner. Entpacken Sie dieses, finden Sie einen neuen Ordner VueScan und darin die Programmdatei vuescan. Diese starten per Mausklick im Dateimanager, für schnellere Starts ziehen Sie das Programm-Icon auf den Desktop oder in die Startleiste. Shell-Freunde können auch im Ordner VueScan den Befehl ./vuescan eingeben.

Wer die Testversion gegen Geld in eine Vollversion umwandelt, muss nicht neu installieren: Der Erinnerungsdialog beim Programmstart bietet die Möglichkeit, Serien- und Kundennummern einzugeben. Auf gleiche Weise lassen sich danach noch drei weitere Programminstanzen auf anderen Rechnern freischalten: wahlweise unter Linux, Windows oder OS X – jeweils als 32- oder 64-Bit-Version.

Im Kaufpreis inbegriffen sind Updates (die sowohl neue Scanner ergänzen, Programmfehler beheben als auch Unterstützung für neue Betriebssystemversionen nachrüsten), allerdings nur ein Jahr lang. Lebenslange Updates verspricht die Professional-Version, die außerdem interessante Zusatzfunktionen bietet.

Professional-Version

Für vergleichsweise stolze 90 US-Dollar (also mehr als ein billiger Scanner kostet) erhalten Sie die Professional Edition, die zusätzliche Funktionen bietet. (Bei mehreren Besuchen der Webseite schwankte der geforderte Preis jeweils um 10 Euro – beim Erstbesuch bietet der Hersteller einen 10-Euro-Rabatt, der später nicht mehr verfügbar ist. In unserem Test half es, einen anderen Browser zu verwenden oder im regulären Browser die Cookies von der Seite hamrick.com zu löschen, um wieder den Rabatt zu sehen.)

Wenn Sie die Professional Version verwenden und in der obersten Zeile die Einstellungen von Basic auf Professionell umstellen, erscheinen weitere Reiter, mit denen Sie das Verhalten beeinflussen können. Besonders nützlich ist hier unter Ergebnis die Einstellung zur Zeichenerkennung (Optical Charcacter Recognition, OCR).

Im Auslieferungszustand verwendet die OCR-Funktion ein englischsprachiges Wörterbuch, was zu Fehlern beim Scannen von Dokumenten mit Umlauten führt. Das Problem ist aber schnell behoben: Auf dem Reiter Ergebnis gibt es ein Feld OCR-Text-Sprache. Im Drop-down-Menü daneben bietet das Programm zunächst nur Englisch an, ein Klick auf Mehr öffnet aber eine Downloadseite im Browser, von der Sie die Datei ocr_de.bin herunterladen und in den Ordner kopieren, der auch die Programmdatei vuescan enthält. Nach einem Neustart des Programms können Sie dann an gleicher Stelle im Drop-down-Menü den neuen Eintrag Deutsch auswählen (Abbildung 3): Danach gelingt dann auch die Erkennung deutscher Texte mit Umlauten und scharfem S. Die Ergebnisse waren ordentlich, von erwartbaren Schwierigkeiten mit ähnlichen Buchstaben wie dem kleinen L und dem großen I abgesehen.

Abbildung 3: OCR auf Deutsch: Das funktioniert in den Professional Version, nachdem Sie ein deutsches Sprachpaket nachinstalliert haben.

Leider muss man einige Vorgaben nach jedem Programmstart neu einstellen: Im Test vergaß das Programm (in der Professional Edition), dass es die OCR-Funktion aktivieren sollte. Die meisten Einstellungen merkt sich VueScan aber in einer Konfigurationsdatei im Ordner ~/.vuescan/.

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