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© scanrail, 123RF

Ubuntus Snap-Format

Pakete mit Schnappverschluss

Ubuntu hat mit Snap ein neues Paketformat vorgestellt, das sich nicht nur für den Einsatz auf Servern eignet. Worum geht es bei Snap und warum ist das neue Ubuntu-Format nützlich? Wir geben einen Überblick.

Eine Sache lernt man bei Linux ganz schnell: Die Installation von Software funktioniert fundamental anders, als man es von Windows oder OS X her gewohnt ist. Wenn Sie etwa mit den Betriebssystemen von Microsoft Erfahrung haben, sind Sie es gewohnt, eine Datei von der Programm-Website herunterzuladen und dann doppelt auf diese zu klicken – schon startet ein Installationsprogramm, das die Software auf Ihr System bringt. So ähnlich läuft die Installation neuer Programme auch unter OS X: Hier laden Sie eine Datei herunter, deren Name auf .dmg endet – und kopieren dann meistens bloß noch die Programmdatei aus diesem komprimierten Archiv in den Programme-Ordner.

Linux funktioniert anders: Hier steht zuerst der Hersteller der genutzten Distribution in der Pflicht, möglichst viele Programme in Form von Paketen anzubieten. Alle großen Distributionen, darunter auch OpenSuse und Ubuntu, setzen auf eine Paketverwaltung: Bei Ubuntu kommen dabei Pakete im .deb-Format zum Einsatz, bei OpenSuse .rpm-Pakete. Die Paketmanager dpkg und APT für .deb-Pakete (Abbildung 1) und die Programme rpm und zypper für .rpm-Pakete bieten diverse Vorteile: Sie ermöglichen es den Distributoren und auch Autoren von Programmen, ihre Software so vorzubereiten, dass sie sich – kompiliert – als Paket auf den Nutzersystemen installieren lässt.

Abbildung 1: Auf Ubuntu-Systemen ist "dpkg" der angestammte Paketmanager, doch der bekommt nun genauso wie "rpm" Konkurrenz von "snap".

Ohne Pakete: Viel Handarbeit

Paketsysteme lösen für Anwender ein großes Problem: Entwickler stellen von ihren Programmen meist nur den Quelltext zur Verfügung; die Aufgabe, daraus ein ausführbares Programm zu erstellen (also den Quelltext zu kompilieren), fällt dem Benutzer zu. In der Realität ist das aber nicht praktikabel, denn die meisten Nutzer wissen nicht, wie das Kompilieren funktioniert – und haben im Zweifelsfall auch nicht die nötige Zeit. Das Kompilieren von OpenOffice dauert selbst auf modernen Rechnern mit Multi-Kern-Prozessoren viele Stunden, in denen der Rechner für andere Aufgaben praktisch nicht zu gebrauchen ist.

Der Anbieter stellt den Benutzern als Alternative gängige Programme bereits fertig kompiliert zur Verfügung. Anwender installieren bloß noch ein Paket über die Paketverwaltung oder auf der Kommandozeile und können die Software danach nutzen: Das Kompilieren entfällt.

Auch bei Paketsystemen ist aber nicht alles Gold, was glänzt. Ein großes Thema sind etwa Abhängigkeiten: Die meisten Programme greifen im Hintergrund auf Programmbibliotheken zu – und oft auf dieselben. Die C-Bibliothek libc etwa nutzt praktisch jedes in C geschriebene Programm. Im Paketsystem lässt sich das als Abhängigkeit ausdrücken: Jedes Programm, das explizit die C-Bibliothek braucht, um zu funktionieren, hat eine Abhängigkeit auf diese – legt also fest: "Das jeweilige Paket kann nur installiert werden, wenn die C-Bibliothek libc bereits installiert ist oder gleichzeitig mit dem Programm installiert wird."

Arbeit bei Updates

Gerade das System der Abhängigkeiten verursacht viel Mehraufwand für die Anbieter externer Software, die gern an das Paketsystem der Distribution anknüpfen möchten. Denn weil sich zwischen den Releases der Distributionen oft Kernkomponenten entscheidend verändern oder diese auf neue Major-Versionen aktualisiert werden, müssen auch externe Anbieter ihre Pakete ständig an die veränderten Bedingungen der Distributionen anpassen. Hinzu kommt, dass die Paketverwaltung von Systemen mit der Zeit langsam und schwerfällig wird, wenn auf dem System sehr viele Pakete installiert sind.

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