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© Alphaspirit, 123RF

LibreOffice, Firefox & Co. durch kleinere Programme ersetzen

Darf es etwas kleiner sein?

Der Rechner ist nicht der jüngste, und LibreOffice arbeitet unter KDE nur schleppend? Mit kleineren Alternativprogrammen können Sie auch auf älterer Hardware gut arbeiten.

In unseren EasyLinux-Workshops konzentrieren wir uns meist auf die Standardtools: Unsere Philosophie ist, für jede Aufgabe das beliebteste Werkzeug zu beschreiben – unter anderem, weil es unter OpenSuse und Ubuntu/Kubuntu bereits vorinstalliert ist und damit vor allem für Einsteiger keinen zusätzlichen Installations- oder Konfigurationsaufwand verursacht.

Dieser Artikel nimmt eine andere Perspektive ein, denn die Standardprogramme sind meist komplexe Anwendungen, die auch entsprechende Anforderungen an die Rechnerausstattung stellen: Die CPU-Geschwindigkeit und der verbaute Arbeitsspeicher müssen stimmen, damit sie gut funktionieren. Doch nicht jeder Anwender hat einen topaktuellen PC, und darum lohnt gelegentlich der Blick auf Alternativen: Programme, die – was die Features angeht – nicht mit den Topprogrammen konkurrieren können, aber trotzdem ausreichend gut verwendbar sind, um Alltagsaufgaben zu bearbeiten.

Auf den folgenden Seiten geht es nur um die wichtigsten Aufgaben: Wir stellen eine alternative Textverarbeitung, einen Browser, ein Mailprogramm und einige weitere Anwendungen vor – doch möchten wir Sie dazu einladen, sich auch selbst auf Recherche in den Repositorys Ihrer Distribution zu begeben und den Schatz zu heben, der darin steckt. Sowohl unter OpenSuse als auch Ubuntu/Kubuntu sind tausende Programme verfügbar und nur einen Klick entfernt: Mit großer Wahrscheinlichkeit ist dort auch für Ihr Anwendungsgebiet das passende Tool enthalten und wartet nur darauf, dass Sie es ausprobieren.

Eine Alternative zum Austausch einzelner Anwendungen ist der Umstieg auf eine spezielle Linux-Distribution, die für den Einsatz auf schwächerer Hardware entwickelt wird: Zwei Beispiele (Lubuntu und Puppy Linux) stellt der Kasten Alternative Distributionen vor.

Texte schreiben

Für die kleine Notiz zwischendurch oder den Brief an die Bank verwenden die meisten Anwender die Textverarbeitung Writer aus dem LibreOffice-Paket – denn sie ist auf allen großen Linux-Distributionen als Standardanwendung für diese Aufgabe vorinstalliert. LibreOffice ist in Umfang und Features aber mit Microsoft Office vergleichbar und damit oft ein viel zu mächtiges Werkzeug.

Macht man sich auf die Suche nach "kleineren" Lösungen, gibt es in der Linux-Welt nicht allzu viele Alternativen. Die interessanteste, die sich auch bequem auf jedem System installieren lässt, ist Abiword [1] aus dem Gnome-Office-Paket [2]. Hier ist zwar zuletzt im Dezember 2014 eine neue Version (3.0.1) erschienen, diese läuft aber auch auf aktuellen Distributionen. Sie richten das Programm bequem über die Softwareverwaltung von Ubuntu oder OpenSuse (hier landet Version 3.0.0 vom Oktober 2013 auf der Platte) ein und starten es dann über das Menü oder durch Eingabe von abiword in ein mit [Alt]+[F2] geöffnetes Schnellstartfenster.

Auf den ersten Blick wirkt das schnell startende Programm genau wie LibreOffice Writer: Den größten Teil des Programmfensters nimmt der Bereich ein, in dem Sie Ihr Dokument verfassen; oben gibt es wie gewohnt Menü- und Symbolleisten, unten eine Statusleiste (Abbildung 1). Nutzen Sie nur die elementarsten Funktionen, also die Eingabe von Text und das einfache Formatieren (Fett, Kursiv etc.), dann fühlen Sie sich sofort zu Hause und können das Programm nutzen, ohne einen Blick in die Menüstruktur zu werfen.

Abbildung 1: In Abiword nutzen Sie die zentralen Features einer Textverarbeitung genau wie in den größeren Anwendungen LibreOffice Writer oder Microsoft Word.

Auch die Möglichkeit, Text mit Hilfe von Absatzformatvorlagen zu formatieren, bietet Abiword – so sind z. B. für verschiedene Überschriftenebenen bereits Vorlagen vorhanden. Wenn Sie ein neues Dokument erstellen, können Sie auch eine der integrierten Dokumentvorlagen ausprobieren.

Alternative Distributionen

Statt manuell diverse kleine Programme nachzuinstallieren, können Sie auch direkt mit einer Linux-Distribution arbeiten, die geringere Anforderungen an den Rechner stellt, z. B. mit Lubuntu oder Slacko Puppy.

Lubuntu

Lubuntu [12] ist einer der zahlreichen Ubuntu-Ableger, vergleichbar mit Kubuntu und Xubuntu. Während Ubuntu, Kubuntu und Xubuntu jeweils Unity, KDE bzw. Xfce als Desktops verwenden, haben die Lubuntu-Entwickler sich für LXDE, den Lightweight X11 Desktop, entschieden; das ist der Grund für das "L" vor "Ubuntu". Der Lubuntu-Installer funktioniert wie der in dieser Ausgabe ab Seite 108 beschriebene Kubuntu-Installer.

LXDE benötigt deutlich weniger Ressourcen als andere Desktops, was die Distributionsvariante für ältere Rechner interessant macht. Wem die Oberfläche gefällt, der kann das System aber auch auf einem modernen PC verwenden: Da Lubuntu exakt dieselben Repositorys wie Ubuntu nutzt, sind alle aktuellen Softwarepakete verfügbar, und es lassen sich auf Wunsch auch später die großen Desktops nachinstallieren.

Als Dateimanager steht PCManFM zur Verfügung, die Anwendung beherrscht die üblichen Features zum Navigieren im Dateisystem. Dateien öffnet das Programm nach einem Doppelklick mit Standardanwendungen, die mit dem jeweiligen Dateityp verknüpft sind. Klappt das einmal nicht, können Sie über die Dateieigenschaften unter Öffnen mit ein neues Standardprogramm wählen.

Mit LXDE machen Sie keine Experimente: Die Oberfläche funktioniert so, wie man es erwartet, über das Startmenü (klassisch links unten in einer Start- und Taskleiste) rufen Sie die installierten Programme auf, Fenster können Sie auf mehreren (zunächst zwei) Desktops platzieren, zwischen denen Sie mit [Strg]+[Alt]+[Cursor links] und [Strg]+[Alt]+[Cursor rechts] hin und her wechseln, und Fenster besitzen die üblichen Schaltflächen zum Maximieren, Minimieren und Schließen. Wollen Sie mehr als zwei Arbeitsflächen einsetzen, klicken Sie mit der rechten Maustaste in den Bereich der Startleiste, der zwischen den Desktops umschaltet, und wählen aus dem Kontextmenü die Desktop-Pager-Einstellungen; im erscheinenden Dialog gibt es eine Einstellung Anzahl der Arbeitsflächen.

Slacko Puppy

Puppy Linux [13] gibt es in vielen Varianten, eine davon heißt Wary Puppy [14] und wurde speziell für sehr alte Rechner mit Single-Core-CPUs ab dem Intel 80486 gebaut – sie ist aber schon mehrere Jahre nicht mehr aktualisiert worden. Die Version Slacko Puppy 6.3 von Puppy Linux ist im Dezember 2015 auf Basis von Slackware Linux erschienen [15]. Das ISO-Image ist nur 234 MByte groß.

Auch alte Rechner zeigten sich in Tests mit Slacko Puppy gut benutzbar; wer Firefox starten will, braucht aber mindestens 512 MByte RAM. Die kleineren Anwendungen funktionierten auch auf einem System mit 256 MByte Speicher.

Slacko Puppy ist ein Live-Linux, das beim Booten zunächst einige Fragen zu Sprache, Tastaturbelegung und Zeitzone sowie zur gewünschten grafischen Auflösung stellt (Abbildung 10). Trotz Auswahl der deutschen Sprache bleibt die Oberfläche zunächst englisch, weil nötige Pakete fehlen. Starten Sie zur Abhilfe über Setup / Puppy Package Manager die Paketverwaltung, suchen Sie nach puppy und installieren Sie aus der Trefferliste langpack_de per Klick auf den Paketnamen und dann auf Do it nach. Die grafische Oberfläche starten Sie nach Abschluss der Einrichtung neu.

Abbildung 10: Auf dem übersichtlichen Desktop von Slack Puppy läuft die Ersteinrichtungsroutine.

Über den Menüpunkt Setup / Puppy-Universal-Installierer rufen Sie ein Programm auf, das bei der Installation auf Platte hilft; für die Partitionierung startet es GParted, und Sie legen dort von Hand Partitionen an. Es ist auch möglich, in eine bestehende Windows-Partition hinein zu installieren; dann legt das Programm nur ein Dateisystem-Image an. Nach der Installation (und dem Neustart von Platte) steht wieder die Erstkonfiguration an; Einstellungen aus dem Live-Betrieb übernimmt der Installer nicht.

PDF-Viewer

Das Standardprogramm fürs Betrachten von PDF-Dateien war über lange Jahre der Adobe Reader (ehemals Acrobat Reader) – diese Anwendung ist aber ein Monster, und auf manchen Rechnern dauert schon der Programmstart unangenehm lang, zudem installieren aktuelle Distributionen das Programm nicht mehr. Es gibt viele alternative PDF-Viewer, die flink arbeiten: nicht nur beim Start, sondern auch, während Sie durch ein Dokument navigieren. Beliebt ist unter Linux z. B. das Gnome-Programm Evince [4], das neben PDF-Dateien auch andere (seltener genutzte) Dateiformate wie etwa PostScript versteht (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der PDF-Viewer Evince startet nicht nur schneller als der Adobe Reader, sondern Sie navigieren damit auch fixer durch das Dokument.

Auch Zathura [5] ist ein schlanker und schneller PDF-Viewer: Ubuntu-Anwender können das Programm über die Paketverwaltung installieren, OpenSuse-Anwender finden über die Softwaredatenbank [6] ein passendes Paket und können es über die One-Klick-Funktion einrichten.

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