Millimetergenau

Wie jedes DTP-Programm legt Scribus das Hauptgewicht auf die millimetergenaue Platzierung der Elemente. Deshalb können Sie nicht einfach lostippen wie in LibreOffice. Vielmehr gilt es, zunächst einen Textrahmen aufziehen (Abbildung 2), in den Sie dann den Text eingeben. Grafiken platzieren Sie analog in Bildrahmen.

Abbildung 2: Für Druckprodukte gibt es unter Linux kaum eine Alternative zu Scribus. Rahmen definieren die exakten Größen aller Elemente, auch des Seitentexts (dünne rote Linie). Das Grundlinienraster hält die Textzeilen der von Vorder- und Rückseite sowie mehreren Spalten auf gleicher Höhe.

Dies mag auf den ersten Blick umständlich wirken. Doch da es im Druck auf genaue, über die Seiten hin konsistente Platzierung der Elemente ankommt, bedeuten in alle vier Richtungen abgeschlossene Rahmen für den Layouter eine Erleichterung: Sie definieren die Position von Elementen nachvollziehbar und reproduzierbar. Seitenvorlagen und eine Objektbibliothek sorgen dafür, dass Layouter wiederkehrende Objekte nur einmal "bauen" müssen und sie immer exakt gleich ausfallen.

Die Scribus-Entwickler veröffentlichen eine stabile Versionsreihe mit geradzahliger zweiter Stelle und einen weniger stabilen Entwicklerzweig mit ungerader Ziffer: Mitte Januar ist die stabile Ausgabe 1.4.6 erschienen, Mitte Februar die Entwicklerversion 1.5.1. Da Release 1.6.0, auf die der Entwicklerzweig 1.5 zuarbeitet, nicht mehr fern ist, bezeichnen die Entwickler Version 1.5.1 als "bereits robust".

Im 2012 begonnenen stabilen Release-Zweig 1.4 präsentiert sich Scribus schon als rundes Programm, das den Grundanforderungen bei der Druckprodukterzeugung genügt: Der Text in den Textrahmen umfließt Bilder genau wie vom Grafiker vorgegeben. Für glatt fließenden Blocksatz staucht oder dehnt die Software die Buchstaben- und Wortabstände minimal. Lediglich die automatische Silbentrennung kann mit kommerziellen Programmen nicht mithalten – ein Problem, das sich auf Basis freier Software wohl nicht so schnell lösen lassen wird. Die im Januar erschienene Scribus-Version 1.4.6 bügelt im wesentlichen Bugs aus und bringt kleine Verbesserungen: So wurden der SVG- und der PDF-Import optimiert.

Luft nach oben

Im Vergleich zu Profiprogrammen wie InDesign oder QuarkXpress fehlen allerdings noch Funktionen: Tabellen sind nur halbherzig umgesetzt. Fußnoten oder Textverweise fehlen ganz. Hier bessert die 1.5-er Reihe spürbar nach [3]. Endlich lassen sich Tabellen (ebenfalls Abbildung 2) wie von einer Textverarbeitung gewohnt bearbeiten und formatieren. Auch Fuß- und Endnoten sowie Textverweise sind nun verfügbar, die statt einer eingetippten Referenz "Seite 5" immer die richtige Seitenzahl liefern.

Die auch im Vergleich zur kommerziellen Konkurrenz üppigen Zeichenfunktionen wurden noch weiter ausgebaut: Scribus zeichnet nun auch Bogensegmente und Spiralen. Viele Grafiken lassen sich so ohne Abstriche direkt in Scribus zeichnen, der Wechsel zu Inkscape wird seltener nötig. Auch rasten nun Elemente auf Wunsch ein, sobald sich ihre Umrisse berühren.

Das Programm erleichtert das Einfügen von Bildern nun mit einem Bild-Browser. Außerdem unterstützt Scribus mehr Bildformate. Für den Export, also den Datenaustausch mit der Druckerei, steht nun das PDF-X4-Format zur Verfügung, das auch transparente Objekte kennt. Dies ermöglicht unter anderem den Export der ebenfalls in Version 1.5 neu hinzugekommenen Schlagschatten für Rahmen und Grafiken (ebenfalls in der Abbildung zu sehen).

Leider sind die Dateiformate zwischen 1.5- und 1.4-Versionen nicht rückwärts kompatibel: Mit der neueren Version erzeugte Dateien lassen sich in der älteren nicht öffnen. Umgekehrt klappt es aber.

Die Redaktion meint

Für komplexe Layouts in mehrseitigen Dokumenten ist das freie Programm Scribus unter Linux konkurrenzlos.

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4 von 5 Sternen

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