Spezialist

In der letzten Besprechung haben wir Darktable als Spezialsoftware zum Aufpeppen von Fotos dem weniger spezialisierten Gimp gegenübergestellt: In Darktable bewirken wenige Reglereinstellungen große Verbesserungen im Farb- und Helligkeitsverlauf. Die Farbkorrektur in Abbildung 5, die die blasse, überbelichtete Aufnahme ansehnlich einfärbt, kostet nur ein Verschieben des in der Abbildung hervorgehobenen weißen Griffs. Diese Spezialisierung erkauft sich das Programm mit einem im Vergleich zum Allrounder Gimp enger geschnittenen Einsatzbereich. So fehlen künstlerische Effekte wie der Ölgemälde-Filter in Gimp (Abbildung 6).

Abbildung 5: Die Stärke von Darktable liegt in äußerst wirkungsvollen Filtern mit oft nur wenigen Einstellungen: Ein Ziehen eines Anfassers in Richtung Rottöne bessert die blassen Bildfarben nach.
Abbildung 6: Verfremdende Spielereien wie der hier zu sehende Gimp- Ölgemälde-Filter sind das Metier eines Allzweckprogramms, nicht aber von Darktable.

An dieser Grundausrichtung hält Darktable fest. Und um es gleich vorwegzunehmen: Allzu viel hat sich nicht geändert. Etwa eine Hand voll neuer Bearbeitungsfunktionen sind hinzugekommen. Der Hauptgrund für das Hochzählen der Major-Version war vermutlich die Portierung des GUI auf Gtk 3. (Ältere Versionen verwendeten Gtk 2.) Diese Umstellung mag auf den ersten Blick nicht auffallen, bringt aber Erleichterungen auf großen Bildschirmen mit sich: Gtk-3-Oberflächen bleiben dort besser lesbar.

Kerngeschäft

Die wesentlichste Neuerung liegt im Kern des Programms, nicht in seiner Oberfläche: Die Software behält nun die gesamte Bearbeitungshistorie, wenn Sie den Bearbeitungsmodus für ein Bild schließen. Das ist insbesondere deshalb wichtig, weil Darktable anders als Gimp immer nur ein Bild zum Bearbeiten öffnen kann. In der aktuellen Version spielt diese Einschränkung nun praktisch keine Rolle mehr: Das Öffnen eines anderen Bilds geht mit der eingebauten Thumbnail-Ansicht (Leuchttisch) schnell. Wenn Sie wieder zum ursprünglichen Bild zurückkehren, stellt die Software den gesamten Arbeitsbereich inklusive des Verlaufs wieder her.

Endlich kann Darktable auch drucken und die Bilder in das plattformübergreifende PDF-Format exportieren. Wesentlich für hochqualitative Bildbearbeitung im RAW-Format ist auch die Aktualisierung der unterstützten Kameramodelle. Die Thumbnail-Ansicht zeigt die Bilder nun zügiger an und lässt Sie mit den Pfeiltasten blättern, wie viele Anwender es erwarten.

Als Beispiel für die neu hinzugekommenen Bearbeitungsfunktionen soll die Farbrekonstruktion dienen: In überbelichteten Bildbereichen nimmt der Kamerasensor keine oder – noch schlimmer – verfälschte Farbinformationen wahr. Das neue Darktable-Modul erkennt solche hellen Stellen im Bild und färbt sie passend zur Umgebung ein (Abbildung 7). So manches fehlbelichtete Foto ist so noch zu retten.

Abbildung 7: Die neue Funktion "Farbrekonstruktion" dämpft störende Überbelichtungen durch intelligentes Übermalen mit der aus der Umgebung abgeleiteten Farbe.

Hinzugekommen sind auch eine verbesserte Weißpunktanpassung gegen den Farbstich in Kunstlichtaufnahmen und eine Funktion zum Einfügen textbasierter Wasserzeichen.

Bei gewichtigen Änderungen wie dem Umstieg auf Gtk 3 sind Fehler nie ganz zu vermeiden. Deswegen haben die Entwickler Anfang Februar für die 2.0er Reihe bereits eine Bugfix-Version nachgeschoben, die rund 30 Fehler ausbügelt.

Die Redaktion meint

Die Entwickler des schon lange hervorragenden Fotoretuscheprogramms Darktable haben es bei der Portierung auf die neue Grafikbibliothek Gtk 3 geschafft, nicht nur alle bisherigen Funktionen zu erhalten, sondern sogar ein paar neue draufzupacken. Besonders seit der Bugfix-Ausgabe 2.0.1 steht einem Upgrade daher nichts mehr im Weg.

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