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© alexwhite, 123RF

Videorekorder für Büro, Wohnzimmer oder Keller

Multimediaserver mit yaVDR

VDR (Video Disk Recorder) ist der Klassiker unter den Digital-TV-Rekordern für Linux. Seine Einrichtung auf einem normalen Linux-System ist aber schwierig – hier hilft der Wechsel zur spezialisierten Linux-Distribution yaVDR.

Moderne Fernseher halten mit immer mehr Funktionen Einzug in die Wohnzimmer. Sie sind jetzt Multimediastationen, mit denen weit mehr als nur TV-Konsum möglich ist. E-Mails abrufen, YouTube-Videos anschauen, die Lieblingssendung aufnehmen, eine kurze Internet-Recherche, das alles ist bequem vom Sofa aus möglich. Mit einem WLAN im Haus können Sie die Features bequem in andere Räume mitnehmen: Während Sie in der Küche stehen, können Sie die Kochsendung auf das Tablet streamen. Das Fußballspiel ist spannend, aber Sie müssen noch Akten im Arbeitszimmer bearbeiten? Kein Problem, streamen Sie einfach die Inhalte vom Fernseher auf den dort genutzten PC. Es ruft jemand an, Sie möchten die Sendung aber später zu Ende schauen? Auch das ist für Smart-TVs kein Problem. Pausieren Sie einfach die Sendung; das Gerät nimmt alles auf und kann das Programm nach Ende des Telefonats nahtlos fortsetzen.

Warum sollte man viel Geld für ein modernes TV-Gerät ausgeben, wenn der alte Fernseher noch gut ist und im Keller ein PC steht, der nicht mehr benötigt wird? Mit der Anleitung in diesem Artikel werden Sie in ca. 60 Minuten das erste Fernsehbild über Ihren PC sehen. Im Anschluss werden Sie noch einige Tage oder Wochen immer wieder mit Feinarbeiten verbringen und dabei z. B. die Kanalliste sortieren, Serienaufnahmen programmieren, zusätzliche Add-ons ausprobieren etc., bis am Ende die Einstellungen genau Ihren Ansprüchen genügen. Das ist aber bei einem neuen Fernseher auch nicht anders.

Voraussetzungen

Um die Beschreibungen in diesem Artikel praktisch nachvollziehen zu können, benötigen Sie:

  • einen Fernseher mit Anschlussmöglichkeit für einen PC (VGA / HDMI),
  • einen PC mit Nvidia-Grafikkarte (die Nvidia-Grafikkarte brauchen Sie, falls dieser Rechner gleichzeitig "Client" sein, also das Fernsehprogramm anzeigen soll; siehe auch Abschnitt Weitere Clients) und klassischer MBR-Partitionierung (nicht UEFI/GPT),
  • eine DVB-S2-, -C- oder -T-Karte (für Satellit, Kabel, oder terrestrischen Empfang) für ca. 20 bis 90 Euro sowie
  • auf dem PC ausreichend Festplattenplatz für Aufnahmen.

Um den Rechner zum Multimedia-Client zu machen, schließen Sie den Fernseher als Monitor an. Viele Geräte haben dafür einen VGA- oder HDMI-Anschluss. Als PC, dessen Hardware ruhig etwas älter sein kann, genügt in der Regel ein Atom-Rechner völlig. Um ein flüssiges Fernsehbild darstellen zu können, brauchen Sie eine Nvidia-Karte, auch diese darf etwas älter sein.

Falls Sie keine Nvidia-Karte haben, benötigen Sie einen zusätzlichen Client-PC an Ihrem Fernseher, da der Rechner ohne Nvidia-Karte dann nur die Serverfunktion übernimmt, also Fernsehsendungen empfängt und aufnimmt, aber nicht selbst wiedergibt (siehe Abschnitt Weitere Clients).

Damit Ihr PC das Fernsehsignal verarbeiten kann, braucht er eine DVB-Karte (Digital Video Broadcast). Die liegt selten im Keller bereit; Preise bewegen sich zwischen 20 und 90 Euro. Beim Kauf sollten Sie darauf achten, dass die Hardware mit Linux und speziell mit yaVDR kompatibel ist [1]. In unseren Tests konnten wir die vergleichsweise teuren Geräte von Sundtek am leichtesten installieren, für viele Karten anderer Hersteller ist zunächst eine schwierige manuelle Treiberinstallation nötig. Darum ist es sinnvoll, hier ein paar Euro mehr auszugeben.

Die Installation selbst benötigt nur wenig Plattenplatz (ca. 3 GB). Möchten Sie aber viele Sendungen aufnehmen und nicht ständig alte Aufzeichnungen löschen, sollten Sie etwas mehr Plattenkapazität bereitstellen. Eine Aufnahme in SD-Qualität benötigt zwischen 1,5 und 3 GB Speicherplatz pro Stunde, in HD-Qualität sind es bis zu 10 GB pro Stunde. Je nach Ihrem Nutzungsverhalten läuft der Videorekorder-PC täglich viele Stunden, darum sollten Sie den Stromverbrauch im Auge behalten.

Installation

Auf dem Multimediaserver installieren Sie die Linux-Distribution yaVDR, die in der aktuellen Version auf Ubuntu Linux 14.04 LTS basiert. Wer mit Ubuntu vertraut ist, fühlt sich direkt zu Hause und kann Feinarbeiten am System erledigen. Fast alle Einstellungen können Sie aber auch über das Webinterface von yaVDR vornehmen.

Für den Einsatz als Multimediaserver bringt yaVDR bereits alle Komponenten mit und installiert diese automatisch, darunter den Video Disk Recorder (VDR) von Klaus Schmidinger in Version 2.2.0 [2] und für die Anzeige des Fernsehbilds wahlweise Kodi (ehemals XBMC) oder das Frontend von VDR. Beide Varianten werden mit installiert und können auch nach der Installation jederzeit ausgetauscht werden.

Für die Installation benötigen Sie das Installationsmedium, das auf der yaVDR-Seite [3] zum Download bereitsteht. In diesem Artikel behandeln wir die aktuellste Version 0.6.1. Das ISO-Image von der Webseite können Sie mit gängigen Brennprogrammen auf CD brennen oder z. B. mit Unetbootin [4] einen bootfähigen USB-Stick erstellen. (Bei Unetbootin müssen Sie im Bootmenü die Option yaVDR installieren auswählen; die vorausgewählte Option Default installiert lediglich ein Ubuntu ohne VDR-Komponenten.)

Booten Sie mit eingelegter yaVDR-CD und folgen Sie den Installationsdialogen. Einige Sprachpakete und Updates lädt der Installer aus dem Internet, deshalb sollten Sie vor der Installation Ihren PC mit dem Netzwerk verbinden. Am Schluss fragt der Installer, ob er der Grub-Bootloader in den MBR schreiben soll. Hier müssen Sie statt dem vorausgewählten Nein die Option Ja auswählen und bestätigen, andernfalls bootet Ihre Installation nicht. Eine ausführliche Anleitung zur Installation wird direkt von yaVDR zur Verfügung gestellt [5]. Im Test schlug die Einrichtung des Bootloaders auf UEFI-Systemen fehl, yaVDR kann nur auf klassischen MBR-Platten den Bootmanager korrekt installieren. Am Ende der Installation scheint das System beim Punkt preseed hängenzubleiben. Das ist normal und dauert ca. 15 Minuten, bei älterer Hardware auch etwas länger.

Nach der Installation müssen Sie ggf. den Treiber der DVB-Karte noch einrichten; wenn Sie (wie von uns empfohlen) eine Sundtek-Karte verwenden, sind die Treiber bereits vorinstalliert.

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