Editorial

World Domination

Liebe Leserinnen und Leser,

neuerdings ist alles Open Source: Microsofts Editor "Visual Studio Code" für Programmierer (siehe Nachricht auf Seite 11) [1] und Apples Programmiersprache Swift [2] sind gerade zu einer Open-Source-Lizenz gewechselt. Viele Softwareentwickler, die bisher ihre Softwarequellen als Geschäftsgeheimnisse geschützt haben, hoffen nun auf eine Mitarbeit der Community – zumindest bei einzelnen Projekten. Bis wir den kompletten Quellcode von Windows oder OS X bekommen (und ändern dürfen), wird wohl noch ein wenig Zeit vergehen. Bis dahin erfreuen wir uns einfach an der neuen Harmonie, die z. B. zwischen Microsoft und der Linux-Welt herrscht, so etwa bei der neuen Zertifizierung "MCSA: Linux on Azure" [3], die Administratoren erwerben können, wenn sie zwei Prüfungen bestehen – eine bei Microsoft und eine bei der Linux Foundation.

Das bedeutet nicht, dass der Wettstreit um das beste System beendet wird. Einmal im Jahr sollten wir uns daran erinnern, dass wir auf das Fernziel "World Domination" hin arbeiten. Den Server-Markt hat Linux schon gewonnen, doch auf dem Desktop sieht es mittelfristig nicht danach aus, dass die Mehrheit mit Linux arbeitet. Aber auch hier könnte der Sieg in ein paar Jahren durch die Hintertür kommen: Linux ist – in Form des Android-Systems – das meist genutzte Betriebssystem für Smartphones und Tablets, und die werden immer leistungsfähiger. Mit Monitor, Tastatur und Maus können sie schon heute einen (bescheidenen PC) ersetzen, doch das Topmodell im Jahr 2020? Das könnte den klassischen PC (und damit Windows) überflüssig machen. Die World Domination kommt, Geduld.

Frisches Linux

Auf den DVDs dieser Ausgabe finden Sie gleich drei frische Linux-Distributionen: OpenSuse Leap 42.1, Kubuntu 15.10 und Knoppix 7.6. Letztere ist in erster Linie für den Einsatz als Live-System gedacht und eignet sich damit prima, um z. B. im Hardwareladen vor dem Kauf eines Rechners dessen Linux-Tauglichkeit zu prüfen, es lässt sich aber auch auf Platte installieren. OpenSuse und Kubuntu sind die offiziell von EasyLinux unterstützten Distributionen – damit Sie optimalen Nutzen aus unseren Artikeln ziehen können, empfehlen wir darum, auf eines dieser beiden Systeme zu aktualisieren. Die merkwürdige Versionsnummer 42.1 (die Vorgängerversion war die 13.2) und das Wörtchen "leap" (Sprung) deuten übrigens auf Änderungen im Entwicklungsmodell hin: OpenSuse setzt technisch jetzt auf dieselbe Basis wie die Versionen für den Unternehmenseinsatz (Suse Linux Enterprise), bringt aber neuere Programme mit.

Artikel zu den Heft-DVDs

Mit dieser Ausgabe ändern wir die Heftstruktur ein wenig: Die Installationsanleitungen zu den Distributionen auf den Heft-DVDs finden Sie ab sofort am Ende einer Ausgabe, und auch den Aufbau dieser Anleitungen haben wir angepasst: So starten wir auf Seite 102 mit einem Grundlagenartikel, der allgemeine Hinweise zur Linux-Installation gibt. Danach folgen kürzere Texte, die jeweils auf spezifische Besonderheiten der Distributionen eingehen. Damit ersparen wir uns (und Ihnen) Wiederholungen, die im alten Format unvermeidlich waren:

  • Wenn Sie zum ersten Mal Linux installieren, starten Sie mit der Lektüre des Grundlagenartikels und lesen dann – nach Bedarf – einen oder mehrere der folgenden Texte.
  • Sind Sie bereits grundsätzlich mit der Einrichtung eines Linux-Systems vertraut, lesen Sie nur den Artikel zur Distribution, die Sie nutzen möchten, und finden darin kompakt die notwendigen Informationen.

Wir hoffen, dass Ihnen diese Veränderung gefällt, und würden uns über Feedback dazu freuen. Für das neue Jahr 2016 wünschen wir Ihnen alles Gute und viele vergnügliche und/oder produktive Stunden mit Ihrem Linux-System sowie bei der EasyLinux-Lektüre.

Hans-Georg Eßer

Chefredakteur

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