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Besser oder schlechter? Windows 10 in der Linux-Praxis

Mittlere Reife

In der zehnten Klasse erwerben viele Schüler die "mittlere Reife". Ob Microsoft mit Windows 10 in den Augen langjähriger Linux-Anwender einen mittleren Reifegrad erreichen konnte und wie Sie dem System ein wenig nachhelfen, verrät dieser Artikel.

Mit Windows 10 [1] hat Microsoft eine aktualisierte Version seines populären Betriebssystems veröffentlicht, die einige neue Features bietet. Dank zahlreicher kostenloser Upgrade-Möglichkeiten sind viele Anwender schon in der Frühphase auf die neue Version umgestiegen, woraus sich aus Linux-Sicht zwei Fragen ergeben:

  • Wie schlägt sich Windows 10 aus der Perspektive eines Anwenders, der bevorzugt mit Linux arbeitet?
  • Wie integriert sich Windows 10 in eine Linux-Umgebung?

Diesen beiden Fragen gehen wir in unserem Bericht nach.

Nachdem Windows 8 den Smartphone-Kachel-Look auf den Desktop gebracht und allen Windows-Anwendern das Startmenü geklaut hat, ist es in Windows 10 wieder da. Anwender aktivieren es wie bis Windows 7 gewohnt per Klick auf das linke Icon in der Startleiste (oder über die linke Windows-Taste). Das neue Startmenü erinnert ein wenig an KDEs KickOff-Menü: Es klappen keine Untermenüs auf, sondern die jeweils nächste Menüebene ersetzt die vorherige, wenn man einen Eintrag anklickt. Dabei gibt es aber keine Sortierung in Programmkategorien; direkt nach dem Öffnen des Menüs sind nur die am häufigsten verwendeten Programme erreichbar, über Alle Apps gelangt man zu einer alphabetisch sortierten Liste aller Anwendungen, in der sich teilweise Untermenüs auf- und wieder zuklappen lassen.

Eine Besonderheit des Windows-10-Menüs ist, dass es auf der obersten Ebene (also direkt nach dem Öffnen) in der rechten Hälfte eine Auswahl von Windows-Kacheln anzeigt, unter denen sich auch "Live-Kacheln" befinden können (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Startmenü von Windows 10 kombiniert ein klassisches Windows-Startmenü mit einer Auswahl von Windows-Kacheln.

Windows-Apps (aus dem App Store), die unter Windows 8 immer in den Vollbildmodus wechseln und keine parallele Anzeige anderer Programme zulassen, lässt Windows 10 in Fenstern laufen, so dass man sie wie normale Programme nutzen kann.

Bei der Anmeldung setzt Windows jetzt auf eine vierstellige Geheimzahl (statt wie früher auf ein Passwort). Software lässt sich weiterhin über die gewohnten Installer-Programme einrichten, Microsoft bietet aber auch einen Windows Store an, der an Apples App Store erinnert (Abbildung 2). Die dort verfügbaren Programme sind allerdings "Apps" im Stil der Windows-8-Apps – immerhin ohne die Einschränkung, nur im Vollbildmodus zu laufen, aber trotzdem nicht so recht zum klassischen Desktop passend.

Abbildung 2: Der Videoplayer "VLC for Windows Store", der im Store erhältlich ist, unterscheidet sich von der normalen Programmversion.

Registrierung

Viele neue Features sind nur sinnvoll nutzbar, wenn man einen Online-Account verwendet, sich also bei Microsoft registriert. Das gilt z. B. für die OneNote-Notizen-App und auch für Cortana: Das ist Microsofts Schwester der von Apple bekannten Assistentin Siri, und sie konnte im Test gesprochene Anfragen erstaunlich gut verstehen – und gelegentlich sogar direkt beantworten. Fragen nach der Uhrzeit oder dem morgigen Wetter sind für Cortana kein Problem und liefern eine direkte Antwort im kleinen Cortana-Dialog (Abbildung 3), bei komplexeren Anfragen öffnet sich ein Browserfenster mit Microsofts Suchmaschine Bing. Der neue Standardbrowser ist übrigens Edge und nicht mehr der Internet Explorer, verwendet aber dessen Icon. Der alte Browser ist in Version 11 trotzdem noch installiert.

Abbildung 3: Cortana verlangt zwingend die Anmeldung über einen Microsoft-Account (links). Nur wer sich fügt, wird von der Assistentin mit Spracherkennung belohnt.

Virtuelle Desktops

Die grafische Oberfläche in mehrere virtuelle Desktops zu unterteilen, auf denen sich Fenster getrennt platzieren lassen, ist eine Technik, die Linux und ältere Unix-Systeme schon seit Jahrzehnten beherrschen. Gerade wer sehr viele Fenster gleichzeitig nutzt, profitiert von diesem Verfahren, denn es sorgt für einen besseren Überblick. In den bisherigen Windows-Versionen gab es dafür keine direkte Unterstützung, sondern diese musste über Tools von anderen Anbietern nachgerüstet werden.

Windows 10 bringt nun von Haus aus Support für virtuelle Desktops mit, das Feature heißt dort Task view. Per Mausklick lassen sich zusätzliche Desktops erzeugen, und leere (also solche, auf denen keine Fenster liegen) kann man auch wieder entfernen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Zu viele Fenster geöffnet? Windows 10 kann endlich für Übersicht sorgen, indem es zusätzliche virtuelle Desktops bereit stellt, auf die sich die Fenster verteilen.

Ähnlich wie unter KDE lassen sich bereits geöffnete Fenster nachträglich auf andere Desktops verschieben – dazu aktiviert man die Ansicht aller (auf dem aktuellen Desktop liegenden) Fenster, klickt eine Fenstervorschau mit der rechten Maustaste an und wählt einen Unterpunkt von Verschieben nach im Kontextmenü. Zum Umschalten auf einen anderen Desktop klickt man in derselben Ansicht eines der kleineren Desktop-Vorschaubilder am unteren Rand an.

Neue Tastenkombination erlauben es Windows-Anwendern, seltener zur Maus zu greifen. Die folgenden Funktionen sind über Hotkeys erreichbar:

  • [Windows]+[Pfeil hoch] maximiert ein Fenster,
  • [Windows]+[Pfeil runter] minimiert es (entfernt es also vom Desktop),
  • [Windows]+[Pfeil links] bzw. [Windows]+[Pfeil links] vergrößern ein Fenster auf halbe Desktop-Größe und positionieren es am linken oder rechten Rand.
  • Mit [Windows]+[Strg]+[Pfeil links] bzw. [Windows]+[Strg]+[Pfeil rechts] wechseln Sie rückwärts oder vorwärts durch die verschiedenen virtuellen Desktops.

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