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Was für den Einstieg wichtig ist

Linux-Grundschule

In der Grundschule geht es um die elementaren Fähigkeiten, die fürs weitere Lernen wichtig sind: Lesen, Schreiben, das Einmaleins. Lesen Sie diesen Beitrag als Einstieg in die Linux-Welt: Es geht um Unterschiede zwischen Linux und Windows sowie wichtige Konzepte aus dem Unix-Universum, zu dem Linux gehört.

Linux steht in der Tradition der Unix-Systeme, deren Geschichte (je nach Definition) zwischen 1965 und 1970 beginnt. Unix hat eine Reihe von Standards geprägt, die bis heute Gültigkeit haben, so dass Programmierer, Administratoren und Anwender, die in den 70ern auf Unix-Systemen gelernt haben, auch mit modernen Linux-Systemen auf Anhieb zurecht kommen. Die Entwicklung von Unix begann in einem forschungsorientierten Umfeld, und so wurden die frühen Unix-Systeme über lange Jahre nur an wenigen Universitäten eingesetzt. Damals war es schon üblich, Programme im Quellcode an Anwender weiterzugeben, welche diese dann verändern konnten; das änderte sich allerdings mit der einsetzenden Kommerzialisierung von Unix – erst das GNU-Projekt der Free Software Foundation [1] und Linux brachten die ursprüngliche Freiheit der Unix-Welt zurück.

Zwei weitere Meilensteine der Informatik sind mit dem Aufstieg von Unix eng verbunden: Die Programmiersprache C und das Internet sind in derselben Zeit entstanden, und es gibt auch bei den Hauptakteuren Übereinstimmungen, so war Dennis Ritchie [2] gleichzeitig einer der Erfinder von C und einer der beiden Entwickler der ersten Unix-Version. Abbildung 1 zeigt eine vereinfachte Darstellung der Evolution in der Unix-Familie; Linux taucht darin erst vergleichsweise spät auf: Linus Torvalds begann 1991 mit der Entwicklung des freien Systems. Die Motivation für den damaligen Studenten war es, ein Unix-System auf seinem Intel-i386-PC nutzen zu können.

Abbildung 1: Die Unix-Familie besteht aus vielen ähnlichen Betriebssystemen, die sich gegenseitig beeinflusst haben oder die unmittelbar voneinander abstammen.

© Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Unixoides_System

Hinter Linux steht kein einzelnes Unternehmen, das ein Produkt "Linux" entwickelt. Vielmehr wird Linux zum größten Teil von Freiwilligen und für die Unterstützung von Linux eingestellten Mitarbeitern verschiedener Firmen entwickelt, die in erster Linie an einem besseren – und nicht an einem simpleren Betriebssystem interessiert sind. Vor allem Hardwarehersteller beschäftigen Linux-Entwickler, weil sie sich davon eine bessere Linux-Unterstützung ihrer Geräte erhoffen.

Einstieg in Linux

Die ersten Schritte mit Linux sind ähnlich wie der erste Kontakt mit einem Smartphone oder Tablet-PC, wenn man zuvor nur mit Windows gearbeitet hat: Vieles ist neu und vor allem anders als beim gewohnten Betriebssystem. Die Linux-Entwickler hatten nicht das Ziel, Windows nachzuahmen. Vielmehr waren sie mit der verfügbaren Software unzufrieden und wollten etwas Besseres schaffen. Dadurch muss man beim Umstieg auf Linux zwangsläufig umlernen. Die Unterschiede liegen aber größtenteils auf der administrativen Ebene. Wer den Computer nur startet, um anschließend in der Textverarbeitung einen Brief zu schreiben und die E-Mails aus dem Internet abzurufen, kommt auch mit einem Linux-PC auf Anhieb klar.

Geht es aber z. B. an die Installation von Zusatzhardware, wie etwa Druckern und Scannern, wird es aufwendiger, denn die Treiber-CDs der Hersteller bieten meist nur Windows-Treiber, und die sind unter Linux komplett nutzlos – mehr dazu am Ende im Abschnitt Hardware-Support.

Vokabular

Im Linux-Umfeld werden einige Worte häufig verwendet, die unter Windows nicht so geläufig sind. Die folgende Vokabelliste hilft beim Verständnis einiger Konzepte.

Distribution: Wer "Linux" sagt, meint meist mehr als nur Linux selbst – Linux ist im Prinzip nur der so genannte Kernel oder Betriebssystemkern. Der Kernel ist, vereinfacht gesagt, das erste Programm, das der Computer startet, wenn man bootet (siehe unten). Er übernimmt die Kontrolle über die Hardware und erlaubt es, weitere Programme zu starten, die dann scheinbar gleichzeitig ausgeführt werden.

Zu einem Betriebssystem gehört aber mehr. Es braucht Zusatzprogramme, die all die Funktionen bereitstellen, die Sie vom Computer erwarten. Dazu gehört beispielsweise eine grafische Oberfläche, die nicht Teil von Linux ist: Das unter Linux meist eingesetzte KDE gibt es zum Beispiel auch für viele andere Unix-Versionen wie etwa FreeBSD und OpenBSD.

Neben diesen noch recht systemnahen Dingen gibt es die Anwendungsprogramme, beispielsweise das Officepaket LibreOffice und die Bildbearbeitung Gimp, die vermutlich auf Ihrem Linux-System installiert sind.

Eine Distribution ist eine Zusammenstellung all dieser Komponenten: Kernel, weitere Betriebssystemkomponenten, elementare Tools und Anwendungsprogramme. Das Ganze wird noch garniert mit einem Installationsprogramm und – bei gekauften Linux-Boxen – mit einem oder mehreren Handbüchern. Es gibt unübersichtlich viele solche Distributionen; eine Liste der aktuell populärsten Vertreter gibt die Seite DistroWatch [3] (Abbildung 2), die Daten basieren auf den gezählten Besuchen der auf derselben Seite verfügbaren Kurzinformationen zu den Distributionen, lassen sich also nicht direkt in Verbreitung umrechnen.

© DistroWatchAbbildung 2: DistroWatch stellt Popularitätsranglisten von Linux-Distributionen über die letzten ein, drei, sechs und zwölf Monate auf.

KDE: Das K Desktop Environment ist eine grafische Benutzeroberfläche für Linux – anders als bei Windows gibt es unter Linux gleich mehrere zur Auswahl. Welche dieser Oberflächen Sie nutzen, hat keine Auswirkung auf die Programme, die Sie unter Linux einsetzen können – jede Oberfläche hat aber ihr eigenes Bedienkonzept, was den Aufbau von Menüs, Fenstern und anderen Elementen angeht.

Wir empfehlen den Einsatz von KDE – nicht, weil KDE besser als Alternativen (wie z. B. Gnome oder Unity) ist, sondern weil es im deutschsprachigen Raum am meisten verbreitet ist und EasyLinux aus diesem Grund ebenfalls nur KDE im Heft behandelt. (Zwei Ausnahmen bilden die Tipps & Tricks zu Gnome sowie zu Ubuntu.)

Kernel: Der Kernel ist der Kern des Betriebssystems. Er ist das erste "Programm", das nach dem Booten gestartet wird, auch wenn Sie nie ein Fenster mit dem Titel "Kernel" auf dem Bildschirm sehen werden – der Kernel verwaltet auf unterster Ebene die Hardwarekomponenten des PCs: Zum Beispiel kontrolliert er die Nutzung des Hauptspeichers (RAM) und sorgt dafür, dass die normalen Programme einander nicht in die Quere kommen. Der Kernel kann für neue Geräte Treiber nachladen, bei Linux heißen diese Treiber Module (genauer: Kernelmodule) und sind in der Regel von Anfang an vorinstalliert – für alle Geräte, die prinzipiell Linux-kompatibel sind.

Unix: Unix ist ein Sammelbegriff für eine ganze Familie von Betriebssystemen, die einander alle sehr ähnlich sind. So sind beispielsweise Solaris (früher: SunOS), Hewlett Packards HP/UX, die BSD-Systeme FreeBSD, OpenBSD und NetBSD und auch Apples OS X Unix-Systeme. Linux selbst ist "nur" ein Unix-ähnliches System, weil es nicht unmittelbar aus einem der Unix-Systeme entstanden ist; die Verwandtschaft ist aber groß genug, dass es in der Regel keine große Rolle spielt, ob auf einem Rechner Linux oder ein Unix-System läuft. Windows ist kein Unix und auch nicht Unix-ähnlich, die Microsoft-Entwickler haben einen ganz anderen Ansatz verfolgt.

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