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© Krishna Kumar Sivaraman, 123RF

Fotos von defekten Datenträgern auslesen

Erste Hilfe für Fotos

Wenn die SD-Karte aus der Digitalkamera den Geist aufgibt, sind nicht automatisch alle gespeicherten Bilder weg. Mit etwas Glück und PhotoRec ist die Datenrettung möglich.

Stellen Sie sich vor, Sie sind gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt und wollen die schönsten Momente der Reise noch einmal Revue passieren lassen. Dank der vielen Fotos, die Sie unterwegs gemacht haben, ist das auch kein Problem. Sie nehmen also die Speicherkarte aus Ihrer Digitalkamera, stecken sie in das Kartenlesegerät und schließen es via USB-Kabel an Ihren PC an. Dann der Schock: Anstelle des erwarteten Dateimanagerfensters mit Ihren Bildern kommt lediglich eine Fehlermeldung: Der Datenträger, so heißt es da, könne nicht gelesen werden, und man sollte versuchen, ihn neu zu formatieren.

Spätestens jetzt ist Schnappatmung angesagt. Was wie ein schlimmer Alptraum klingt, passiert regelmäßig, und das aus mehreren Gründen: Einerseits hat sich der SD-Standard in den vergangenen Jahren immer weiter durchgesetzt. Nahezu jedes Consumer-Produkt setzt auf eines der verschiedenen SD-Formate, also die normale SD-Card, Mini-SD-Karten oder andere Formfaktoren. Wegen des enormen Erfolgs der Technik sind die Verkaufszahlen für SD-Karten hoch, und viele Hersteller wollten von eben diesem Kuchen ein Stück abhaben, der Markt mit Karten geflutet wurde und die Preise bei Abnahme großer Stückzahlen für Zwischenhändler rapide gefallen sind. Das macht sich auch für Kunden bemerkbar: SD-Karten finden Sie mittlerweile in praktisch jedem Supermarkt, zum Teil sogar am Kiosk und in tausendfacher Variation in Elektromärkten oder bei Onlinehändlern.

Nur: Von nichts kommt nichts. Über hohe Abnahmemengen allein ist der rapide Preisverfall bei SD-Karten nicht zu erklären. Je billiger eine Speicherkarte ist, desto unzuverlässiger wird sie funktionieren.

Wer billig kauft, kauft zweimal

SD-Karten funktionieren alle gleich: Sie enthalten so genannten Flash-Speicher. Anders als bei Festplatten, in denen sich Metallscheiben drehen (was angesichts der beengten Platzverhältnisse in heutigen Kameras sowieso unmöglich wäre), wird bei Flash-Speicher die Information elektronisch in Speicherbänken abgelegt, die allerdings nur eine begrenzte Anzahl von Schreib- und Lesezyklen unterstützen. Bänke, die viele Zugriffe verkraften, werden am Markt zu höheren Preisen gehandelt als die günstigeren mit kürzerer Lebenserwartung. Je hochwertiger (und damit langlebiger) der Flash-Speicher, desto höher der Preis. Die billigen SD-Karten, die im Supermarkt oder sonstwo zu Ramschpreisen verteilt werden, gehören in der Regel zur billigsten Kategorie – und versagen nicht selten genau dann den Dienst, wenn sie stark beansprucht werden. Dass die Karte also kurz nach der Fotosafari den Geist aufgibt, ist gar nicht so unwahrscheinlich.

Zur Hilfe!

Gelingt der Zugriff auf die Karte nicht mehr, ist es sinnvoll, einen kühlen Kopf zu bewahren. Meist gilt: Auch wenn Ihr Computer auf dem Datenträger kein intaktes Dateisystem mehr findet, besteht trotzdem eine Möglichkeit, zumindest ein paar Daten von der Karte zu gewinnen. Das liegt an der Art, wie Microsofts FAT-Dateisystem funktioniert, das auf den allermeisten SD-Karten zum Einsatz kommt. FAT legt Daten nach Möglichkeit so zusammenhängend auf dem Datenträger ab, wie Sie sie auf diesen kopieren. Meistens belegt ein Foto mehrere so genannte Blöcke (das sind Bereiche fester Länge), die direkt nebeneinander liegen.

Fallen auf einer SD-Karte nun einzelne Flash-Speicherbänke aus, bedeutet das nicht, dass automatisch alle Daten unbrauchbar sind. Die Speicherbänke, die noch intakt sind, lassen sich auslesen. Geeignete Software kann die so gewonnenen Daten analysieren und zusammenhängende Blöcke, die Bilder enthalten, erkennen. Willkommen bei PhotoRec [1]: Das Programm ist genau darauf ausgelegt. Es durchsucht die noch funktionierenden Blöcke von Speichern wie SD-Karten auf spezielle Dateitypen und liest diese, wenn möglich, aus. Im Grunde kopiert PhotoRec also alle Fotos, die es auf einem teilweise defekten Speicher noch finden kann, an eine andere Stelle und sichert sie so vor dem endgültigen Verlust.

Im folgenden Beispiel zeigen wir Ihnen, wie Sie von einem defekten Datenträger so viele Dateien wie möglich retten. Sie benötigen dazu lediglich das Werkzeug PhotoRec und einen Ordner auf Ihrem PC, an dem Sie die Daten während der Rettung ablegen können.

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