Professionelle Dateiverwaltung mit KDEs Dateimanager Dolphin

Dateiverwaltung für Profis

Dolphin ist der Standarddateimanager von KDE, und die klassischen Features wie Löschen, Verschieben oder Kopieren erklären sich fast von selbst. Doch Dolphin kann viel mehr und lässt sich zudem erweitern. Wir geben einen Überblick.

Ein Artikel über Dateiverwaltung könnte recht kurz sein: Die Grundfunktionen sind schnell erklärt, und wer z. B. den Explorer von Windows oder den Finder von OS X kennt, findet sich auch in Dolphin (oder jedem anderen Dateimanager für Linux) schnell zurecht. Es lohnt sich aber, etwas mehr ins Detail zu gehen, denn Dolphin bietet auch zahlreiche Funktionen, die nicht jedem Anwender bekannt sein dürften und mit denen sich manche Aufgabe beschleunigen lässt.

Die Grundfunktionen

Wir starten mit den Grundlagen, und dazu gehört der Programmstart: Es gibt verschiedene Wege, um ein Dolphin-Fenster auf den Desktop zu zaubern. Im Startmenü finden Sie z. B. den Eintrag Dateimanager – darüber öffnen Sie ein Dolphin-Fenster, das Ihr Home-Verzeichnis (/home/benutzername) anzeigt. Sie sehen dann, alphabetisch sortiert, die Unterverzeichnisse und Dateien im Home-Verzeichnis, wobei die Ordner ganz vorne stehen. Groß- und Kleinschreibung unterscheidet Dolphin (für die Sortierung) nicht. Dolphin kennt auch die deutschen Sonderzeichen und sortiert z. B. Dateinamen, die mit "Ö" beginnen, korrekt bei den Einträgen mit "O" ein.

Versteckte Dateien und Ordner (die mit einem Punkt beginnen) verbirgt Dolphin zunächst – drücken Sie [Alt]+[.], um das zu ändern. Die neue Anzeigereihenfolge ist dann: versteckte Ordner, normale Ordner, versteckte Dateien, normale Dateien.

Beim ersten Start zeigt Dolphin übrigens keine Menüleiste an – sollten Sie das Menü vermissen, blenden Sie die Leiste über [Strg]+[M] und auch wieder aus; für die wichtigsten Funktionen benötigen Sie das Menü aber nicht.

Jede Datei und jedes Verzeichnis besitzt ein Icon, das Rückschluss auf den Dateityp erlaubt, sofern dieser dem System bekannt ist. Symbolische Links (das sind Verweise auf Dateien oder Verzeichnisse) macht Dolphin durch einen kleinen Verknüpfungspfeil in der rechten unteren Ecke des Icons kenntlich.

Wenn Sie den Mauszeiger über ein Datei-Icon bewegen, erscheint am rechten Rand des Fensters eine Zusammenfassung der Dateiinformationen (Typ, Größe, Datum der letzten Änderung) inklusive Vorschau:

  • Bilder sehen Sie als Miniatur (Abbildung 1),
  • von PDF-Dateien zeigt Dolphin eine kleine Version der ersten Seite an (wenn das Paket kdegraphics-thumbnailers installiert ist, siehe unten),
  • bei Audio- und Videodateien können Sie hier die Wiedergabe starten, ohne einen externen Player aufzurufen.
Abbildung 1: Praktisch ist die in Dolphin integrierte Vorschau – damit vermeiden Sie, aus Versehen das falsche Dokument zu öffnen.

So können Sie auch in der Icon-Ansicht schnell einen Überblick über die Dateien erhalten. Ist Ihnen die Vorschau-Ansicht nicht groß genug, klicken Sie auf die Trennlinie zwischen Dateiliste und Vorschaubereich und ziehen diese nach links, dadurch wird der Platz für die Vorschau vergrößert, und Dolphin zeigt die Bilder deutlicher.

Sie können auch für alle Dateien im aktuellen Ordner eine Vorschau aktivieren, indem Sie in der Symbolleiste auf den Eintrag Vorschau klicken – dann ersetzt Dolphin alle Datei-Icons durch kleine Vorschaugrafiken (Abbildung 2).

Abbildung 2: Reicht Ihnen die Vorschau eines einzelnen Dokuments nicht aus, können Sie auch alle Icons durch Vorschaubilder ersetzen.

Unter Kubuntu und OpenSuse funktioniert die Vorschau von PDF-Dateien zunächst nicht. Um das zu beheben, installieren Sie das Paket kdegraphics-thumbnailers nach, aktivieren mit [Strg]+[M] das Menü, rufen darin den Punkt Einstellungen / Dolphin einrichten auf, wählen im sich öffnenden Fenster links den Eintrag Allgemein, wechseln rechts zum Reiter Vorschauen und aktivieren in der Liste der Dateitypen die PostScript-, PDF- und DVI-Dateien (Abbildung 3).

Abbildung 3: Aktivieren Sie die Anzeige von PDF-Dateien, nachdem Sie das fehlende Zusatzpaket nachinstalliert haben.

Eine weitere Möglichkeit, ein Dolphin-Fenster zu öffnen, bietet sich Ihnen, wenn sich bereits ein solches Fenster auf dem Desktop befindet. Drücken Sie darin einfach [Strg]+[N], um ein zweites Fenster zu öffnen.

Navigieren mit Maus oder Tastatur

Um in ein anderes Verzeichnis zu wechseln, klicken Sie dessen Icon mit der Maus nur einmal an. Ein Doppelklick ist nicht notwendig. Enthält das aktuelle Verzeichnis so viele Dateien, dass nicht alle gleichzeitig angezeigt werden, können Sie die Bildlaufleiste am rechten Rand verwenden, um die übrigen Einträge in das Fenster hereinzuscrollen.

Wenn Sie mit der linken Maustaste auf ein Dokument klicken, dessen Typ KDE bekannt ist, wird es automatisch in der zugeordneten Anwendung geöffnet. Wollen Sie vorher nachsehen, welche das ist, rufen Sie mit der rechten Taste das Kontextmenü auf und bewegen die Maus über den Eintrag Öffnen mit (Abbildung 4). Wählen Sie dann die Anwendung aus, in der Sie das Dokument betrachten oder bearbeiten wollen; passt keines der Programme, wählen Sie Sonstige, um in der Liste der installierten Anwendungen eine brauchbare zu finden.

Abbildung 4: Das Kontextmenü enthält hier u. a. die Einträge Adobe Reader 9, Okular (Dateibetrachter) und KPDF – die Datei wurde also als PDF-Dokument erkannt. Bei einem Klick darauf öffnet sich automatisch die oberste Anwendung, hier der Adobe Reader.

Alternativ können Sie Dolphin auch über die Tastatur bedienen: Mit den Cursor-Tasten bewegen Sie sich durch die Einträge. Die jeweils aktuelle Datei wird dann durch Invertierung des Dateinamens (weiße Schrift auf blauem Hintergrund) und blaue Hinterlegung des Icons angezeigt, und an den unteren und rechten Rändern des Fensters erscheinen Zusatzinformationen über diese Datei, etwa die Dateigröße oder das Ziel eines symbolischen Links.

Wenn sich dieser Cursor über einem Verzeichnisnamen befindet, können Sie über die Eingabetaste in dieses Verzeichnis wechseln. Befinden Sie sich über einer Datei, öffnen Sie mit [Eingabe] diese Datei mit der Standardanwendung. Die Kombination aus Datei auswählen und [Eingabe]-Drücken entspricht also dem einfachen Mausklick auf ein Icon.

Über die Tastenkombinationen [Alt]+[Pfeil links] und [Alt]+[Pfeil rechts] können Sie – wie bei einem Webbrowser – zwischen den zuletzt angezeigten Verzeichnissen hin- und herspringen. Mit [Alt]+[Pfeil hoch] gelangen Sie eine Verzeichnisebene nach oben (also etwa von /home/user/Dokumente/ nach /home/user/). Für diese Vor- und Zurückfunktionen hat Dolphin ganz links oben in der Symbolleiste zudem zwei Buttons, die auch wie im Browser funktionieren.

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