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© wunchai intararit, 123RF

Mit diesen Linux-Versionen spielt es sich am besten

Gaming-Plattform

Linux-Nutzer haben die Wahl zwischen zahlreichen Distributionen mit unterschiedlichen Desktop-Umgebungen. Spielern stellt sich damit jedoch die Frage, welches Linux sich besonders gut für ihre Zwecke eignet. Zumindest bei den Entwicklern kommerzieller Spiele scheint das längst entschieden zu sein.

Die zahlreichen Linux-Distributionen bescheren Spieleentwicklern reichlich Mehrarbeit. So müssen sie ihre Spiele nicht nur auf allen Systemen testen, sondern auch noch dafür passende Pakete anbieten. Wegen der schieren Menge der Distributionen, die teils auch noch in mehreren Varianten und Versionen vorliegen, geriete das zu einer recht teuren Sisyphusarbeit. In der Folge testen viele Entwickler ihr Spiel nur noch auf einer ausgewählten Distribution: Ubuntu (Abbildung 1).

Abbildung 1: Ubuntu ist derzeit für Spieler die erste Wahl, auch wenn die Benutzeroberfläche zahlreiche Bedienkonzepte mischt und somit etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Entwicklers Liebling

Die Wahl fiel aus gleich mehreren Gründen auf die von Canonical entwickelte Distribution. So gehört Ubuntu zu den weltweit am häufigsten eingesetzten Linux-Systemen. Das gilt erst recht, wenn man auch noch sämtliche Derivate mitzählt, wie etwa Kubuntu, Xubuntu oder Linux Mint. Da diese Distributionen den gleichen Unterbau besitzen, lässt sich dort das eigentlich für Ubuntu bereitgestellte Installationspaket einspielen und das Spiel zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit reibungslos starten. Des Weiteren entstehen viele Spiele mit der Entwicklungsumgebung Unity3D. Die damit erzeugten Anwendungen unterstützen offiziell nur Ubuntu. Spieleentwickler haben folglich keine andere Wahl, als ihre Spiele ebenfalls offiziell nur für Ubuntu anzubieten. Obwohl diese Games auch unter OpenSuse, Fedora und anderen Linux-Systemen problemlos laufen, berücksichtigt der Hersteller von Unity3D bislang keine weiteren Distributionen – offenbar fehlt hier die Nachfrage.

Ubuntu bietet aber auch Spielern einen Vorteil: Die meisten kommerziellen Spiele benötigen Funktionen der proprietären Grafikkartentreiber von Nvidia beziehungsweise AMD. Diese wiederum lassen sich in Ubuntu komfortabel über den Assistenten aus Abbildung 2 installieren. Unter allen anderen großen Distributionen, wie Fedora oder OpenSuse, müssen Sie dazu erst Zusatz-Repositorys aktivieren oder im Extremfall die Treiber umständlich manuell installieren. Das gilt übrigens auch für einige auf Ubuntu basierende Distributionen: So fehlt der Assistent aus Abbildung 2 im beliebten Kubuntu 15.04, während Sie ihn unter Xubuntu über das Startmenü erreichen. Bei Linux Mint kümmert sich um die proprietären Grafikkartentreiber die Treiberverwaltung (Driver Manager), hinter der ebenfalls Ubuntus Assistent steckt.

Abbildung 2: Unter Ubuntu übernimmt dieser Assistent die Installation der proprietären Grafikkartentreiber. Sie erreichen ihn, indem Sie Windows drücken und dann "Zusätzliche Treiber" eintippen.

Der Rest der Welt

Auch wenn ein Entwickler sein Spiel explizit nur für Ubuntu anbietet, läuft es meist dennoch problemlos auf anderen Distributionen. Der Held aus dem Geschicklichkeitsspiel Bit.Trip Runner 2 (Abbildung 3) rennt etwa auch unter OpenSuse geschmeidig über den Bildschirm. Probleme bereiten vor allem Spiele, die einige in Ubuntu enthaltene Komponenten verwenden oder voraussetzen: Auf einer anderen Distribution geben diese Spiele dann keinen Ton aus, zeigen zerstörte Grafiken oder starten erst gar nicht. Meist hilft es dann schon, eine fehlende Komponente über den Paketmanager nachzuinstallieren. Das setzt aber voraus, dass Ihnen das Spiel verrät, was fehlt, und zudem Ihre Distribution das angefragte Paket auch in der richtigen Version anbietet. Die Inbetriebnahme verlangt also ein wenig Experimentiergeist und auch oft die Eingabe von Shell-Befehlen.

Abbildung 3: Laut den Systemanforderungen (rechts unten in der Ecke) verlangt Bit.Trip Runner 2 nach Ubuntu, läuft aber auch auf anderen Distributionen. Wie hier im Humble Store [2] erfährt der Käufer zudem nicht, dass er das Spiel als TGZ-Archiv bekommt.

Zudem schweigen sich Spieleentwickler oft über verwendete Komponenten aus. Sie erfahren dann erst nach dem Kauf, ob das Spiel bei Ihnen startet. Einige wenige weitsichtige Entwickler bieten immerhin eine Test- oder Demoversion an, die sie allerdings häufig in den Online-Shops von Steam und Desura [1] verstecken. Mit einer Testversion können Sie nicht nur kostenlos in das Spiel schnuppern, sondern auch prüfen, ob es auf Ihrer Distribution läuft.

Die Mehrheit der kopierschutzfreien Spiele kommt verpackt in ein ZIP- oder TGZ-Archiv, das Sie nur auf Ihrer Festplatte entpacken müssen (etwa indem Sie die Datei mit der rechten Maustaste anklicken und im Kontextmenü das Entpacken wählen). Dennoch stößt man hin und wieder auf Spiele, die nur als Debian-Paket (Dateiendung .deb) bereitstehen. Das lässt sich zwar fix mit einem Doppelklick unter Ubuntu, Kubuntu, Linux Mint und dessen Derivaten installieren. OpenSuse, Fedora und einige andere Distributionen nutzen jedoch das RPM-Paketformat und können daher mit dem Debian-Paket nichts anfangen. Leider verraten sowohl Spieleentwickler als auch Online-Shops meist erst nach dem Kauf, in welchem Paketformat ein Spiel bereitsteht.

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