Editorial

Die neue Offenheit

Liebe Leserinnen und Leser,

Microsoft hat demnächst was zu verschenken: Windows 10 wird wohl für die allermeisten Anwender gratis sein – für alle, die eine ältere Windows-Version (legal) einsetzen, und dazu auch für alle, die mit den Betaversionen des nächsten Windows herumspielen [1]. Das heißt aber nicht, dass Microsoft kein Geld mehr mit dem Betriebssystem verdient – wer einen neuen PC mit vorinstalliertem Windows 10 kauft, zahlt nach wie vor die Microsoft-Steuer; nur ist die nicht separat ausgewiesen (wie etwa die Umsatzsteuer), sondern wurde vom PC-Händler gleich auf den Endpreis des Computers aufgeschlagen.

Dennoch wirkt es, als ob der ehemalige Betriebssystem-Monopolist nachgiebiger, vielleicht sogar offener geworden ist. Das mag mit der aktuellen Geschäftsleitung zu tun haben, kann aber auch gut dem Windows-Phone-Fiasko geschuldet sein: Microsoft wollte sich hier ja gegen Apple und Android als dritte starke Kraft im Markt etablieren und Windows zum Standard auf allen Geräten, vom Server-Cluster bis runter zum Smartphone, machen. Aber die ehemaligen Nokia-Smartphones mit Windows sind Ladenhüter, der iPad-Konkurrent Surface Pro kommt auch nur langsam in die Gänge (obwohl man mittlerweile die RT-Variante mit dem inkompatiblen und eingeschränkten Windows RT für ARM-Prozessoren aufgegeben hat [2]), und der Versuch, die Handy-Kacheloberfläche auf Desktop-PCs zu verbreiten, wurde wegen der Absurdität von Kacheln und Vollbild-Anwendungen auf den heute üblichen 27-Zoll-Monitoren mit 2560 x 1440 Pixeln auch aufgegeben – auch wenn Windows-Anwender hier eine Weile auf ein Einsehen des Herstellers warten mussten.

Neuerdings gibt es sogar Microsoft-Programme für Linux, etwa den neuen Editor Visual Studio Code für Programmierer [3], und in der Cloud zeigt man sich auch offen: Microsofts Azure-Plattform unterstützt schon lange das Einrichten virtueller Linux-Rechner [4].

Bleibt das so?

Was sagt uns also der neue Kurs – vielleicht, dass sich jetzt alle lieb haben? Wohl kaum. Microsoft versucht, seine Marktdominanz aufrecht zu erhalten, und das mit wechselnden Mitteln, wenn die jeweils letzte Strategie als erfolglos erkannt wurde. Darum sollte sich niemand, weder Anwender noch Entwickler, darauf verlassen, dass die aktuelle Phase der Offenheit dauerhaften Bestand haben wird. Wer z. B. heute eine Anwendung mit Microsofts Programmiersprache C# (C-sharp) auf Basis von .NET entwickelt [5], könnte sich schon in wenigen Jahren wundern, dass geänderte Lizenzen die Nutzung unter Linux wieder erschweren. Es deutet sich auch neuer (potenzieller) Ärger im Desktop-Markt an: Für die neuen UEFI-basierten PCs mit vorinstalliertem Windows 8 galt die Regel, dass sich der Secure-Boot-Mechanismus abschalten lassen muss (so dass sich auch andere Betriebssysteme wie Linux nachinstallieren lassen) – bei Windows 10 soll die Regel wegfallen [6], und damit könnten PC-Hersteller entscheiden, dass auf ihren Geräten kein Linux laufen darf. Das wird dann kaum auf der Verpackung stehen und könnte für manchen Ärger und zahlreiche Umtauschaktionen sorgen.

Sicher ist sicher

Darum lieber keine Experimente. Freie Software (mit allen Bedeutungen: gratis, mit verfügbaren Quellen und einer Lizenz, die Änderungen erlaubt) gibt es nur im Linux-Lager. Nicht bei Microsoft, und im Übrigen auch nicht bei Apple, auch wenn OS X technisch und in der Benutzung viel näher an Linux dran ist, als dies für Windows gilt. Auf unserer Heft-DVD finden Sie in dieser Ausgabe Kubuntu 15.04 und Mageia Linux 5: Die können Sie ausprobieren, ohne Einschränkungen an Kollegen, Freunde und Verwandte weitergeben, nach Herzenslust anpassen und umkonfigurieren. Ohne Kosten, ohne Klauseln. Viel Spaß damit!

Hans-Georg Eßer

Chefredakteur

[1] http://www.n-tv.de/technik/Wer-erhaelt-Windows-10-wirklich-gratis-article15357216.html

[2] http://heise.de/-2591819

[3] https://www.visualstudio.com/en-us/products/code-vs.aspx

[4] https://azure.microsoft.com/de-de/documentation/articles/virtual-machines-linux-introduction/

[5] http://www.mono-project.com/docs/about-mono/languages/csharp/

[6] http://www.extremetech.com/extreme/201722-linuxs-worst-case-scenario-microsoft-makes-secure-boot-mandatory-locks-out-other-operating-systems

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