aufmacher.jpg

© Hans-Georg Eßer

Shell-Kommandos fürs Arbeiten mit ISO-Image-Dateien

CD-, DVD- und Blu-ray-Images

ISO-Images mit Linux-Distributionen, die Sie aus dem Internet herunterladen, brennen Sie mit K3b oder einem anderen Brennprogramm auf einen CD-, DVD- oder Blu-ray-Rohling. Doch Sie können auch mit Shell-Befehlen auf die Images zugreifen und eigene erstellen.

ISO-Images sind Abbilddateien von CDs, DVDs oder Blu-ray Discs (BDs): Ihren Namen haben sie vom Dateisystem ISO-9660, in dem diese Scheiben "formatiert" sind. Darum tragen Image-Dateien auch meist die Dateiendung .iso. Wir zeigen Ihnen in diesem Artikel, wie Sie mit den Kommandozeilenbefehlen mount auf die Images zugreifen, mit mkisofs selbst welche erzeugen und mit isoinfo Informationen über ein Image ausgeben. Außerdem geht es ums Brennen mit cdrecord und growisofs.

Image einbinden

Wenn Sie eine hypothetische Image-Datei easylinux.iso aus dem Internet heruntergeladen haben, müssen Sie diese nicht extra auf einen Rohling brennen, um einen Blick auf den Inhalt zu werfen: Ein einziger Kommandozeilenbefehl reicht aus, um die im Image gespeicherten Dateien in das Linux-Dateisystem einzubinden. Sie benötigen dazu Administratorrechte.

Für den folgenden Befehl gehen wir davon aus, dass es auf Ihrem Rechner das Verzeichnis /mnt gibt und dort kein anderes Medium eingebunden ist. Wenn die Datei easylinux.iso direkt in Ihrem Home-Verzeichnis (/home/benutzername/) liegt, öffnen Sie mit [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole ein Terminalfenster und geben darin den folgenden Befehl ein:

sudo mount -o loop,ro easylinux.iso /mnt

Liegt die ISO-Datei an einem anderen Ort, geben Sie den vollen Pfad an, z. B. /tmp/easylinux.iso. Das war es schon: Ab sofort können Sie über den Pfad /mnt/ auf die Dateien aus dem Image zugreifen – eine Datei index.html, die sich im Wurzelverzeichnis des Images befindet, würden Sie dann z. B. über /mnt/index.html erreichen. Sie können auch einen grafischen Dateimanager wie Dolphin verwenden, um in diesen Ordner zu schauen.

Solange das ISO-Image auf diese Weise eingebunden ist, können Sie auch Dateien vom Image herunter ins normale Dateisystem (also meist in Ihr Home-Verzeichnis) kopieren. Was nicht möglich ist, ist das Löschen von Dateien im Image: Der Zugriff ist nur lesend. Wollen Sie ein Image verändern, haben Sie nur die Möglichkeit, zunächst alle Dateien in einen neuen Ordner zu kopieren, dort die Änderungen vorzunehmen und schließlich ein neues Image zu erstellen.

Um die Einbindung des Images wieder aufzuheben, geben Sie den Befehl

sudo umount /mnt

ein – das setzt voraus, dass Sie beim Einhängen das Verzeichnis /mnt/ als Mountpoint verwendet haben; außerdem setzt das "Unmounten" voraus, dass keine der Dateien auf dem Image gerade in Benutzung ist und Sie auch in keiner Shell in einen Ordner auf dem Image gewechselt sind.

ISO-Image erstellen

Das Programm, mit dem Sie auf der Kommandozeile neue Images bauen können, heißt – je nach Linux-Distribution – entweder mkisofs oder genisoimage; wir gehen hier davon aus, dass Sie das Tool über den Namen mkisofs erreichen können. Beide Tools verwenden dieselben Optionen.

Haben Sie in einem Unterordner Ihres Home-Verzeichnisses die Dateien (und Unterverzeichnisse) versammelt, die in das Image wandern sollen, erzeugt das folgende Kommando ein ISO-Image:

mkisofs -J -r -o Dateiname.iso Ordner

Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie ein CD- oder ein DVD-Image erzeugen möchten; beide Datenträgertypen verwenden dasselbe Dateiformat namens ISO-9660. Im DVD-Umfeld gibt es außerdem noch das UDF-Format (Universal Disk Format), das Sie aber für Daten-DVDs nicht benötigen; Video-DVDs sind UDF-formatiert.

Was bedeuten die Optionen im Detail?

  • Mit -o Dateiname.iso legen Sie den Namen für die Ausgabedatei fest. Sie können hier auch einen vollen Pfad angeben, wenn Sie das Image z. B. im Ordner /tmp/ speichern möchten.
  • Über -r weisen Sie das Programm an, so genannte RockRidge-Extensions zu erzeugen. Das ist u. a. nötig, damit Sie unter Linux die Dateinamen in voller Länge sehen. Es gibt noch eine groß geschriebene Variante (-R), die Sie alternativ zu -r nutzen können: Das ist dann sinnvoll, wenn Sie Dateien archivieren möchten. Bei -R bleiben Zugriffsrechte und die "Besitzverhältnisse" der Dateien erhalten, während -r diese so anpasst, dass das Image (oder die damit gebrannte DVD) auf jedem Rechner lesbar ist.
  • Mit -J erzeugen Sie schließlich die so genannten Joliet-Extensions. Sie haben eine ähnliche Aufgabe wie die RockRidge-Extensions, sind aber für Windows-Systeme gedacht. Wenn Sie wissen, dass Sie das Image nur auf Linux-PCs nutzen werden, können Sie diese Option weglassen.

Blu-ray-Images verwenden das UDF-Dateisystem, hier lautet der passende Aufruf

mkisofs -l -udf -allow-limited-size -o Dateiname.iso Ordner

und die drei neuen Optionen sorgen dafür, dass ein hybrides ISO-/UDF-Image entsteht. Damit können Sie u. a. Dateien, die größer als 4 GByte sind, in das Image integrieren (z. B. eine kleine Sammlung von DVD-ISO-Images). Ein hybrides Image ist mit allen Rechnern kompatibel, die das ISO-Format, das UDF-Format oder beide unterstützen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Hybride ISO-/UDF-Images können Sie unter Linux nach beiden Standards einbinden, was sich u. a. auf die Länge der Dateinamen auswirken kann.

Das Programm mkisofs erzeugt sehr viele Ausgaben, u. a. listet es sämtliche Dateien, bei denen es Anpassungen an den Dateinamen vorgenommen hat: Das liegt daran, dass das ISO-9660-Dateisystem nur kurze Dateinamen unterstützt (eine Einschränkung, welche die Joliet- und RockRidge-Extensions aufheben); aus Kompatibilitätsgründen wird aber für jede Datei auch ein Kurzname erzeugt. Außerdem sehen Sie den Fortschritt in Prozent. Am Ende gibt das Tool eine Zusammenfassung aus:

[...]
 99.03% done, estimate finish Thu Jun 25 23:48:31 2015
Total translation table size: 0
Total rockridge attributes bytes: 6598
Total directory bytes: 0
Path table size(bytes): 10
Max brk space used 0
45448 extents written (88 MB)

Die letzte Zeile verrät dabei die Größe des erstellten Images.

Ein so erzeugtes Image können Sie mit K3b (über den Menüpunkt Extras / ISO-Abbild brennen) auf eine CD, DVD oder BD brennen, oder Sie können das Image auf einen Webserver hochladen und anderen Personen zur Verfügung stellen. In der Shell nutzen Sie cdrecord oder wodim zum Brennen von CDs und DVDs, für BDs ist wodim ungeeignet (siehe auch den Blu-ray-Artikel ab Seite 60 dieser Ausgabe), weswegen Sie cdrecord nachrüsten müssen, wenn Sie Blu-rays brennen möchten. Distributionen, die wodim vorinstallieren, stellen aber auch ein cdrecord-Kommando bereit – das ist dann einfach ein Link auf wodim, und die beiden Tools sind weitgehend kompatibel, was die verwendbaren Optionen angeht.

Das Tool cdrecord erwartet im Wesentlichen den Namen der ISO-Datei als Argument, dazu gesellen sich einige Optionen, die u. a. festlegen, welcher Brenner genutzt werden soll. Ein typischer Aufruf sieht wie folgt aus:

cdrecord dev=2,0,0 -v image.iso

wobei 2,0,0 eine Gerätebezeichnung ist, die Sie durch den für Ihr Gerät passenden Wert ersetzen müssen – welcher das ist, finden Sie über cdrecord -scanbus heraus. Auf unserem Testrechner mit einem internen DVD-Brenner und einem via USB angeschlossenen Blu-ray-Brenner ergab sich hier:

esser@hpquadi7:~> sudo cdrecord -scanbus|grep ROM
Linux sg driver version: 3.5.34
        2,0,0   200) 'hp      ' 'CDDVDW SH-216DB ' 'HH10' Removable CD-ROM
        11,0,0  1100) 'TSSTcorp' 'BDDVDW SE-506CB ' 'TS01' Removable CD-ROM

(Der DVD-Brenner hat die Geräte-ID 2,0,0, beim Blu-ray-Brenner ist es die 11,0,0.) Die Werte können sich für externe Geräte nach jedem Ein- und Ausstöpseln ändern.

Von K3b lernen

Wenn unklar ist, wie die Brennprogramme in der Shell zu nutzen sind, kann man auch K3b die Arbeit erledigen lassen und über die Prozessliste beobachten, wie K3b die Shell-Tools aufruft.

esser@hpquadi7:~> ps ww -p `pidof mkisofs growisofs` PID TTY STAT TIME COMMAND10052 ? Dl 0:13 /usr/bin/growisofs -Z /dev/sr2 /dev/fd/0 -use-the-force-luke=notray -use-the-force-luke=tty -use-the-force-luke=4gms -use-the-force-luke=tracksize:6056263 -speed=4 -use-the-force-luke=bufsize:32m10056 ? S 0:08 /usr/bin/mkisofs -gui -graft-points -volid Mac-Daten-2015 -volset  -appid K3B THE CD KREATOR (C) 1998-2010 SEBASTIAN TRUEG AND MICHAL MALEK -publisher  -preparer  -sysid LINUX -volset-size 1 -volset-seqno 1 -sort /tmp/kde-esser/k3bBR6633.tmp -rational-rock -hide-list /tmp/kde-esser/k3bDH6633.tmp -joliet -joliet-long -hide-joliet-list /tmp/kde-esser/k3bUk6633.tmp -no-cache-inodes -full-iso9660-filenames -disable-deep-relocation -iso-level 3 -path-list /tmp/kde-esser/k3btX6633.tmp

K3b nutzt also nicht cdrecord, sondern growisofs zum Brennen – über die Option -Z /dev/sr2 wird der Blu-ray-Brenner angegeben, /dev/fd/0 ist der Dateideskriptor für die Standardeingabe: Daran erkennt man, dass growisofs Teil einer Pipe ist und das Image über die Standardeingabe erhält. Erzeugt wird das Image von dem komplexen mkisofs-Aufruf. Diesem fehlt die sonst übliche Option -o für die Angabe einer Ausgabedatei, darum schreibt das Programm auf die Standardausgabe (die umgeleitet ist). Die beiden Tools sind nicht direkt durch eine Pipe verbunden, sondern K3b übernimmt zentral die Steuerung und ist dazu über Pipes mit beiden Shell-Programmen verbunden.

Bei Eingabe von ps ww -Lf -p `pidof k3b mkisofs growisofs (also mit den zusätzlichen Optionen -Lf und dem zusätzlichen Prozessnamen k3b) sieht man zudem, dass K3b und growisofs "multi-threaded" sind, also mehrere Threads verwenden.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 3 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Arbeiten mit CD- und DVD-Abbildern
    ISO-Images mit Linux-Distributionen, die Sie aus dem Internet herunterladen, brennen Sie mit K3b oder einem anderen Brennprogramm auf einen DVD-Rohling. Doch Sie können auch mit Shell-Befehlen auf die Images zugreifen und eigene erstellen.
  • mkisofs, mount, md5sum
    Vor das Brennen einer Daten-CD hat Linux das ISO-Image gesetzt – "mkisofs" hilft beim Erstellen dieser Abbilder. Bevor Sie ein Image auf die Silberscheibe schreiben, sollten Sie es überprüfen.
  • CDs auf der Kommandozeile schnell geschrieben
    Unter Windows besitzen alle CD-Brennprogramme eine grafische Oberfläche; neue Audio- und Daten-CDs werden per Drag & Drop zusammengestellt, und nach einigen Mausklicks beginnt der Brennvorgang. Das geht unter Linux genauso, muss es aber nicht. Der Weg über die als benutzerunfreundlich geltende Kommandozeile macht Sie schneller!
  • CD-Images erzeugen mit dd und mkisofs
    Ein Image (engl. "Bild, Abbild") ist die Abbildung eines Filesystems in einer Datei. Auf CD-ROMs sind Daten in einem speziellen Dateisystem organisiert, das sich von den auf Festplatten verwendeten unterscheidet; daher kann man die Daten nicht einfach einzeln auf die Scheibe kopieren. Die Kommandos dd und mkisofs helfen beim Erstellen dieser Images, die sich anschließend probeweise mounten und auf eine CD brennen lassen.
  • DVD-Brenner unter Linux betreiben
    Die CD ist als Datenträger zu klein geworden, in Zeiten von DivX und MPEG-Videos sind 700 MB nicht gerade üppig. Doch welcher Brenner soll es sein? Drei Formate buhlen um die Gunst der Käufer. Wir sagen Ihnen, was die Standards bedeuten und wie sie unter Linux DVDs brennen.
Kommentare

Infos zur Publikation

EL 08-10/2017: BACKUP

Digitale Ausgabe: Preis € 9,80
(inkl. 19% MwSt.)

EasyLinux erscheint vierteljährlich und kostet 9,80 Euro. Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 33,30 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!      

Aktuelle Fragen

kein foto, etc. upload möglich, wo liegt mein fehler?
kerstin brums, 17.09.2017 22:08, 4 Antworten
moin, zum erstellen einer einfachen wordpress website kann ich keine fotos uploaden. vom rechne...
Arch Linux Netzwerkkonfigurationen
Franziska Schley, 15.09.2017 18:04, 0 Antworten
Moin liebe Linux community, ich habe momentan Probleme mit der Einstellung des Lan/Wlan in Arc...
WLan mit altem Notebook funktioniert nicht mehr
Stefan Jahn, 22.08.2017 15:13, 0 Antworten
Ich habe ein altes Compaq-6710b Notebook mit Linux Mint Sonya bei dem WLan neulich noch funktioni...
Würde gerne openstreetmap.de im Tor-Browser benutzen, oder zu gefährlich?
Wimpy *, 21.08.2017 13:24, 2 Antworten
Im Tor-Netzwerk (Tor-Browser) kann ich https://www.openstreetmap.de/karte.html# nicht nutzen....
Samsung VG-KBD1500 - Bluetooth-Tastatur mit Touchpad mit Xubuntu 16.04.2 LTS
Linux- & BSD-UserGroup im Weserbergland, 16.08.2017 19:16, 0 Antworten
Bin grad mit "meinem Latein am Ende" darum hier mal so in den Raum geworfen. Samsung VG-KBD1500 -...