Know-how für die Kommandozeile

Shell-Tipps

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Erfahrene Linux-Nutzer schwören auf flexible Kommandozeilentools, mit denen sie manche Aufgabe schneller bewältigen als in grafischen Programmen. Wir stellen interessante Anwendungen und Aufrufparameter vor, um auch Einsteiger zu einem Ausflug in die Shell zu ermutigen.

Tipp: Vim: Schneller arbeiten mit Mappings

Der Texteditor Vim und seine GUI-Variante Gvim bietet allerlei praktische Features und Funktionen, um wiederkehrende Aufgaben abzukürzen. Mit so genannten Mappings belegen Sie Tasten oder Tastenkombinationen neu und weisen diesen beliebige Kommandofolgen zu. Sie können diese zur Laufzeit definieren (damit gelten sie nur für die aktuelle Sitzung) oder dauerhaft in der Konfigurationsdatei ~/.vimrc in Ihrem Home-Verzeichnis verankern.

Angenommen, Sie möchten die Taste [F2] so belegen, dass sie im Kommandomodus das Syntax-Highlighting der aktuellen Datei neu definiert – Vim soll in diesem Beispiel LaTeX-Syntaxelemente hervorheben. Zur Laufzeit definieren Sie das Mapping so: Drücken Sie [Esc], um in den Kommandomodus zu wechseln, und geben Sie dann Folgendes ein:

:map <F2> :set syntax=tex <CR>

Sie bestätigen alles mit [Eingabe] und können das Mapping nun testen. Drücken Sie [Esc], um in den Kommandomodus zu wechseln. Danach betätigen Sie die Taste [F2]. Am unteren Rand sollte Vim nun anzeigen:

:set syntax=tex

Da Vim es auch ermöglicht, ein Kommando in der Shell auszuführen, ohne den Editor zu beenden oder mit [Strg]+[Z] in den Hintergrund zu schieben, können Sie auch ein Mapping einrichten, das mit Hilfe von wc [1] ermittelt, wie viele Zeilen, Wörter und Zeichen das Dokument enthält. In einer laufenden Sitzung definieren Sie das Kürzel (nachdem Sie mit [Esc] in den Kommandomodus gewechselt haben) beispielsweise so:

:map <F3> :! wc % <CR>

Drücken Sie nun im Kommandomodus [F3], unterbricht Vim die laufende Sitzung und führt wc für die aktuelle Datei aus. Von links nach rechts sehen Sie, wie viele Zeilen, Wörter und Zeichen die Datei hat (Abbildung 1). Mit [Eingabe] geht's zurück in den Editor.

Abbildung 1: Sie können aus dem Vim heraus Shell-Kommandos ausführen, ohne den Editor zu verlassen oder zu unterbrechen (hier "wc").

Um die beiden Beispiel-Mappings aus diesem Tipp dauerhaft für den Vim einzurichten, bearbeiten Sie die Konfigurationsdatei ~/.vimrc und tragen dort die beiden folgenden Zeilen ein:

map <F2> :set syntax=tex <CR>
map <F3> :! wc % <CR>

Wie Sie sehen, verwendet der Editor seine eigene Syntax, um die Tasten zu bezeichnen. Die Tabelle Tastennamen in Vim beschreibt, wie Sie einzelne Tasten in Vim ansprechen.

Tastennamen in Vim

<F1>, <F2> usw. Funktionstasten [F1],[F2] usw.
<CR> Eingabetaste ("carriage return")
<Space> Leertaste
<Esc> Taste [Esc]
<Tab> Tabulator
<Del> Taste [Entf]
<BS> Rückschritttaste
<Up> [Pfeil hoch]
<Down> [Pfeil runter]
<Left> [Pfeil links]
<Right> [Pfeil rechts]
<PageUp> [Bild hoch]
<PageDown> [Bild runter]
<C-A> Kombination [Strg]+[A] (C = "control")
<C-F1> Kombination [Strg]+[F1]
<S-F1> Kombination [Umschalt]+[F1] (S = "shift")
<C-PageUp> Kombination [Strg]+[Bild hoch]
<S-Down> Kombination [Umschalt]+[Pfeil runter]
<bar> das Pipezeichen |, das Sie sonst mit \| escapen müssten

Beim Definieren eigener Tastenbelegungen oder ganzer Abfolgen sollten Sie sich gut überlegen, welche Taste das Mapping auslöst. Gut geeignet sind beispielsweise die Funktionstasten [F2] bis [F12] – [F1] ist bereits vom Vim belegt und blendet die Onlinehilfe ein. Kombinationen aus [Umschalt] und Funktionstaste sind ebenfalls kein Problem, also z. B. [Umschalt]+[F2],[Umschalt]+[F3] und so weiter.

Tipp: Vim: Mappings anzeigen und löschen

Alle temporär oder dauerhaft definierten Tastenbelegungen zeigen Sie an, indem Sie im Editor [Esc] drücken und dann :map eingeben. Vim listet nun alle Mappings auf. Am unteren Rand steht der Hinweis: Press ENTER or type command to continue bzw. Betätigen Sie die EINGABETASTE oder geben Sie einen Befehl ein – sobald Sie [Eingabe] drücken, verschwindet die Liste der Tastenbelegungen wieder, und Sie können weiterarbeiten.

Mappings, die Sie in der Vim-Konfigurationsdatei ~/.vimrc fest verankert haben, können Sie löschen oder durch Voranstellen eines Anführungszeichens (") auskommentieren und damit temporär deaktivieren. Benötigen Sie die Einstellung später wieder, reicht es, das Kommentarzeichen " zu entfernen.

Zur Laufzeit eingerichtete Belegungen werden Sie los, indem Sie den Editor schließen und neu starten. Alternativ geben Sie im Kommandomodus :unmap, gefolgt von der Tastenkombination (in Vim-Syntax, also z. B. <F2> für [F2]). :unmap können Sie auch verwenden, um eine Belegung aus der Konfigurationsdatei nur für die aktuelle Vim-Sitzung abzuschalten.

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