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© Matschkopp, photocase.com

Linux von der Platte entfernen

Sauber löschen

Zwar würden wir stark davon abraten, ein Linux-System von der Platte zu entfernen, um nur noch Windows zu nutzen, doch mancher Anwender möchte seinen Windows-Rechner nach Linux-Experimenten in den Originalzustand zurückversetzen. Das kann leicht oder schwer sein; EasyLinux hilft.

Auch wer dauerhaft mit Linux arbeiten möchte, hat manchmal einen Anlass, eine vorhandene Linux-Installation zu entfernen – zum Beispiel beim Umstieg auf einen neuen Rechner, nach welcher der alte PC als Windows-Rechner weitergenutzt werden soll. In diesem Artikel beschreiben wir, wie Sie Linux von der Platte löschen, und gehen auch auf Probleme beim Starten von Windows ein, die nach einer solchen Deinstallation (oder auch schon vorher) auftreten können.

Bevor es mit dem Löschen los geht, vermitteln wir die nötigen Grundlagen zum Thema Partitionen: Mit MBR und GPT gibt es für PCs zwei Möglichkeiten der Plattenaufteilung.

MBR- und GPT-Partitionen

Die meisten Rechner verwenden eine so genannte MBR-Partitionstabelle: Damit ist die Festplatte klassisch in bis zu vier primäre Partionen aufgeteilt; eine davon kann eine erweiterte Partition sein und dann weitere logische Partitionen enthalten. Neuere Computer (vor allem solche, auf denen der Hersteller Windows 8 oder 8.1 vorinstalliert hat) nutzen GPT-Partitionstabellen, die nicht zwischen primären, erweiterten und logischen Partitionen unterscheiden.

Linux gibt jeder Festplatte einen so genannten Gerätedateinamen: Das ist ein Kürzel der Form sda (für die erste SATA- oder SCSI-Festplatte) bzw. hda (für die erste klassische IDE-Festplatte, wenn Sie einen älteren Rechner verwenden). Weitere Platten vom gleichen Typ heißen dann sdb, sdc usw. bzw. hdb, hdc usw. Diese Kurzbezeichnungen stehen traditionell für "SCSI Disk A" (SCSI-Platte A), "SCSI Disk B" usw. und "Hard Disk A" (Festplatte A), "Hard Disk B" usw. In aktuellen Rechnern werden Sie keine IDE-Festplatten mehr finden, so dass Sie meist nur mit den Namen sda und sdb rechnen müssen, weil auch mehr als zwei Festplatten unüblich sind. Eventuell eingesteckte USB-Sticks oder externe Festplatten erkennt Linux und vergibt dafür weitere Kürzel der Form sdc, sdd, sde usw. – allein am Kürzel können Sie nicht erkennen, ob es sich um interne oder externe Geräte handelt.

Diese Kürzel heißen Gerätedateinamen (engl. device filenames), und im Ordner /dev/ gibt es passende Einträge (etwa: /dev/sda für die erste SATA-Platte), über welche Linux mit den Platten kommuniziert. Das Verzeichnis enthält noch zahlreiche weitere Dateien, über die sich andere Hardware ansprechen lässt.

Jede Festplatte kann bei klassischer MBR-Partitionierung vier primäre Partitionen enthalten. Es gibt auf solchen Platten ein zentrales Inhaltsverzeichnis, das Informationen über diese vier Partitionen speichert. Die vier primären Partitionen werden von 1 bis 4 durchnummeriert. Diese Nummer wird an den Namen der Plattengerätedatei angehängt, um den Namen der Partitionsgerätedatei zu bilden: So heißt etwa die erste Partition auf der Platte /dev/sda einfach /dev/sda1.

Damit man mehr als vier Partitionen auf einer Platte verwenden kann, wurde zu MS-DOS-Zeiten das Konzept der erweiterten Partition eingeführt: Auf jeder Festplatte darf eine der vier primären Partitionen vom Typ "erweitert" sein – innerhalb dieser erweiterten Partition können dann weitere "logische" Partitionen angelegt werden. Die erweiterte Partition ist also nur ein Container und enthält selbst kein Dateisystem, auf dem Sie Dateien speichern können, sondern weitere Partitionen (Abbildung 1).

Abbildung 1: So sieht eine einfache Aufteilung einer Festplatte mit einer primären und einer erweiterten Partition aus; letztere enthält zwei logische Partitionen.

In Microsoft-Sprache heißen die logischen Partitionen "logische Laufwerke". Linux nutzt auch erweiterte Partitionen und kann innerhalb einer solchen prinzipiell beliebig viele logische Partitionen anlegen. Sie werden ab 5 durchnummeriert, so dass etwa die erste logische Partition auf der Platte /dev/sda über die Gerätedatei /dev/sda5 ansprechbar ist.

Bei GPT-Partitionstabellen fällt, wie schon erwähnt, die Unterscheidung in primäre, erweiterte und logische Partitionen weg. Linux nummeriert hier alle gefundenen Partitionen einfach ab 1 durch, so dass sich z. B. auf einer Festplatte sda mit GPT-Tabelle und sechs Partitionen die Gerätedateinamen /dev/sda1 bis /dev/sda6 für diese sechs Teile ergeben.

Backup

Bevor Sie loslegen und in die Partitionierung der Platte eingreifen, sollten Sie Ihre privaten Daten sichern. Falls auf der oder den Linux-Partition(en) noch persönliche Dokumente liegen, sind diese eh zu sichern, weil Sie ja Linux deinstallieren möchten – aber auch von Dateien auf dem Windows-Rechner sollten Sie vorab Sicherheitskopien erstellen: Änderungen an der Partitionstabelle sind immer riskant.

Am einfachsten sichern Sie Ihre Daten auf eine via USB angeschlossene externe Platte. Falls Ihr Windows-System nicht mehr bootet, können Sie dazu auch eine Knoppix-DVD verwenden, von der aus Sie sowohl auf die Windows-Partition der internen Platte als auch auf die externe Platte zugreifen. Wenn Knoppix das Einbinden einer Windows-Partition verweigert, weil diese beim letzten Herunterfahren von Windows nicht ordentlich ausgehängt wurde (das passiert z. B., wenn Sie den Schnellstartmechanismus von Windows nutzen), können Sie den Zugriff auf die Partition im Nur-Lese-Modus erzwingen: Dazu geben Sie in einem Terminalfenster den Befehl

sudo mount -o ro /dev/sda1 /mnt

ein, wobei Sie sda1 durch die Kennung der Windows-Partition ersetzen. Anschließend finden Sie die Daten der Windows-Partition im Ordner /mnt/.

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