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© Anatolii Babii, 123RF

Bildschirmzugriff per Tablet oder Smartphone

Nach Hause telefonieren

Smartphones und Tablets haben sich ihren festen Platz im Alltag erkämpft. Mit der richtigen Software greifen Sie vom Mobilgerät aus direkt auf Ihren Desktop zu und steuern diesen so aus der Ferne.

Wenn in den Medien von "ferngesteuerten Computern" die Rede ist, passiert das meist im negativen Kontext. Tatsächlich stellen durch Viren und Trojaner gekaperte PCs ein großes Problem dar. Instinktiv bauen sich vor dem geistigen Auge Bilder von dunklen Zimmern auf, in denen Hacker mit Sturmhaube vor dem Computer sitzen und ihr Netzwerk aus Zombie-Rechnern kontrollieren. Leider, denn hier sind gleich mehrere Missverständnisse aufzuklären.

Einerseits tragen laut Medienberichten nur zwei Prozent aller Hacker Sturmhauben, wenn sie ihrer Tätigkeit nachgehen [1]. Und andererseits ist zunächst einmal gar nichts verkehrt daran, einen Rechner aus der Ferne zu steuern – solange der Eigentümer des Computers und die Person, die jenen gerade steuert, identisch sind oder der Zugriff vom Besitzer erlaubt wurde. Tatsächlich kann es überaus nützlich sein, aus der Ferne auf den heimischen PC-Desktop zugreifen zu können. Während Notebooks portabel sind, gilt das für einen typischen Desktoprechner nicht. Braucht man trotzdem Zugriff auf den Computer, um zum Beispiel Dateien von diesem zu kopieren oder etwas nachzusehen, ist der Remote-Zugriff eine sehr hilfreiche Funktion.

Zugriff immer und überall

Die Idee, Rechner aus praktischen Gründen – zum Beispiel zu Wartungszwecken – aus der Ferne zu nutzen, ist nicht neu: Die Administratoren von Servern machen das täglich, über das Programm SSH (Secure Shell, ssh) loggen sie sich auf Servern ein und führen auf der Kommandozeile Befehle aus. Das wäre auch mit jedem Desktop-Linux schnell zu realisieren, allerdings fehlt dabei die grafische Oberfläche vollständig – wer nicht eingefleischter Linux-Geek ist, wird mit dieser Methode auf die Dauer also nicht glücklich werden.

Als Alternative bieten sich Protokolle an, die die Fernwartung auch über die grafische Oberfläche des Systems ermöglichen. Der Besitzer des Rechners verbindet sich aus der Ferne mit der grafischen Oberfläche und sieht diese in einem Fenster am Rechner, vor dem er gerade sitzt – ähnlich wie beim Start eines virtuellen Rechners in VirtualBox. Weil es nicht drauf ankommt, welche Art von Computer man für den Zugriff nutzt, sind auch Smartphones und Tablets einsetzbar: Die sind auch kleine Computer mit eingebautem Display.

Die EasyLinux-Redaktion hat sich zwei Lösungen angeschaut und stellt auf den folgenden Seiten beide Varianten vor. Option 1 begnügt sich mit den auf Linux-Systemen verfügbaren Bordmitteln und nutzt klassisches VNC. Neben dieser Lösung stellen wir das Programm TeamViewer vor, das alles viel einfacher und eleganter machen möchte.

Verbindungsprobleme

Bevor es mit der Praxis los geht, darf ein wichtiger Hinweis nicht fehlen: Damit der Zugriff aus der Ferne funktioniert, ist es wichtig, dass zwischen Server und Client eine stabile und schnelle Verbindung besteht. In Heimnetzwerken lässt sich das in der Regel noch zuverlässig sicherstellen, denn dort gibt es entweder eine Ethernet-Verkabelung oder ein zuverlässiges WLAN mit ausreichender Bandbreite. Soll der Fernzugriff auch per Internet möglich sein, wird die Aufgabe schwieriger.

Internetanbieter unterscheiden zwischen der möglichen Downloadrate und der möglichen Uploadrate ("Downstream" und "Upstream"). Bei den meisten Angeboten für Privatkunden sind die verfügbaren Datenraten für Down- und Upload verschieden. Denn, so die Kalkulation der Anbieter: Ein typischer PC an einem Heimanschluss wird deutlich mehr Daten herunter- als hochladen. Ein klassischer 100-Mbit-Anschluss von Kabel Deutschland kommt etwa mit einer Downstreamrate von 100 Mbit, bietet aber gleichzeitig nur 10 Mbit beim Upload. 10 Mbit bedeutet, dass im Durschnitt ein MByte an Daten pro Sekunde übertragen werden kann. Das klingt nach viel, ist für aktuelle Desktop-Systeme allerdings eher mager. Denn im für den Remote-Desktop-Zugriff kommt es vor allem auf die Uploadrate an, der Computer "versendet" das Bild des Desktops an ein anderes System.

Beim Normalbetrieb eines Desktop-PCs befinden sich die Nadelöhre bei der lokalen Hardware. Die Geschwindigkeit von CPUs, RAM und der verbauten Grafikkarte sind dann relevant. Soll der Desktop übers Netz auf einem anderen Computer dargestellt werden, wird das entscheidende Nadelöhr plötzlich der Netzwerkanschluss.

Zwar umgehen Lösungen wie TeamViewer das Problem zumindest zum Teil durch Komprimierung, doch eine Restabhängigkeit von der Qualität der Anbindung ans Netz bleibt. Deshalb gilt: Wenn Sie aus der Ferne auf Ihren Linux-Desktop zugreifen wollen, ist ein guter Internetzugang Pflicht.

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