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© Marquis, photocase.com

Trinity Desktop 14: KDE 3 kehrt zurück

Gute alte Zeit

Das Trinity-Desktop-Projekt führt die Entwicklung von KDE 3 weiter. Vor kurzem ist mit Trinity 14.0 eine neue Version erschienen, die wir Ihnen vorstellen. Der Desktop versprüht Retro-Charme, ist aber gut nutzbar.

Die großen aktuellen Linux-Desktops KDE und Gnome sind für den Einsatz auf vergleichbar aktuellen PCs gedacht: Wer einen älteren Rechner mit schwacher CPU verwendet, wird wenig Freude daran haben, weil die Oberfläche sich dann träge verhält. Die Standardempfehlung für Besitzer älterer Hardware ist, auf eine alternative grafische Oberfläche auszuweichen, die weniger Ressourcen benötigt, etwa Xfce oder LXDE.

Mit dem Trinity Desktop gibt es eine Alternative für Anwender, die sich noch an ältere KDE-Zeiten erinnern: KDE 3 war in seiner Endphase eine ausgereifte und stabile Oberfläche, und beim Wechsel zur vollständig renovierten KDE-Version 4 gab es viel Kritik. Ein großer Teil der damals bemängelten Probleme wurde inzwischen behoben – so lässt sich z. B. auf Wunsch der ganze Desktop als Ablageort für Icons nutzen (wie dies bei KDE 3 der Fall war, unter KDE 4 am Anfang aber nicht) –, dennoch mag sich bis heute nicht jeder Benutzer mit den geänderten Bedienkonzepten von KDE 4 anfreunden. Das Trinity-Desktop-Projekt hat sich der Aufgabe gestellt, KDE 3 weiterzuentwickeln und unter aktuellen Linux-Distributionen zum Laufen zu bringen. Das ist keine einfache Aufgabe, denn bei Linux hat sich einiges geändert, was etwa den Umgang mit Datenträgern und anderen Geräten betrifft: Damit kommt das alte KDE 3 in der Originalfassung nicht zurecht.

Der Trinity Desktop oder kurz TDE (für Trinity Desktop Environment) ist vor kurzem in Version R14.0.0 erschienen, und über Installation und Einsatz dieser Version berichten wir hier.

Erster Eindruck

In den Kästen Installation unter OpenSuse und Installation unter Kubuntu finden Sie Hinweise zur Einrichtung von TDE – dafür ist der Download von ca. 300 MByte an Paketdateien notwendig, die leider nicht auf die Heft-DVD dieser Ausgabe gepasst haben. Eine solide DSL- oder ähliche Verbindung zum Internet ist also Voraussetzung, wenn Sie TDE ausprobieren möchten. Im Test hat die Installation unter Kubuntu nicht funktioniert, ein benötigtes Paket wurde nicht gefunden, und zudem gab es einen Konflikt zwischen einem KDE-4-Paket und einem Trinity-Paket. (Weitere Details finden Sie im Kasten zu Kubuntu.) Bei OpenSuse funktionierte alles wie erhofft.

Nach der Installation taucht im Anmeldedialog eine Möglichkeit auf, TDE statt KDE zu starten; dazu müssen Sie auf das kleine Einstellungs-Icon im Login-Manager klicken. Der eigentliche TDE-Start ist dann schnell, und Sie landen auf einem klassischen Desktop mit einer Startleiste am unteren Bildschirmrand. Eventuell erscheint beim ersten Start der KPersonalizer (Abbildung 1), ein Einrichtungsprogramm, in dem Sie ein paar zentrale Dinge konfigurieren, darunter auch die Sprache und den Umfang, in dem KDE grafische Effekte einsetzt.

Abbildung 1: Im KPersonalizer, der nur beim ersten TDE-Start zu sehen ist, wählen Sie u. a. ein Theme aus. Die Auswahl ist an dieser Stelle begrenzt, später lassen sich weitere Themes nachladen.

Per Klick auf das Icon am linken Rand der Leiste öffnen Sie ein Startmenü, das ohne Extravaganzen über eine Hierarchie Zugang zur installierten Software ermöglicht (Abbildung 2). Neben den TDE-eigenen Programmen und sonstiger Software gibt es hier auch Anwendungen, die zu KDE 4 gehören – letztere sind in Untermenüs mit dem Namen KDE einsortiert.

Abbildung 2: Der Trinity Desktop besitzt ein klassisches hierarchisches Startmenü.

Eine Parallelinstallation von TDE und KDE kann gelegentlich zu Verwirrung führen, denn viele Programme gibt es dann in zwei Versionen – zum Beispiel den kombinierten Dateimanager und Browser Konqueror, der in TDE das Standardprogramm für Dateiverwaltung und Webbrowsen ist, bei KDE 4 aber auch noch mitgeliefert wird und dort als Alternative zu Dolphin verwendbar ist (Abbildung 3). Das gilt genauso für viele weitere KDE-Anwendungen, etwa den Editor KWrite oder den Paketverwalter Ark.

Abbildung 3: Doppeltes Lottchen: Der Konqueror gehört zu TDE, aber auch zu KDE 4. Das Bild zeigt im Vordergrund die TDE-Version.

Virtuelle Desktops

Wie heute auf allen grafischen Oberflächen für Linux üblich, arbeitet auch TDE mit virtuellen Desktops. Vorkonfiguriert sind vier dieser Arbeitsflächen, die Sie über [Strg]+[F1] bis [Strg]+[F4] erreichen. Neben dem direkten Wechsel zu einem Desktop können Sie auch [Strg]+[Tab] drücken – dann erscheint ein Fenster, das alle vorhandenen Desktops und die darauf geöffneten Fenster (in Form kleiner Icons) anzeigt (Abbildung 4) Es bleibt sichtbar, solange Sie [Strg] gedrückt halten, und mit jedem Druck auf [Tab] wählen Sie den folgenden Eintrag in dieser Übersicht aus. (Es geht auch rückwärts mit [Umschalt]+[Tab] bei weiterhin gedrückter Strg-Taste.) Lassen Sie schließlich [Strg] los, wechseln Sie zum ausgewählten Desktop. Wer damit noch nicht genug Optionen für den Arbeitsflächenwechsel hat, kann noch in die Startleiste schauen: Dort befindet sich ein weiterer Umschalter, der kleine Fensterminiaturen in den Desktops anzeigt – auch hier wieder mit Programm-Icons.

Abbildung 4: Auf welchem Desktop liegt das Programm? Das verrät unter anderem der Arbeitsflächenumschalter, den Sie mit Strg+Tab aufrufen.

Die klassische Tastenkombination [Alt]+[Tab] gibt es auch: Damit wechseln Sie zwischen den Fenstern auf dem aktuellen Desktop und können damit auch minimierte Fenster zurück auf den Desktop holen.

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