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Das Linux für Spieler

Endlich richtig zocken?

Nach vielen drögen Arbeitsstunden kommt eine bunte Abwechslung bei einem Computerspiel gerade recht: Was unter Windows überhaupt kein Problem ist, wird mit Linux mitunter schwierig. Doch die neue Distribution namens Play Linux basiert auf Ubuntu 14.04 und will es besser machen. Ob's gelingt, lesen Sie hier.

Zugegeben: Linux ist nicht alleine Schuld am stiefmütterlichen Image in der Zockergemeinde. Die meisten Computerspiele erscheinen eben zunächst nur für Windows. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Mehrheit der PCs läuft mit Microsofts Betriebssystem, und daher genießt dieses die größte Aufmerksamkeit von Spieleentwicklern und Hardwareherstellern. Besonders letztere spielen dabei eine große Rolle, da nur ausreichend starke Grafikkarten und Prozessoren moderne Spiele hübsch und flüssig wiedergeben können. Fehlt allerdings der nötige Treiber, fällt der digitale Spieleabend aus.

Microsoft selbst sitzt zudem mit der hauseigenen Sammlung an Programmierschnittstellen auf einem wichtigen Werkzeug. Diese Bibliothek namens DirectX sorgt für eine reibungslose Kommunikation mit der Hardware eines Computers und ist daher ebenfalls essentiell für das gepflegte Zocken. Microsoft entwickelte diese Schnittstelle für Windows, um während des Siegeszugs der 3-D-Grafik in den frühen 90er-Jahren Entwickler vom textbasierten DOS zu Windows zu locken. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten ist das auch geglückt. Naturgemäß fehlt DirectX unter Linux.

Und es geht doch

Was tun aber nun Computerspielfans, die lieber Linux benutzen oder ganz von Windows umsteigen möchten? Dank aktiver Enthusiasten und Programmierer gibt es auch für Ubuntu, OpenSuse & Co. diverse DirectX-ähnliche Schnittstellen sowie Software. Und auch die Hardwarehersteller bedenken den Pinguin immer öfter mit eigenen Treibern für wichtige Komponenten wie etwa die Grafikkarte. Diese jedoch richtig zu installieren, ist teilweise fummelig und kann Linux-Neulingen den ersten Frust bei einem Blindflug mit den notwendigen Shell-Befehlen bescheren. Dabei handelt es sich um teilweise komplizierte Kommandos, die zunächst einmal nirgendwo erklärt werden.

An dieser Stelle übernehmen die Spieler dann lieber selbst das Ruder: Die eigens von Zockern entwickelte Distribution Play Linux [1] möchte mit diversen Bordmitteln aus Treibern und Tools die Brücke zwischen Gamern und Linux bauen, um den Umstieg von Windows auch diesen Nutzern so leicht wie möglich zu machen. Das Versprechen: Eine auf Ubuntu basierende Allzweckwaffe mit der aus Mint bekannten Cinnamon-Oberfläche für den täglichen Gebrauch eines Spielefreaks. Unter einem Dach vereint Play Linux laut den Entwicklern ein funktionstüchtiges Betriebssystem mit sämtlichen notwendigen Treibern und nützlichen Programmen wie etwa einem Screenshot-Tool, Spotify und dem von Distributionen meist vorinstallierten LibreOffice. Ohne Hürden und knifflige Kopfnüsse soll so unter Linux Gaming und mehr möglich sein. Die Installation von Play Linux unterscheidet sich zudem nicht groß von den Routinen der Geschwister Kubuntu oder OpenSuse und ist relativ leicht.

Falls Sie mit der Installation eines der beiden genannten Systeme vertraut sind (siehe auch die Anleitung zu Kubuntu 14.10 ab Seite ##), werden Sie sich gleich zurecht finden (siehe Kasten Installation).

Installation

Laden Sie sich zunächst die für Ihren Computer passende Installationsdatei von Play Linux [1] herunter. Zur Auswahl stehen eine 64-Bit- und eine 32-Bit-Version. Brennen Sie die Datei als Abbild auf eine leere DVD. Prüfen Sie vor der Installation, ob Sie eine freie Partition erstellt haben. Seit Windows Vista haben Sie im laufenden Betrieb ganz einfach die Möglichkeit, freien Speicherplatz in eine eigene Partition umzumünzen. Starten Sie dafür die Datenträgerverwaltung, die Sie in der Systemsteuerung finden können. Sie nutzen Windows 8? Tippen Sie einfach in der Kacheloberfläche den Begriff Partition ein und klicken Sie im aufklappenden Suchfenster auf den ersten Eintrag. Um eine bestehende Partition (blau markiert) zu verkleinern, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die gewünschte Festplatte, etwa C. Wählen Sie aus dem Menü den Punkt Volumen verkleinern. Nun ist aber etwas Vorsicht geboten: Verkleinern Sie die Festplatte nur um die Menge an Speicherplatz, die diese Festplatte auch noch frei hat. Sollten Sie zu viel abknapsen, schnüren Sie dem Datenträger zum einen die Luft ab, und zum anderen riskieren Sie einen Datenverlust. In unserem Test hatten wir Platz satt: Eine Verkleinerung um 200 GByte war kein Problem. Das abgetrennte Stück Speicherplatz muss nun noch zu einem neuen Volumen partitioniert werden. Klicken Sie dafür mit der rechten Maustaste auf den neu hinzugestoßenen Bereich nicht zugeordnet (schwarz markiert) und wählen Sie Neues einfaches Volumen aus. Das folgende Setup können Sie eigentlich bedenkenlos durchklicken: Einzig den Laufwerksbuchstaben könnten Sie individuell vergeben. Für eine Installation von Play Linux ist der – genau wie das Dateisystem NTFS oder FAT32 – völlig egal. Der Grund: Linux wird hier selbst noch einmal kurz Hand anlegen und es sich selber bequem einrichten. Daher können Sie die Partitionierung auch während des Installationsvorgangs von Play Linux durchführen, sollten Sie Windows nicht installiert haben.

Abbildung 1: Unter Windows 8 ist das Partitionieren kinderleicht.

Starten Sie nun den Rechner neu und booten Sie von dem frisch gebrannten Datenträger. Wie andere Ubuntu-Versionen startet Play Linux als Live-DVD. Geben Sie nach dem Booten den Benutzernamen play und als Kennwort ebenfalls play ein. Viele Möglichkeiten haben Sie hier jedoch nicht: Die Live-DVD ist dafür gedacht, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Wenn Sie schnellstmöglich daddeln wollen, kommen Sie daher um eine Installation nicht herum. Klicken Sie dafür doppelt mit der linken Maustaste auf das entsprechende Icon auf dem Desktop. Nachdem Sie eine Sprache ausgewählt haben, entscheiden Sie sich, ob Sie Play Linux neben Windows oder auf eigene Faust auf freien Speicherplatz installieren möchten. Wenn Sie dafür eine frische Festplatte oder die vorher erstellte Partition nutzen wollen, wählen Sie einfach den ersten Punkt: Festplatte löschen und Ubuntu installieren. Achtung: Lassen Sie sich nicht aus dem Konzept bringen, sollte während des Installationsvorgangs von Ubuntu die Rede sein: Play Linux befindet sich noch in einem frühen Stadium und basiert wie erwähnt auf dieser beliebten Linux-Version.

Abbildung 2: Die Installation von Play Linux orientiert sich an der von Ubuntu.

Zudem können Sie während des Setups noch bestimmen, ob Play Linux direkt Aktualisierungen vornehmen oder Software von Drittanbietern installieren soll. Dafür müssen Sie mit dem Internet verbunden sein. Für das komplette Rundum-sorglos-Paket benötigt Play Linux dann mindestens 8,6 GByte an Festplattenspeicher. Alle weiteren Einstellungen sind im Grunde nicht wesentlich: Ob Zeit, Ort, Sprache der Tastatur oder Benutzername samt Passwort – diese Einstellungen sind ganz Ihnen überlassen. Notieren Sie sich zur Sicherheit aber Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort.

Sobald die Installation abgeschlossen ist, können Sie die DVD entfernen, Ihren Computer neu starten und sich zum ersten Mal bei der frischen Installation von Play Linux anmelden. Bevor Sie sich nun ins virtuelle Schlachtfeld stürzen können, sind noch ein paar Updates zu installieren. Klicken Sie dafür mit der linken Maustaste auf das Update-Symbol unten rechts in der Taskleiste. Nach den Updates und einem weiteren Neustart sind Sie startklar.

Spiele suchen

Im installierten Play-Linux-System klicken Sie unten links auf Play! und starten über das Menü das Programm Steam [2]. Nach der Registrierung mit Ihrer E-Mail-Adresse haben Sie Zugriff auf die systemübergreifende Vertriebsplattform des Anbieters Valve. Diese ist unter Zockern und Entwicklern sehr beliebt und ermöglicht einen schnellen Einstieg in ein feierabendliches Scharmützel (Abbildung 3).

Abbildung 3: In der Bibliothek von Steam befinden sich Ihre gekauften und installierten Spiele – Neuzugänge erhalten Sie im Store.

In unserem Test funktionierte das unter Play Linux auch sehr gut – zumindest auf einem der beiden Testcomputer: In diesem System schlummerte nämlich eine relativ leistungsstarke Grafikkarte der Mittelklasse, die AMD R9 290x ist noch kräftig genug, um mit dem vorinstallierten Open-Source-Treiber Gallium3D ausreichend Leistung unter Play Linux abzurufen. Direkt nach der Installation von Play Linux konnten wir so über Steam das kostenpflichtige Action-Spiel Counter-Strike: Global Offensive erwerben, herunterladen – und auch spielen (Abbildung 4). Ein Direktvergleich zeigte jedoch: Das Spiel lief zwar mit 60 Bildern pro Sekunde (FPS) flüssig und frei von Leistungseinbußen, unter Windows hingegen erreichten wir auf dem selben System mit den gleichen Spieleinstellungen relativ konstante 120 FPS – das Doppelte! Der Grund: In Microsofts Betriebssystem läuft der proprietäre Treiber der Grafikkarte von AMD. Dieser nutzt für die aufwändigen 3-D-Darstellungen Microsofts Direct3D. Unter Linux muss hingegen das Open-Source-Äquivalent OpenGL ran – eine Lösung, die je nach Hardware nicht immer für butterweiche Grafikfeuerwerke sorgt.

Abbildung 4: "Counter-Strike: Global Offensive" lief im Test unter Windows mit mehr Bilder pro Sekunde (FPS) als unter Play Linux.

Mit AMDs R9 290x funktionierte das reibungslos – wenn auch weniger flott als unter Windows. Schlechter sah es bei unserem zweiten Testsystem aus. In diesem mühte sich die deutlich schwächere Grafikkarte AMD HD 7790 ab. Das Counter-Strike-Spiel ruckelte unspielbar – pro Sekunde flimmerten weniger als 20 Bilder über den Monitor, was zu wenig für einen flüssigen Spielablauf ist. Die Grafikkarte konnte mit dem Open-Source-Treiber Gallium 3D nicht viel anfangen. Daher mussten wir zunächst den proprietären Treiber von AMD unter Play Linux installieren, um auch mit der HD 7790 problemlos und ruckelfrei daddeln zu können. Für diesen Job bietet Play Linux eigentlich ein einsteigerfreundliches Tool an – wenn es denn funktionieren würde.

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