Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

in den drei Monaten seit Erscheinen der letzten EasyLinux-Ausgabe hat sich das (Software-)Rad der Zeit weiter gedreht, und der seit August verfügbare Linux-Kernel 3.16 hat bereits Einzug in die ersten Linux-Distributionen gehalten, u. a. in die neueste Knoppix-Version. Auch das für den Herbst erwartete Windows 9 soll auf dieser Kernel-Version basieren und Microsofts Vision einer Integration von Handy-, Tablet- und Desktop-Oberflächen durch den Wechsel vom Kachel-Interface zu einer lizenzierten Variante von Ubuntus Unity vorantreiben. (Gut, der letzte Satz ist nur ein Scherz, aber es gibt auch aus der Windows-Welt erfreuliche Neuigkeiten.)

Knoppix 7.4.1 rasant schnell

Auf den Heft-DVDs dieser Ausgabe finden Sie u. a. die pressfrische Version 7.4.1 (vom 14.09.2014) der Live-Distribution, die uns mit einem rasanten Bootprozess überrascht hat: VirtualBox brauchte beim Start von der DVD auf einem 2.4-GHz-i5-System keine 25 Sekunden, bis im virtuellen PC eine benutzbare grafische Oberfläche verfügbar war. Die neue Version unterstützt 64- und 32-Bit-CPUs und startet auf einem 64-Bit-System automatisch im 64-Bit-Modus (mehr dazu ab Seite 29).

Microsoft lernfähig

Kurz vor Redaktionsschluss tauchten erste Videos und Screenshots einer "geleakten" Betaversion von Windows 9 (Technical Preview) auf [1]. Das vielleicht prominenteste Feature ist die Rückkehr des Startmenüs. Spüren Sie auch schon diese wohlige Wärme der Dankbarkeit? Windows-User, die über den mit Version 8 erfolgten Verlust bittere Tränen vergossen haben, werden Microsoft wieder in ihre Herzen schließen, und gäbe es in Europa Filialen der von Apple inspirierten Microsoft-Store-Kette [2], könnte man beim Verkaufsstart sicher lange Schlangen vor den Geschäften sehen.

Doch Windows 9 hat noch mehr neue Features zu bieten – nachdem Microsoft erst die Handy-Oberfläche auf dem Desktop erzwingen wollte und sich nun von der unerwarteten Protestwelle zum Einknicken gezwungen sah, hat man in Redmond auch einen Blick auf die Konkurrenz riskiert und das unter Linux und OS X populäre Feature der virtuellen Desktops übernommen. Nochmal im Klartext: Windows 9 wird von Haus aus Unterstützung für virtuelle Desktops mitbringen! Halleluja, es hat nur rund 30 Jahre gedauert, bis die aus den 80er Jahren stammende Idee [3] (Abbildung 1), die spätestens Mitte der 90er unter allen Unix-Varianten umgesetzt war [4], es (als Teil der Standardausstattung) auf den Windows-Desktop geschafft hat.

© Association for Computing Machinery (ACM)Abbildung 1: Im 1986 veröffentlichten Entwurf aus dem Xerox Palo Alto Research Center hießen virtuelle Desktops "Rooms" (Räume).

Doch genug des Spottes – Fehler einzusehen und Entscheidungen rückgängig zu machen, ist eine Stärke und keine Schwäche. Darum gratulieren wir Microsoft zum Entschluss, Windows wieder benutzbar(er) zu machen. Wenn die finale Version erhältlich ist, werden wir sie einem Kurztest unterziehen und berichten, ob die angekündigten Features wirklich Einzug gehalten haben.

Wir hoffen natürlich, dass Sie Linux treu bleiben und in dieser Ausgabe interessante Anregungen und Tipps finden – meine persönliche Empfehlung ist der Scribus-Workshop ab Seite 48, in dem Peter Kreußel zeigt, wie Sie das Layout eines EasyLinux-Artikels mit der freien DTP-Software nachbauen.

Hans-Georg Eßer

Chefredakteur

Infos

[1] http://winfuture.de/special/windows9/

[2] http://en.wikipedia.org/wiki/Microsoft_Store

[3] D. Austin Henderson, Jr. and Stuart Card: "Rooms: the use of multiple virtual workspaces to reduce space contention in a window-based graphical user interface", 1986, http://doi.acm.org/10.1145/24054.24056

[4] http://en.wikipedia.org/wiki/FVWM

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