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Linux, Windows oder OS X – gibt es das beste System?

Das System

Drei Betriebssysteme dominieren den Markt der Desktop-PCs und Notebooks: Wir vergleichen Linux, Windows und OS X und helfen bei der Entscheidung – ohne reflexhaft "Linux" zu sagen.

Wenn Sie abenteuerlustig sind, könnten Sie auf Ihrem PC das Betriebssystem eComStation [1] installieren: Das ist eine aktualisierte Fassung des einst von IBM entwickelten OS/2 (Abbildung 1). Wenn es etwas moderner und Linux-ähnlich sein soll, bieten sich auch FreeBSD [2], NetBSD [3] oder OpenBSD [4] an. Für die meisten Anwender sind dies aber keine echten Kandidaten, stattdessen heißt es: Windows, Linux, OS X oder eine Kombination auf mehreren Rechnern bzw. im Dual- oder Triple-Boot-Betrieb. Darum werfen wir in unserem Betriebssysteme-Vergleich auch nur auf die drei Marktführer einen Blick.

© ecomstation.comAbbildung 1: eComStation ist eine Aktualisierung des Betriebssystemeklassikers OS/2.

Für Redakteure einer Linux-Zeitschrift stellt sich die Frage nach dem besten Betriebssystem für Desktop-PCs nicht (Linux, was sonst?). Aber es gibt eine irritierende Mehrheit von Windows-Benutzern, also muss an dem Microsoft-System auch etwas Positives zu finden sein. Daneben hat sich, vor allem seit der Einführung von iPod und iPhone, auch der Anteil der Anwender erhöht, die sich für einen Mac entscheiden und damit automatisch Apples Betriebssystem OS X erhalten.

Die gute Nachricht zu Beginn ist: Alle drei Systeme sind technisch ausgereift und haben unter Normalbedingungen keine Stabilitätsprobleme. Der früher oft erwähnte "Blue Screen of Death" (wörtlich: blauer Bildschirm des Todes), mit dem sich Windows vollständig verabschiedete und einen Rechnerneustart erforderte, ist heute nur noch selten zu sehen, auch wenn er kürzlich durch ein misslungenes Windows-Update wieder etwas häufiger wurde [5].

Damit stellt sich die Frage, was sinnvolle Entscheidungskriterien sein könnten, wenn es darum geht, welches System auf Ihrem nächsten (oder aktuellen) Rechner laufen soll.

Programmvielfalt

Oft ist die Entscheidung allein davon abhängig, für welche Betriebssysteme ein bestimmtes, zwingend erforderliches Programm verfügbar ist. Beispiele dafür sind die Textverarbeitung Microsoft Word und das Layoutprogramm Adobe InDesign. Beide gibt es nur für Windows und OS X, und wessen Arbeitstag sich zu 100 % um eine dieser Anwendungen dreht, der wird nicht daran vorbei kommen, mit einem klassischen Windows-PC oder einem Mac zu arbeiten – es hat wenig Sinn, auf einem Linux-System eine virtuelle Windows-Maschine zu installieren, wenn man den ganzen Tag Briefe mit Word schreibt.

Zwar steht mit LibreOffice ein Office-Paket für Linux zur Verfügung, das die meisten Features von Word und Excel beherrscht, aber die Kompatibilität der Dateiformate ist eingeschränkt, und Visual-Basic-Makros funktionieren unter LibreOffice nicht ohne Weiteres. Darum muss es in manchen Situationen eben Word (Abbildung 2) und nicht Writer sein. Ähnlich sieht es mit InDesign aus: Zwar ist das Desktop-Publishing-Programm Scribus inzwischen sehr leistungsfähig, wie der Workshop ab Seite 48 dieser Ausgabe zeigt, in dem wir das Layout eines EasyLinux-Artikels nachbauen. Doch solche Anwendungen sind sehr komplex, und vorhandenes, teils über viele Jahre erworbenes Praxiswissen zu InDesign lässt sich nicht in Kürze auf Scribus übertragen.

© MicrosoftAbbildung 2: Microsoft Word dominiert immer noch den Markt der Textverarbeitungen. Es läuft nur unter Windows und OS X.

Für Linux gibt es übrigens kein entsprechendes Beispiel, da praktisch alle wichtigen Linux-Anwendungen Open Source oder Freie Software sind. Damit liegen sie im Quellcode vor und sind meist auch unter Windows und OS X verfügbar. Probleme machen immer nur die proprietären Programme, deren Quellcode die Hersteller unter Verschluss halten – darum gibt es keine Linux-Versionen von Word, Excel und InDesign.

Freie Desktop-Wahl

Ein entscheidendes Plus hat Linux bei der Konfigurierbarkeit der grafischen Oberfläche zu bieten. Windows und OS X zwingen dem Anwender ihre eigenen Vorstellungen vom perfekten Desktop auf, was z. B. Windows-Anwendern den unsäglichen neuen Start-Bildschirm von Version 8 beschert hat. Das bedeutet nicht, dass die Desktops von OS X und Windows (in der klassischen Variante) schlecht wären – sie sind erprobt und haben sich auch bewährt, aber wer damit nicht zufrieden ist, kann eben nicht vollständig auf andere Software wechseln, sondern höchstens Zusatzprogramme für den Desktop nachinstallieren, die nützliche Features ergänzen.

Linux-Anwender können nicht nur zwischen den Desktops KDE, Gnome, LXDE, Xfce und Ubuntus Unity wählen, sondern greifen darüber hinaus noch auf eine Reihe von einfacher gestrickten Window-Managern zu (Abbildung 3), die sich mit weiteren Tools zu total unterschiedlich bedienbaren Umgebungen zusammenbauen lassen – wer es mag, kann sogar eine vollständig mit der Tastatur bedienbare Oberfläche einrichten, welche die Maus überflüssig macht. Eine Grundüberzeugung in der Linux-Szene ist, dass nicht jeder Anwender denselben Geschmack hat und es entsprechend keinen Grund gibt, alle über einen Kamm zu scheren. Auch unterscheiden sich die Anforderungen eines reinen Office- und Web-Anwenders deutlich von denen eines Administrators oder eines Programmiers, und das spiegelt sich bei der Linux-Installation auch in der Wahl des individuell am besten geeigneten Desktops wieder.

Abbildung 3: Keine Lust auf einen komplexen Desktop? Der klassische Window-Manager "fvwm" ist nur eine von zahlreichen schlanken Alternativen.

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