Videoschnitt für Heimanwender mit PiTiVi

Dünn geschnitten

Im Multimediaumfeld ist der Videoschnitt die Königsdisziplin. Mit dem richtigen Werkzeug meistern Sie die Aufgabe auch unter Linux ohne Probleme – wir stellen Ihnen dazu PiTiVi vor.

Die Zeiten, in denen die Videoproduktion Profis vorbehalten war, sind lange vorbei: YouTube hat das Onlinestellen eigener Videos zum Massenhobby gemacht. Nutzer laden Videos aus unterschiedlichen Gründen ins Netz, entsprechend haben die "Zuschauer" auch ganz unterschiedliche Erwartungen an die Videoqualität. Ein Video, das mit der Handykamera aufgezeichnet und noch von unterwegs aus ins Netz gestellt wird, darf unscharf und wackelig sein oder verrauschten Ton haben. Wer hingegen einen Kurzfilm der eigenen Hochzeit als Danksagung an die Verwandtschaft verteilen möchte, wird das vermeiden wollen.

Für qualitativ ansprechende Videos braucht man eine gute Kamera, und ohne Nacharbeiten geht dann auch nichts. Geeignete Kameras finden sich schnell. Bis vor ein paar Jahren war der kniffligere Schritt die Nachbearbeitung, zumindest für Linux-Anwender: Während es für Windows zahlreiche Videoeditoren gab, fehlten passende Linux-Tools. Das ist heute anders: Mit PiTiVi [1] und Kdenlive [2] stehen gleich zwei leistungsfähige Tools zur Verfügung, die für weit mehr zu gebrauchen sind als bloßes Basteln. Im Folgenden erfahren Sie, wie Sie mit PiTiVi aus den Filmen einer Kompaktkamera der Mittelklasse (PowerShot SX280HS) einen ansprechenden Film erstellen.

Ein Wort zur Hardware

Auch für das beste Schnittprogramm gilt, dass das fertige Video immer nur so gut wie das Ausgangsvideomaterial sein kann. Wer sich mit Videobearbeitung beschäftigt, sollte ein paar simple Hinweise in die Planung einbeziehen, die schöne Videos möglich machen.

Schritt 1 ist dabei die Auswahl der Kamera. Camcorder eignen sich für Videoaufnahmen noch immer am besten, aber wer keinen Camcorder hat, muss nicht automatisch einen kaufen: Die meisten Consumerkameras bringen mittlerweile ansehnliche Videofunktionalität mit, viele sind sogar in der Lage, Videos im Full-HD-Format aufzuzeichnen. Weil auch Full-HD-Fernseher immer weitere Verbreitung finden, ist das ein nicht zu vernachlässigender Faktor: Videos in Standardauflösung (SD) auf HD-Mattscheiben sehen fast zwangsläufig matschig aus.

Die schon erwähnte Canon SX820HS ist ein guter Mittelweg zwischen Funktionalität und Preis; vergleichbare Funktionalität ist zu ähnlichen Preisen auch bei Nikon & Co. erhältlich.

Die richtige Kamera allein macht allerdings noch keinen Hitchcock; mindestens so wichtig wie gute Hardware ist der richtige Umgang damit. Kameras, die in der Hand geführt werden, verwackeln fast automatisch, und wacklige Aufnahmen lassen sich in der Nachbearbeitung kaum noch in einen besseren Zustand versetzen. Auch bei Videoaufnahmen mit den genannten Kompaktkameras empfiehlt sich deshalb der Einsatz eines Stativs. Es muss kein teures sein; günstigere Stative sind mit weniger Zusatzfunktionen ausgerüstet aber trotzdem gut geeignet.

Schließlich darf man das Thema Ton nicht vergessen: Die Mikros, die in vielen Kameras verbaut sind, sind qualitativ nicht viel besser als jene in Mobiltelefonen. Wer mit Kameras aus höherpreisigen Segmenten werkelt, kann an diese oft externe Mikrofone anschließen; ein Blick ins Handbuch verrät im Zweifelsfall mehr. Lässt sich jedoch kein externes Mikro an die Kamera anschließen, ist eine Tonverbesserung höchstens durch digitale Nachbearbeitung zu erreichen. Auch hier gilt: Schlechter Originalton wird keinen kristallklaren Klang im fertigen Produkt erlauben.

Filme und Kassetten

Bevor wir in die PiTiVi-Bedienung einsteigen, noch ein Hinweis: Die folgenden Beispiele gehen davon aus, dass das Videomaterial bereits in Form von Dateien vorliegt; gemeint sind also zum Beispiel Containerformate wie AVI oder MKV. Praktisch alle Kameras, die für normale Benutzer gedacht sind, nehmen Filme digital auf – im Gegensatz zu älteren Camcordern, die häufig noch auf Kassetten setzen. Um einen Film von diesen Kassetten auf die Festplatte zu bringen, benötigen Sie spezielle Werkzeuge, auf die wir in diesem Artikel nicht eingehen.

Wenn Ihre Kamera digitale Filme aufzeichnen kann, gibt es in der Regel mehrere Methoden, um das Video von der Kamera auf die Platte zu übertragen. Die meisten Kameras haben einen eigenen USB-Port, über den sie via PTP oder MTP den Zugriff auf alle Dateien des Kameraspeichermediums freigeben.

Sie können die Speicherkarte der Kamera auch direkt auf dem Computer auslesen, wenn Sie einen passenden Cardreader haben. Das gängige Format für Speicherkarten ist mittlerweile SDHC, und viele Standard-PCs und auch Notebooks sind mit einem Kartenschacht ab Werk ausgerüstet. Alternativ finden Sie im Zubehörhandel passende Cardreader für kleines Geld; diese schließen Sie dann an den USB-Port an.

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