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Mozilla: Die Anderen

Neues von Thunderbird und Seamonkey

08.07.2014
Das Mozilla-Team hat nicht nur den Browser Firefox, sondern auch den E-Mail-Client Thunderbird und das Kombiprogramm Seamonkey im Angebot. Dort geht die Entwicklung aber nur langsam – oder gar nicht – voran.

Letztes Jahr sorgte eine Ankündigung der Mozilla-Foundation für Schweißperlen auf der Stirn vieler Anwender: Kurzerhand erklärte die Organisation nämlich Firefox zum Hauptprodukt ihrer Bestrebungen und verkündete dabei im Nebensatz, die Thunderbird-Entwicklung praktisch einzustellen [1]. Der bei vielen Nutzern sehr beliebte Mailclient (Abbildung 1) stand damit von einem auf den anderen Tag vor dem Aus: Nichtmal mehr Löcher mit kritischen Auswirkungen auf die Sicherheit des Programms wollte das Team der Foundation noch stopfen.

Abbildung 1: Thunderbird hat viele Fans in der FLOSS-Gemeinschaft, doch ist die Zukunft des Programms alles andere als gewiss.

Die Nutzer reagierten teils entsetzt, denn viele Anwender sehen Thunderbird als einzige echte Alternative zu Browserdiensten wie Gmail und GMX. Außerdem ist nur Thunderbird in ähnlicher Form für Windows, OS X und Linux verfügbar. Eiligst stellten einige Community-Mitglieder dann auch fest, dass die Headline "Mozilla-Foundation stellt Thunderbird ein" eine Falschmeldung sei – lediglich die finanzielle Förderung des Programms wäre eingestellt, doch wenn Thunderbird auf Community-Basis weiterentwickelt würde, sei auch in Zukunft mit dem Tool zu rechnen.

Große Community

Nun sollte man annehmen, dass ein millionenfach benutztes Mailprogramm eine entsprechend große Community hat, die eine Weiterentwicklung zu diesen Bedingungen gewährleisten kann. Durch kleine Schritte wollten diverse Mitglieder nach Thunderbird 13 unter Beweis stellen, dass das Programm auch ohne Geld von Mozilla überlebensfähig ist: Thunderbird 24 bestand zum größten Teil aus Sicherheitspatches und der Behebung vieler lästiger Bugs, welche die Arbeit im Alltag negativ beeinflussten [2]. Die Versionsnummer sprang direkt auf 24, weil die Foundation für Firefox ein neues Versionsschema eingeführt hatte und Thunderbird nachzog. Wichtige Neuerungen gab es in der Version aber definitiv nicht. Und doch bewirkte Thunderbird 24, dass das Überleben des Mailprogramms für viele als gesichert galt.

Einige Monate später stellt sich das offenbar als Trugschluss heraus: Zwar hat es für Thunderbird 24 seit September 2013 verschiedene Wartungsversionen gegeben, doch behoben auch diese nur Sicherheitsbugs oder lästige Fehler. Neue Features hat es seit der offiziellen Abkündigung von Thunderbird durch die Mozilla Foundation nicht mehr gegeben; zwar werden auf einer Mailingliste eventuell gewollte Features diskutiert, doch es tut sich nichts.

Ensemble ist dafür ein gutes Beispiel: Das Projekt mit dem klangvollen Namen sollte das neue Adressbuch in Thunderbird werden, mit dem Anwender nicht länger auf Add-ons angewiesen wären. Seit Februar 2013 ist allerdings auch die Ensemble-Entwicklung eingeschlafen, und bis Redaktionsschluss war nicht zu erkennen, dass sich das in absehbarer Zeit ändert. Die Betaversion von Thunderbird 31, die auf der Mozilla-Timeline angekündigt ist, wird im Wesentlichen wohl ein alter Thunderbird sein, der auf einer neueren Version von Mozillas Gecko-Engine basiert; Gecko ist dafür zuständig, HTML-Inhalte zu parsen, also auch HTML-basierte Mails. Damit sieht es zumindest im Augenblick so aus, als ob Thunderbird tatsächlich im Tiefschlaf ist.

Neuerungen bei den Add-ons

Deutlich besser sieht es in Sachen Thunderbird-Add-ons aus. Eine der großen Thunderbird-Stärken ist, dass man den Mailclient sehr leicht durch Add-ons erweitern kann. Weil sich Thunderbird im Augenblick praktisch nicht verändert, ändert sich auch die Schnittstelle zu jenen Add-ons nicht, was für Stabilität sorgt. Die Entwickler vieler Add-ons hält der ausbleibende Fortschritt beim Mailclient jedenfalls nicht davon ab, ihre eigenen Miniwerkzeuge weiter zu entwickeln. So gab es z. B. von der überaus beliebten Kalenderapplikation Lightning [3] in den letzten Wochen gleich mehrere neue Versionen, die Programmierfehler und Performancebeeinträchtigungen beheben.

Ähnliches gilt für andere populäre Erweiterungen wie Enigmail (das den Mailclient um Unterstützung für die Verschlüsselungstechnik GnuPG/PGP erweitert). Zu erwähnen ist schließlich auch AdBlock Plus: Das Add-on ist zwar in erster Linie eine Erweiterung für Firefox, funktioniert aber unter Thunderbird genauso und filtert dort aus E-Mails im HTML-Format unerwünschte Werbung.

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