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Wenn's perfekt sein muss

Mit LaTeX professionelle Texte gestalten

08.07.2014
Briefe und andere kleinere Texte schreiben die meisten Linux-Anwender in LibreOffice Writer. Für größere (und wichtige) Dokumente ist das Officeprogramm aber nur bedingt geeignet – mit LaTeX steht eine Alternative zur Verfügung.

Wenn Sie bisher Ihre Texte mit einem Programm wie LibreOffice Writer oder Microsoft Word geschrieben haben, könnte Ihnen der Umgang mit der Alternative LaTeX (gesprochen: Latech, nicht Latex) zunächst sehr merkwürdig vorkommen, denn dort gibt es keine Buttons für kursiv und fett, zentrierte Absätze oder Blocksatz. Stattdessen müssen Sie Kommandos für die Auszeichnung direkt in den Text schreiben, etwa \textbf{wichtig} für das fett geschriebene Wort "wichtig". Wer das zum ersten Mal macht, sucht zunächst nach den passenden Tastenkombinationen, die den Backslash \ und die geschweiften Klammern {} erzeugen.

Das klingt nach Aufwand – sowohl für die Einarbeitung als auch für die regelmäßige Arbeit mit dieser Software. Warum sollten Sie sich das antun? In diesem Artikel verraten wir Ihnen, welche Vorteile LaTeX [1] gegenüber klassischen Textverarbeitungen bietet, und wir helfen bei den ersten Schritten.

Kleine Werbekampagne

Die kurze Zusammenfassung lautet: "Wenn Sie es ordentlich machen wollen, nehmen Sie LaTeX." Dokumente nach allen Regeln der Kunst zu gestalten, ist eine komplexe Aufgabe. Häufig ist Perfektion gar nicht nötig; wenn Sie also einen kurzen Brief ans Finanzamt schreiben wollen, reicht eine klassische Textverarbeitung dafür völlig aus – schließlich würde die Behörde auch einen von Hand geschriebenen Brief akzeptieren. Auch für eine schnelle Notizensammlung, in der Sie etwa wichtige Begriffe fett hervorheben oder eine Aufzählung mit Punkten einfügen wollen, ist LibreOffice Writer ein gutes Tool.

Doch manchmal muss es mehr sein. Wenn Sie ein Buch, eine wissenschaftliche Abschlussarbeit oder ein anderes umfangreiches Dokument erstellen wollen, das auch andere Personen lesen werden, dann sollte nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form stimmen. Und hier kann LaTeX punkten: Es berücksichtigt alle wichtigen Regeln des professionellen Textsatzes und lässt sich nur mit Mühe dazu zwingen, hässliche Dokumente zu erstellen.

Ein klassischer "Fehler", der vielen Anwendern von Writer, Word & Co. unterläuft, ist der Einsatz von zu vielen verschiedenen Schriften, Schriftgrößen und Auszeichnungen (fett, kursiv, beides, unterstrichen, Schrift mit Schatten und viele mehr). Abbildung 1 zeigt ein Meisterwerk dieser Kategorie. An öffentlichen Pinnwänden in Supermärkten kann man gelegentlich Verkaufsangebote bewundern, die ähnlich geschmackvoll sind, und auch so manche Einladung zur Betriebsfeier hat Ähnlichkeit mit unserem Entwurf.

Abbildung 1: Viel ist manchmal zu viel, etwa dann, wenn es um die Zahl der Schiftarten in einem Dokument geht.

Textprogramme geben den Anwendern die Freiheit, mit wenigen Klicks alle nur denkbaren Texteigenschaften zu ändern. Doch haben nur die wenigsten Anwender die nicht mehr angebotene dreijährige Ausbildung zum Schriftsetzer (oder zu dessen modernem Nachfolger, dem Mediengestalter) absolviert. Eine Grundregel ist: "Weniger ist mehr."

LaTeX bündelt einen Großteil des theoretischen Wissens, das Schriftsetzer früher erwerben mussten. So weiß LaTeX z. B., wie es den Zeilenabstand anpassen muss, wenn sich die Schriftgröße ändert, und es hat vernünftige Voreinstellungen für die Größe von Überschriften.

Textsatz

In Textverarbeitungsprogrammen ist nie vom "Textsatz" die Rede – worum geht es da überhaupt? Seit der Buchdruck mit Bleilettern erfunden wurde, haben sich Textsetzer bemüht, Buchstaben in besonders gelungener Weise zu Worten zusammenzusetzen, diese dann zu Zeilen in einer Textspalte (bzw. auf der Buchseite) und schließlich die Zeilen zu ganzen Absätzen. Das klingt einfach, denn schließlich macht das jedes Textprogramm automatisch, aber das liegt daran, dass Programme wie Writer und Word nicht alle Regeln der Kunst beherrschen. Dazu ein paar Beispiele:

Viele Texte verwenden den so genannten Blocksatz, dabei ordnet das Textprogramm – im Gegensatz zum Flattersatz – die Worte in allen Zeilen so an, dass die Zeilen gleichzeitig links- und rechtsbündig sind, es entsteht der optische Eindruck eines (Text-)Blocks. LibreOffice produziert dabei in der Standardeinstellung teilweise unbrauchbare Ergebnisse (Abbildung 2), weil es lange Worte nicht trennt, sondern in die nächste Zeile zieht, wenn sie nicht mehr in die aktuelle passen. Die Optik wird sofort deutlich besser, wenn Sie die Silbentrennung einschalten: Dann umbricht Writer lange Worte an geeigneten Stellen, fügt also einen Bindestrich ein und setzt das Wort in der nächsten Zeile fort. Abbildung 3 zeigt denselben Text mit aktivierter Silbentrennung, aber auch hier fallen noch unterschiedlich große Wortabstände auf, besonders stark in der dritten Zeile (in der die Abstände deutlich größer als in den übrigen Zeilen sind).

Abbildung 2: Blocksatz ohne Silbentrennung (LibreOffice) sieht selten gut aus.
Abbildung 3: Mit Silbentrennung wird es besser (LibreOffice).

Ein professioneller Textsetzer wird sich bemühen, durch Silbentrennungen an den richtigen Stellen ein einheitliches Textbild zu erzeugen – zumindest für jeden Absatz. Das war früher Handarbeit, doch heute können leistungsfähige Textsatzprogramme (wie LaTeX) das mit ausgeklügelten Algorithmen automatisch erledigen. Abbildung 4 zeigt, wie LaTeX mit dem Beispieltext umgeht. Der Unterschied ist auf den ersten Blick vielleicht schwer zu erkennen, aber geringfügige Abweichungen bei den Trennentscheidungen sorgen dafür, dass das Erscheinungsbild des Absatzes einheitlicher ist.

Abbildung 4: LaTeX setzt Absätze so, dass die Wortabstände möglichst einheitlich sind.

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