Linux Mint 17 Mate auf der Heft-DVD

Doppelt destilliert

Das Ubuntu-Derivat Linux Mint hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Debian-Ableger Ubuntu noch einmal zu verfeinern. Die Distribution lindert mit ihrem Desktop Mate einige Kopfschmerzen, die Ubuntu mit der Unity-Oberfläche manchen Anwendern bereitet.

Noch vor ein paar Jahren rieten erfahrene Anwender Linux-Umsteigern fast einstimmig: "Versucht es mit Ubuntu!" Inzwischen kennt die Beliebtheitsrangliste auf Distrowatch einen neuen Star: Linux Mint [1] hat dort Ubuntu den ersten Rang abgejagt [2]. Mint ist ein inoffizielles Ubuntu-Derivat, das den bewährten Ubuntu-Unterbau mit alternativen, leichter zu bedienenden Desktop-Umgebungen kombiniert.

Die Mint-Entwickler reagieren damit auf Kritik, der sich Ubuntu zunehmend ausgesetzt sieht: Sein Desktop Unity [3] stößt Umsteiger von Windows und von anderen Linux-Distributionen gleichermaßen vor den Kopf. In der Standardeinstellung zeigt er neben installierten Programmen ungefragt Produkte von Amazon. Auf älterer Hardware läuft Unity schleppend oder gar nur in einem eingeschränkten Modus.

Die aktuelle Release Linux Mint 17 kombiniert das noch frische Ubuntu 14.04 mit den Desktop-Umgebungen Mate (Abbildung 1) [4] und Cinnamon [5]. Beide setzen auf die altbewährte Taskleiste und ein konventionelles Startmenü. Unsere Heft-DVD enthält die Mate-Variante.

Abbildung 1: Früher war vieles besser: Wie im alten Gnome-2-Desktop lassen sich auf der Mate-Arbeitsfläche Ordner und Programmstarter ablegen. Der Dateimanager kennt eine Zweispaltenansicht. Das primitive Gnome-2-Startmenü haben die Mint-Entwickler dagegen nach KDE-Vorbild modernisiert.

Wir haben Linux Mint Mate [6] für Sie getestet. Der Mate-Desktop ist eine von einem neuen Team betreute Fassung von Gnome 2, deren Entwicklung das ursprüngliche Gnome-Team 2010 eingestellt hat – obwohl viele Anwender zufrieden waren und sich kein neues Bedienkonzept gewünscht haben. Außerdem ist die alte, doch weiter gepflegte Desktop-Umgebung wie geschaffen für in die Jahre gekommene Computer.

Vorauswahl

Schon ein Klick auf das Startmenü (Abbildung 2) offenbart, warum Linux Mint Umsteiger im Handstreich für sich einnimmt: In zwei Spalten mit großen Icons finden Anwender acht wichtige Anwendungen, darunter Browser, Mailprogramm, Taschenrechner, ein Musikprogramm und ein Texteditor. Eine Trennlinie teilt die Anwendungen übersichtlich in Vierergruppen.

Abbildung 2: Manchmal erleichtern Kleinigkeiten das Leben spürbar. So sorgt das Mint-Startmenü mit zweispaltigen, durch Trennlinien optisch gruppierten Favoriten für entspanntes Arbeiten und kurze Mauswege.

Ganz unten liegen die Einstellungen für die Auflösung und die Anordnung des Desktops auf mehreren Bildschirmen, die häufig direkt nach der Installation gefragt sind. Zudem ist noch die Systemüberwachung zu finden, mit der Sie blockierende Programm beenden oder herausfinden, welche Anwendungen übermäßig viel Arbeitsspeicher belegen.

Die ganze linke Spalte enthält Lesezeichen zu häufig gebrauchten Ordnern. In der Rubrik System finden Sie eine Paketverwaltung. Hinzu kommen Einträge zum Sperren des Bildschirms, Abmelden und Ausschalten des Rechners. Dank der Favoriten im Startmenü finden Einsteiger gleich nach dem ersten Start die wichtigsten Programme und Einstellungen.

Der Fundus der vorinstallierten Anwendungen erschöpft sich nicht in den zehn Favoriten: Ein Klick auf Alle Anwendungen bringt Sie zu einem nach Kategorien geordneten, konventionellen Startmenü (Abbildung 3). Um Programme von dort aus den Favoriten hinzuzufügen, klicken Sie rechts auf einen Menüeintrag und wählen In meinen Favoriten anzeigen. Sie entfernen Favoriten ebenfalls per Rechtsklick und Auswahl der Option Aus den Favoriten entfernen.

Abbildung 3: Mit dem rot markierten Button schalten Sie zwischen Favoritenansicht und der Anzeige aller Programme um. Der Cursor steht von Anfang an im "Suchen"-Feld. Sie brauchen nur ein paar Buchstaben zu tippen, um ein Programm zu finden.

Das Mint-Startmenü bietet außerdem anders als das ursprüngliche Gnome-2-Menü eine Suchfunktion, mit der Sie Programme schnell durch Eintippen der ersten zwei bis drei Buchstaben des Programmnamens finden.

Hängen und Würgen

Selbst wenn Sie vorher freien Platz geschaffen haben, hängen leider vom Anwender hinzugefügte neue Favoriten zunächst halb verdeckt unter dem Suchen-Eingabefeld (Abbildung 4). Solange Sie nicht mehr als die vorgesehenen zehn Favoriten benötigen, lässt sich dieses Problem durch Ziehen mit der Maus lösen. Allerdings dürfen Sie das Icon nicht wie erwartet an die gewünschte Leerstelle verschieben. Sie müssen es vielmehr auf ein bestehendes Icon ziehen, das dann eine Spalte nach rechts rückt.

Abbildung 4: Beim Bearbeiten der Favoriten zeigt das optisch hübsch gestaltete Mint-Startmenü Schwächen: Es wächst nicht mit der Zahl der Favoriten. Sie dürfen Icons auch nicht direkt auf einen leeren Bereich ziehen, sondern nur auf andere Icons, die dann nach rechts wandern.

Noch unausgereifter gibt sich das Mint-Startmenü, wenn es mehr als die zehn voreingestellten Favoriten aufnehmen soll: Seine Größe lässt sich nicht wie in KDE mit der Maus verändern. Dafür öffnet ein Rechtsklick auf das Startmenü-Symbol die Menüeinstellungen: Im Reiter Favoriten können Sie die Spaltenzahl erhöhen und die Größe der Favoriten-Icons (Symbolgröße) verringern.

Die Höhe des Startmenüs lässt sich nur mit Umweg über den Reiter Orte in den Menüeinstellungen verändern: Entweder Sie fügen über den Button Neu weitere benutzerdefinierte Orte hinzu, oder Sie aktivieren die Option Bildlaufleiste erlauben (Abbildung 5). Daraufhin können Sie im Eingabefeld darunter eine fixe Höhe für das Startmenü in Bildpunkten eingeben.

Abbildung 5: Normal richtet sich die Höhe des Mint-Startmenüs nur nach der linken Spalte. Überzählige Favoriten (große Symbole) schneidet es einfach ab – es sei denn, Sie aktivieren in den Einstellungen die etwas irreführend benannte Option "Bildlaufleiste erlauben" und geben eine feste Höhe ein.

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