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Linux: Einfach besser

Warum Linux – fast immer – besser als Windows ist

07.04.2014
Haben Sie sich schon für den Umstieg auf Linux entschieden? Oder brauchen Sie noch Argumente für unentschlossene Freunde und Kollegen? Im Schwerpunkt dieser Ausgabe geht es um Gründe, aus denen Linux besser als andere Betriebssysteme ist.

Über das beste Betriebssystem zu streiten, ist ein weit verbreitetes Hobby, und das Internet ist voll von hitzigen Diskussionen, in denen jeder Teilnehmer eine Reihe von Argumenten aufführt, warum das System seiner Wahl das einzig wahre ist und alle, die etwas anderes verwenden, fehlgeleitet sind. Wir bei EasyLinux sind natürlich parteiisch und wissen genau, warum wir Linux und nicht einem anderen Betriebssystem den Vorzug geben. Für alle, die noch unentschlossen sind, gibt es auf den folgenden Seiten ein paar Highlights. Wenn Sie bereits mit Linux arbeiten, dann erhalten Sie damit Argumentationshilfen für Diskussionen im Freundes- oder Kollegenkreis, und falls Sie bisher nur überlegen, es mal mit Linux zu versuchen, finden Sie hier vielleicht den letzten benötigten Impuls.

Die Aussage "Linux ist besser als Windows" (oder: "Linux ist besser als OS X") klingt etwas marktschreierisch und ist auch zu pauschal, denn es kommt immer auf den einzelnen Anwender an. Wer einen Computer kauft, um damit Windows-Programme in der von Microsoft entwickelten Programmiersprache C# zu schreiben, ist mit einer Linux-Installation schlecht beraten, und das gilt in gleicher Weise auch für verschiedene andere spezielle Einsatzzwecke eines PCs. Apple-Kunden, die ihre Macs für Desktop-Publishing mit Adobe InDesign oder QuarkXPress verwenden, würde eine Linux-Installation auf dem MacBook ebenfalls nicht glücklich machen.

Die Mehrheit der Computeranwender (egal, ob PC oder Mac) setzt ihre Rechner aber in den folgenden klassischen Bereichen ein:

  • Internet: Der Rechner muss Webseiten schnell, kompatibel und sicher anzeigen können und den Zugriff auf E-Mails ermöglichen; eventuell kommen noch Chats und Videotelefonate, etwa über Skype, hinzu. Speziellere Internetdienste, z. B. Filesharing, Usenet-News und andere sind da schon deutlich seltener gefragt.
  • Office: Hier geht es meist um Briefe und einfache Tabellen. Längere Textdokumente (wie Bücher und Abschlussarbeiten) oder programmgesteuerte Tabellen (mit Makros) benötigt nur eine Minderheit der Anwender, und das klassisch zu Officepaketen gehörende Präsentationsprogramm wird auch auf den meisten Rechnern selten bis nie gestartet.
  • Multimedia: Fotos und Videos vom Handy oder von der Digital- oder Videokamera werden auf dem Rechner archiviert und vielleicht bearbeitet, ein MP3-Player kümmert sich um die digitale Musiksammlung; wer genug Zeit hat, der liest vielleicht seine Musik-CDs aus, um die Titel auch auf dem PC verfügbar zu haben.
  • Spiele: Hier hat es in den letzten Jahren eine Verlagerung gegeben: weg vom PC, hin zu spezialisierten Spielekonsolen und auch zu Smartphones (und Tablets). Anfang des Jahres wurde bekannt, dass es die World Cyber Games (eine Art Olympiade der Computerspieler) 2014 erstmals nicht mehr geben wird [1]: Sie bot internationale Wettkämpfe in klassischen PC-Spielen.

Für die ersten drei Bereiche ist Linux schon seit vielen Jahren eine vollwertige Alternative zu Windows. Das gilt sowohl für die Standardaufgaben als auch für die seltener nötigen Arbeiten. Beim Thema Netzwerk liegt Linux ganz weit vorne, denn das Internet ist in einer Unix-Welt entwickelt worden, in der es Windows noch gar nicht gab [2]. Erst 1992 wurde Windows (in der Version "Windows 3.11 for Workgroups") überhaupt Internet-fähig – immerhin rechtzeitig zur Erfindung des Webbrowsers (Abbildung 1).

Abbildung 1: So sah einer der ersten grafikfähigen Webbrowser auf einem NeXT-Rechner aus (Quelle: Tim Berners-Lee/CERN).

Lediglich beim Thema Spiele hatte Linux lange Probleme, und während hier die Relevanz von PCs als Spieleplattform abnimmt, wird Linux gleichzeitig interessanter – nicht zuletzt, seit Valve seinen Spieleshop Steam auf Linux ausgeweitet hat [3] und Linux-basierte Spielekonsolen entwickelt werden.

Gibt es Dinge, für die keine Linux-Programme erhältlich sind? Ja, z. B. werden Sie keine Linux-Anwendung finden, mit der Sie Ihre Steuererklärung bearbeiten können. Aber das ist eine Spezialaufgabe, der man sich einmal im Jahr widmet, und das Fehlen eines dafür passenden Programms muss niemanden vom Linux-Einsatz abhalten – schließlich erlaubt Linux die Parallelinstallation, ergänzt also auf Wunsch eine bereits installierte Windows-Version, so dass Sie beim Rechnerstart auswählen können, ob Sie Linux oder Windows nutzen möchten. Daneben bieten virtuelle Maschinen die Möglichkeit, eine vollständige Windows-Installation in einem Fenster unter Linux laufen zu lassen [4] (Abbildung 2).

Abbildung 2: Wer sich für Linux entscheidet, der muss auf Windows nicht verzichten: In einer virtuellen Maschine darf das alte System weiter leben.

Umstieg ist möglich – aber auch nötig?

Wenn es also für einen Großteil der Anwender heute möglich ist, auf dem PC Windows durch Linux zu ersetzen, dann bleibt noch die Frage, warum sie das tun sollten – schließlich werden die meisten PCs mit einem vorinstallierten Windows ausgeliefert, und eine Linux-Installation bedeutet zunächst einen gewissen Aufwand. In unserer Titelstrecke tragen wir einige Argumente für den Umstieg zusammen, die alle dafür sprechen, dass Linux nicht nur genauso gut, sondern eben besser als Windows ist.

Ein ganz aktueller Grund für den Umstieg auf Linux ist der im April auslaufende Support für Windows XP (Abbildung 3): Nach dem Stichtag wird es keine Updates mit Fehlerbehebungen mehr geben, und die alte Windows-Version ist noch weit verbreitet – unter anderem, weil sie geringere Anforderungen an den Rechner als Windows Vista/7/8 stellt. Wer auf XP nicht verzichten kann, der findet im Artikel ab Seite ## Hinweise, wie man XP in einer virtuellen Maschine trotz der beendeten Unterstützung ohne Sicherheitsprobleme weiter verwenden kann.

Abbildung 3: Feierabend für Windows XP – Microsoft fordert zum Umstieg auf eine Nachfolgerversion auf.

Entscheidungsfreiheit

Linux und Windows erscheinen regelmäßig in aktualisierten Versionen: Neue Linux-Distributionen sind dabei deutlich häufiger als Windows-Updates. Dabei ändert sich oft die Art und Weise, wie die grafische Oberfläche zu bedienen ist – selten zur Freude der Anwender. Vor allem Windows 8 (und auch 8.1) mit seinem Abschied vom Startmenü und dem ungewohnten Mischbetrieb von klassischem Desktop und Tablet-Oberfläche auf dem PC hat viele langjährige Windows-Fans erzürnt. Die meisten bleiben aktuell bei Windows 7 oder denken über Alternativen nach. Die einzigen Kandidaten, die hier in Frage kommen, sind Apples OS X und Linux. OS X scheidet dabei aber häufig direkt wieder aus, weil es sich auf klassischen PCs nicht (oder nur sehr umständlich und unter Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen) einrichten lässt. Für Linux gibt es diese Hürde nicht, denn es läuft auf praktisch jedem Windows-PC.

Bei Windows haben Sie immer nur zwei Möglichkeiten: Sie können auf die neue Version umsteigen und die Änderungen hinnehmen, oder Sie bleiben bei Ihrer alten Version und müssen dann auf neue Features verzichten. Das betrifft aktuell besonders Benutzer von Windows XP (siehe oben).

Linux-Anwender sehen sich nach einem Update auch oft mit einer neuen Benutzeroberfläche konfrontiert, doch die gute Nachricht ist hier: Niemand zwingt Sie, mit dem neuen Desktop zu arbeiten, denn Sie können über die Paketverwaltung einfach einen anderen Desktop nachinstallieren. Im Idealfall sieht danach die Oberfläche wieder wie vorher aus – oder zumindest sehr ähnlich.

Ein besonders schönes Beispiel ist hier KDE: Das K Desktop Environment ist einer von vielen Desktops für Linux und zumindest im deutschsprachigen Raum die beliebteste Linux-Oberfläche; doch haben die KDE-Entwickler beim großen Versionssprung von 3.x auf 4.x so viele Eigenschaften geändert, dass sich eine kleine Fangemeinde rund um Version 3.x gebildet hat, welche die Änderungen nicht mag und beim alten Desktop bleiben möchte. Da das KDE-Team keine Aktualisierungen der Version 3.x bietet, hat sich darum mit dem Trinity Desktop Environment [5] eine Gruppe von Entwicklern zu einem Team zusammengeschlossen, das KDE 3 unter dem neuen Namen Trinity Desktop am Leben hält (Abbildung 4). Nun gibt es passende Pakete nicht unbedingt immer sofort für die allerneusten Distributionsversionen, aber Anwender müssen auch nicht mit uralten Linux-Systemen arbeiten, um KDE 3 weiter nutzen zu können. Im Artikel ab Seite ## lesen Sie, wie Sie KDE 3 zum Laufen bekommen.

Abbildung 4: Klassischer Desktop gewünscht? Das Trinity Desktop Environment pflegt die alte KDE-Version 3.x weiter.

Jetzt könnte es sein, dass Ihnen weder die Optik von KDE 4 noch die der älteren Version 3 gefällt – kein Problem: Mit Unity, Gnome, Cinnamon, Mate, Xfce und LXDE gibt es weitere populäre Desktopalternativen [6], und wer experimentierlustig ist, der findet noch diverse Windowmanager, die ebenfalls eine komfortable Oberfläche auf den Monitor bringen. Je nach Geschmack der jeweiligen Entwicklergruppen sind die verschiedenen Desktops unterschiedlich stark konfigurierbar. So kann sich jeder Linux-Anwender ein System zusammenstellen, das exakt seinen Vorstellungen entspricht: Wer auch die letzten Details konfigurieren will, der findet genauso das passende Tool wie Anwender, die lieber bei den Voreinstellungen bleiben und einen übersichtlichen Einstellungsdialog bevorzugen.

Nochmal zum Vergleich: Bei Windows gibt es immer genau eine Option, wie der Desktop aussehen darf – konfigurieren können Sie da lediglich das Hintergrundbild, die Position der Startleiste und die Icons auf dem Desktop, Ende. OS X ist hier auch nicht besser. Zwar ist die Oberfläche generell etwas brauchbarer als die von Windows (so können Sie z. B. unter OS X wie bei Linux-Desktops mehrere Arbeitsflächen verwenden, auf die Sie die Fenster verteilen), aber auch hier müssen Sie mit den Vorgaben leben, die sich die Apple-Entwickler ausgedacht haben.

Nun kann ja jeder, der sich an die Oberfläche seines Rechners gewöhnt hat, einfach entscheiden, diese Version ewig weiter zu verwenden – nur tauchen dann leider nach einer Weile Anwendungen auf, die auf der alten Betriebssystemversion nicht mehr arbeiten, und neue PCs sind auch nicht mehr mit sehr alten Windows-Versionen erhältlich. Windows XP auf einem nagelneuen PC zu installieren, ist eine Herausforderung – Stichwort: Treiber. Unter Linux spricht nichts dagegen, eine alte Distributionsversion weiter zu verwenden, aber den Betriebssystemkern aktuell zu halten und damit weiter von Verbesserungen an Linux selbst zu profitieren. Die dafür nötigen Schritte überfordern zwar Linux-Einsteiger, aber sie sind machbar. Windows und OS X bieten diese Möglichkeit nicht.

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