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© skvoor, 123RF

Der bessere Desktop

KDE und Windows 8: Desktops im Vergleich

07.04.2014
Für Office, Internet & Co. bieten Windows und Linux sehr ähnliche Anwendungen, doch nicht nur die verfügbaren Programme spielen eine Rolle, wenn es um den Komfort des Systems geht. Wir lassen KDE gegen Windows 8 antreten.

Wenn man Windows und Linux vergleicht, gibt es die großen Themen und die kleinen Themen – zu den großen gehören allgemeine Fragen wie Stabilität, Sicherheit, Kompatibilität mit Hardware, Netzwerkfähigkeiten (z. B. für den Einsatz in so genannten heterogenen Umgebungen, wo Rechner mit unterschiedlichen Betriebssystemen zusammen arbeiten müssen) und die Verfügbarkeit von Software. Eines der kleineren Themen ist die Benutzbarkeit oder neudeutsch Usability der Software. Damit ist nicht gemeint, ob Anwendungen überhaupt benutzbar sind (das ist für beide Betriebssysteme der Fall), sondern wie komfortabel, effizient und intuitiv erlernbar eine Oberfläche und die darauf laufenden Programme sind. Ein anderer Begriff dafür ist Software-Ergonomie [1].

Windows – nicht das Betriebssystem, sondern die integrierte grafische Oberfläche – hat sich über fast zwei Jahrzehnte nur wenig verändert, erst mit "Modern UI" (Modern User Interface, früher "Metro" genannt) bei Windows 8 hat Microsoft eine deutliche Veränderung eingeführt, nach Meinung vieler Anwender nicht unbedingt zum Besseren (Abbildung 1).

Abbildung 1: Stein des Anstoßes ist bei Windows 8 die neue Kacheloberfläche (Modern UI), die auf Touch-Bedienung ausgelegt ist und damit besser zu Tablets als zu Desktop-PCs passt.

Linux bietet zahlreiche und sehr unterschiedliche grafische Oberflächen, unter denen Anwender frei wählen können, neben den beliebtesten Desktops (KDE und Gnome) gibt es hier etwa Xfce, LXDE und Ubuntus Unity, und dazu gesellen sich noch einfachere Oberflächen, die im Wesentlichen nur aus einem Windowmanager bestehen: Windowmanager sind dafür verantwortlich, die anfassbaren und mit Schaltflächen versehenen Fensterrahmen um Fenster herum zu zeichnen, und sie schaffen die Möglichkeit, Fenster auf der Oberfläche zu verschieben, die Größe zu verändern etc. Wir werden hier auf Linux-Seite nur den Desktop KDE betrachten (Abbildung 2). Auch Windows hat einen Windowmanager, aber der ist fest integriert und nicht austauschbar.

Kleine Themen

Zum Auftakt ein Beispiel, worum es geht: Um unter Windows ein Fenster zu verschieben, bewegen Sie den Mauszeiger über die Titelleiste, drücken die linke Maustaste und verschieben den Mauszeiger – solange Sie die Taste gedrückt halten, ziehen Sie das Fenster dabei mit. Das funktioniert unter KDE genauso, aber alternativ können Sie auch [Alt] und die linke Maustaste (mit dem Mauszeiger an einer beliebigen Position innerhalb des Fensters) drücken und das Fenster verschieben. Damit sparen Sie einen Sekundenbruchteil, weil Sie nicht erst die Titelleiste ansteuern (und nach dem Verschieben eventuell zur ursprünglichen Mausposition zurückfahren) müssen.

Das ist offensichtlich nur eine winzige Verbesserung, und sie wäre allein kaum der Rede wert. KDE bietet aber zahllose dieser kleinen Komfortfunktionen, die Windows nicht kennt, und wenn man sie alle zusammen betrachtet, bedeuten sie für das tagtägliche Hantieren mit Fenstern einen echten Gewinn.

Wir schauen uns nun einige übliche Aktivitäten an und vergleichen die Features, mit denen KDE und Windows Sie dabei unterstützen.

Fenster manipulieren

In klassischen grafischen Oberflächen (wie z. B. aus alten Windows-Versionen) können Sie Fenster verschieben, minimieren und maximieren, das Maximieren rückgängig machen sowie Fenster schließen. Minimieren bedeutet dabei, dass das Programmfenster vorübergehend verschwindet und nur noch in der Taskleiste (oder vor Windows 95 auf dem Desktop) als Icon auftaucht; beim Maximieren vergrößert sich das Fenster auf die volle Arbeitsoberfläche, wobei meist so viel Platz gelassen wird, dass die Startleiste weiterhin sichtbar ist.

Diese Standardfunktionen gibt es unter KDE und Windows 8 auch heute noch, sie funktionieren bei beiden gleich (jeweils über die Schaltflächen in der Titelleiste), und sie sind wohl auch die geläufigsten Features. Doch die modernen Oberflächen bieten noch mehr:

  • Fenster durch Verschieben maximieren: Wenn Sie ein Fenster an den oberen Rand ziehen, wird es maximiert; ziehen Sie es hingegen an den linken oder rechten Rand, wird es auf halbe Desktopbreite (und volle Höhe) maximiert. Die ursprüngliche Breite und Höhe merken sich dabei beide Oberflächen: Wenn Sie später das Fenster erneut verschieben, nimmt es wieder die alten Abmessungen an.
  • Nur unter KDE können Sie Fenster außerdem auf Viertelgröße maximieren, indem Sie es in eine der vier Ecken ziehen. Die Funktion ist praktisch, um schnell vier Fenster so auf dem Desktop anzuordnen, dass alle gleich groß sind und sie zusammen den Desktop vollständig bedecken (Abbildung 3).
Abbildung 3: Diese vier Fenster sind genau gleich groß und teilen den Desktop komplett untereinander auf – das erreichen Sie mit vier einfachen Verschiebungen in die vier Desktopecken.
  • Beim Maximieren über die Schaltfläche in der Titelleiste haben Sie im Übrigen die Möglichkeit, mit der mittleren oder rechten Maustaste (statt der linken) zu klicken: Dann maximieren Sie das Fenster nur in der Höhe bzw. Breite, während die jeweils andere Dimension unverändert bleibt.
  • Das Verschieben mit [Alt] und gedrückter linker Maustaste haben Sie schon in der Einleitung des Artikels gesehen, die Alt-Taste hilft aber auch bei Größenänderungen: Bewegen Sie die Maus in die Nähe einer der Fensterecken (aber innerhalb des Fensters) und halten Sie dann [Alt] und die rechte Maustaste gedrückt: Durch Bewegen des Mauszeigers können Sie jetzt komfortabel die Fenstergröße anpassen. Auf welcher Seite das Fenster kleiner oder größer wird, hängt dabei davon ab, wo Sie die Maus bei Beginn der Aktion positioniert haben.

Fenster mit diesen KDE-eigenen Techniken zu verschieben oder ihre Größe zu verändern, spart nicht nur die kurze Zeit ein, die ansonsten für das Positionieren der Maus notwendig ist. Wenn Sie viele überlappende Fenster auf dem Bildschirm haben, ist es schon eine Herausforderung, die Kante oder Ecke eines Fensters exakt zu treffen. Verfehlen Sie die richtige Position um wenige Millimeter, aktivieren Sie ein anderes Fenster und verdecken damit das Fenster, das Sie eigentlich bearbeiten wollten. Unter KDE ist also auch weniger Konzentration als bei Windows nötig, um die Fensterposition oder -größe zu verändern.

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