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KDE-TrinitätTrinity Desktop für OpenSuse

KDE-3-Fork Trinity für aktuelle Linux-Distributionen

07.04.2014
Das Trinity Desktop Environment ist ein Fork der KDE-Version 3: Das Team führt die Entwicklung der älteren KDE-Version fort und bietet Anwendern damit eine Desktopalternative.

Schon vor zwei Jahren haben wir in EasyLinux die Installation des KDE-3-Forks Trinity Desktop Environment (TDE) beschrieben [1]: Das Projekt führt die Entwicklung der vom KDE-Projekt nicht mehr gepflegten Version 3.x weiter und stellt Repositories für aktuelle Linux-Distributionen bereit. Das freut vor allem langjährige KDE-3-Anwender, die sich mit den Neuerungen in KDE 4 nie anfreunden konnten.

Die Trinity-Pakete finden sich nicht in den Standard-Repositories von OpenSuse und Kubuntu, was einen eigenen Workshop zur Installation rechtfertigt: In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie OpenSuse 12.3/13.1 oder Kubuntu 13.10 zu einem KDE-3-System machen. Dabei gibt es aber zwei Dinge zu beachten, die Sie eventuell von einer Installation abhalten können:

  • Unter OpenSuse gelingt die Einrichtung nur, wenn nicht bereits KDE 4 installiert ist. Es ist zwar möglich, von Hand alle störenden Pakete zu entfernen, aber das nötige Prozedere ist aufwendig und für Linux-Einsteiger problematisch. Wir beschreiben darum die Neuinstallation von OpenSuse mit anschließender Installation von Trinity.
  • Für Ubuntu 13.10 gibt es derzeit keine stabilen Trinity-Pakete. Wir beschreiben die Einrichtung der "Nightly Builds", also der Entwicklerversion von Trinity. Hier müssen Sie mit Fehlern rechnen, im Test funktionierte Trinity allerdings. Ein Nebeneffekt der Trinity-Installation ist, dass Sie ein installiertes KDE 4 nicht mehr starten können.

Wenn Ihnen diese Optionen nicht gefallen, können Sie Trinity als Live-CD ausprobieren; wir haben sie auf die Heft-DVD gepackt. Entscheiden Sie sich für eine OpenSuse-Neuinstallation, denken Sie daran, vorher alle persönlichen Dateien auf dem Rechner zu sichern.

Unter OpenSuse ist es theoretisch möglich, die Trinity-Software nachzuinstallieren, wie es die Anleitung auf der Projektwebseite [2] beschreibt. Allerdings kam es dabei in einem Test unter OpenSuse 13.1 zu Problemen, weil auf einer Standardinstallation mit KDE 4 bereits einige alte KDE-3-Pakete vorhanden sind, die sich nicht mit Trinity vertragen und von Hand deinstalliert werden müssten. Wir empfehlen darum, wenn Sie bereits mit KDE 4 arbeiten, eine Neuinstallation von OpenSuse – ganz ohne Desktop. Sie können dann anschließend Trinity nachinstallieren und problemlos verwenden. So gehen Sie vor:

  1. Sichern Sie Ihre privaten Daten aus dem Home-Verzeichnis, z. B. auf einen USB-Stick.
  2. Starten Sie eine neue OpenSuse-Installation, mit der Sie die bestehende Installation überschreiben, und entscheiden Sie sich bei der Auswahl des Desktops für Andere / Minimales grafisches System (X Window) (Abbildung 1).

    Abbildung 1: Über die Auswahl "Minimales grafisches System" sorgen Sie bei der OpenSuse-Installation dafür, dass keine alten KDE-3-Pakete stören.
  3. Schließen Sie die Installation ab. Wenn das neue System gebootet hat, melden Sie sich mit Ihrem Benutzernamen an und öffnen per Klick auf den Eintrag XTerm in der Startleiste ein Terminalfenster. Hier geben Sie die folgenden Befehle ein:

    sudo zypper ar -t YUM http://ftp.gwdg.de/pub/linux/misc/packman/suse/13.1/ packman
    sudo rpm --import http://ppa.quickbuild.pearsoncomputing.net/trinity/trinity/rpm/opensuse13.1/RPM-GPG-KEY-trinity
    sudo zypper ar -t YUM http://ppa.quickbuild.pearsoncomputing.net/trinity/trinity/rpm/opensuse13.1/trinity-3.5.13/RPMS/$(uname -i) trinity
    sudo zypper ar -t YUM http://ppa.quickbuild.pearsoncomputing.net/trinity/trinity/rpm/opensuse13.1/trinity-3.5.13/RPMS/noarch trinity-noarch

    (Sie können diese Kommandos per Copy & Paste aus der Anleitung auf der Trinity-Webseite [2] übernehmen und jedem der Befehle noch sudo und ein Leerzeichen voranstellen. Beim ersten sudo-Aufruf müssen Sie Ihr Passwort eingeben.) Die obigen Kommandos sind für OpenSuse 13.1 gedacht; wenn Sie eine ältere Version verwenden, ersetzen Sie die Versionsnummer 13.1 durch Ihre Version (bzw. kopieren die Befehle aus dem zu Ihrer OpenSuse-Version passenden Abschnitt der Anleitung im Netz).

    Falls Sie eine Meldung über einen neuen Signierschlüssel (engl.: signing key) und die Nachfrage Do you want to reject the key, trust temporarily, or trust always? erhalten, antworten Sie durch Eingabe des Buchstabens a (Abbildung 2).

    Abbildung 2: Wenn Sie unter OpenSuse eine neue Paketquelle hinzufügen, müssen Sie den Signierschlüssel bestätigen.
  4. Die restlichen Schritte sind unabhängig von der Distributionsversion:

    sudo zypper ref
    sudo zypper in trinity-desktop
    sudo zypper in trinity-tde-i18n-German
    sudo zypper in trinity-koffice-i18n-German
    sudo zypper in trinity-k3b-i18n-German
  5. Geben Sie das Kommando kdesu kate /etc/s*/dis* ein, um die Datei /etc/sysconfig/displaymanager mit Root-Rechten zu bearbeiten. Suchen Sie in der Datei nach der Zeile, die mit DISPLAYMANAGER= beginnt und ändern Sie diese zu DISPLAYMANAGER="tdm". Speichern Sie mit [Strg]+[S] und verlassen Sie den Editor.
  6. Danach melden Sie sich über den Eintrag Logout im Startmenü ab und starten Linux neu. Es erscheint nun der Anmeldemanager von Trinity. Um die Anmeldung zu starten, drücken Sie [Strg]+[Alt]+[Entf], stellen über Menu / Session Type / TDE Trinity als Sitzung ein und melden sich an (Abbildung 3).

    Abbildung 3: Bei der ersten Anmeldung unter OpenSuse müssen Sie den Sitzungstyp auf "TDE" umstellen.

Bei der Installation kann es Schwierigkeiten mit der Erreichbarkeit des Downloadservers geben. Wenn das auch bei Ihnen der Fall sein sollte, lesen Sie die Hinweise im Kasten Unzuverlässiger Server.

Unzuverlässiger Server

Bei unseren Tests war zeitweise der Server nicht erreichbar bzw. er gab eine Fehlermeldung wegen Überlastung zurück – im Netz gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass das häufiger vorkommt, wir mussten zwei Tage warten, bis es wieder funktionierte. Wenn auch Sie Probleme haben (die typischerweise schon beim Einbinden des Repositorys sichtbar werden), wiederholen Sie die Prozedur an einem anderen Tag.

Für OpenSuse gibt es Mirror-Server, die eine Kopie des Originalservers bereithalten.

OpenSuse

Zunächst entfernen Sie die nicht erreichbaren Paketquellen wieder, das erledigen die folgenden Befehle:

sudo zypper removerepo trinity
sudo zypper removerepo trinity-noarch

Dann fügen Sie wie folgt zwei alternative Quellen für dieselben Repositories hinzu:

sudo zypper ar http://ftp.rrze.uni-erlangen.de/trinity/trinity/rpm/opensuse13.1/trinity-3.5.13/RPMS/$(uname -i) trinity
sudo zypper ar http://ftp.rrze.uni-erlangen.de/trinity/trinity/rpm/opensuse13.1/trinity-3.5.13/RPMS/noarch trinity-noarch

(Auch hier müssen Sie die Versionsnummer in den URLs anpassen, falls Sie eine andere OpenSuse-Version als 13.1 verwenden.) Danach setzen Sie die Installation ab Schritt 4 der Anleitung fort.

Kubuntu

Einen Mirror für die Nightly Builds für Ubuntu konnten wir nicht finden; darum bleibt Ihnen bei Problemen mit dem Pearson-Computing-Server nur, abzuwarten, bis er wieder verfügbar wird.

Kubuntu

Zum Testzeitpunkt waren keine stabilen Pakete für Ubuntu 13.10 verfügbar, aber es gibt ein separates Repository mit so genannten Nightly Builds, aus dem Sie Trinity installieren können. Falls im Laufe der nächsten Monate eine reguläre TDE-Version für Ubuntu 13.10 erscheint, werden Sie die passende Anleitung im Trinity-Wiki finden [3]. Nutzen Sie eine ältere Ubuntu-Version, können Sie der Anleitung auf der Webseite folgen, um die stabilen Pakete einzuspielen.

Sie können die Nightly Builds mit folgender Anleitung installieren, allerdings ist danach keine Anmeldung unter KDE 4 mehr möglich; mit den aktuell verfügbaren Paketen vertragen sich KDE 4 und Trinity unter Ubuntu 13.10 nicht. (Die Nutzung von KDE-4-Anwendungen ist weiterhin möglich, Sie können nur den KDE-4-Desktop nicht mehr starten.) Gehen Sie wie folgt vor:

  1. Öffnen Sie (unter KDE 4) mit kdesudo kate /etc/apt/sources.list die Konfigurationsdatei sources.list, die alle Paketquellen verwaltet.
  2. Tragen Sie hier am Ende die folgenden Zeilen ein:

    deb http://ppa.quickbuild.pearsoncomputing.net/trinity/trinity-nightly-builds/ubuntu saucy main
    deb http://ppa.quickbuild.pearsoncomputing.net/trinity/trinity-nightly-build-dependencies/ubuntu saucy main
  3. Dann aktualisieren Sie die Paketlisten und installieren Trinity mit den folgenden Kommandos, die Sie in ein mit [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole geöffnetes Terminalfenster eingeben:

    sudo apt-get update
    sudo dpkg -r plasma-desktop
    sudo apt-get install kubuntu-default-settings-trinity kubuntu-desktop-trinity tde-i18n-de-trinity
  4. Wenn der Dialog Konfiguriere tdm-trinity (Abbildung 4) erscheint, wählen Sie mit den Cursortasten den zweiten Eintrag tdm-trinity aus und bestätigen ihn mit [Eingabe].

    Abbildung 4: Bei der TDE-Installation unter Ubuntu können Sie auch den zugehörigen grafischen Anmeldemanager aktivieren.
  5. Starten Sie dann den Rechner neu. Es sollte nun der Trinity-Anmeldemanager erscheinen. Stellen Sie hier über Menu / Session Type / TDE Trinity als Sitzung ein und melden Sie sich an. (Wenn Sie diese Änderung nicht vornehmen, versucht Ubuntu, das alte KDE 4 zu starten, was aber misslingt.)

Live-DVD

Wenn Sie nicht direkt den beschriebenen (und ein wenig riskanten) Installationsaufwand betreiben möchten, können Sie auch zunächst eine Live-DVD herunterladen und damit den Desktop ausprobieren. Die verfügbaren Trinity-DVDs basieren auf verschiedenen Linux-Distributionen, interessant ist z. B. die Variante mit Ubuntu 13.04 [4], die wir auch auf die Heft-DVD gepackt haben – von unserer DVD können Sie booten oder diese auch in einer virtuellen Maschine verwenden (Abbildung 5). Auf Platte installieren sollten Sie das System nicht, weil die Ubuntu-Version 13.04 schon veraltet ist.

Deutsche Sprachpakete fehlen auf der Live-DVD, weswegen Sie bei den Tests mit einer englischsprachigen Oberfläche arbeiten müssen. Generell ist TDE aber auch deutschsprachig verfügbar, unsere Installationsanleitungen für OpenSuse und Ubuntu bringen auch die Sprachpakete auf den Rechner.

Abbildung 5: Mit der Live-DVD können Sie den Trinity-Desktop vor der Installation ausprobieren, z. B. in einer VM.

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