Software

Neue Software (Teil 2/2)

Im Quartalsrhythmus erscheinen viele Programme in neuer Version. Eine Auswahl stellen wir regelmäßig vor. Auf der Heft-DVD finden Sie die passenden Pakete und Installationshinweise (Teil 2/2).

Ardour: Audio-Workstation für Profis

Da steckt viel Musik drin – diese Redensart trifft auf das leistungsfähige Musikprogramm Ardour allemal zu. Allerdings, so muss man ergänzen, auch viel Mühe und Schweiß: Das Profiprogramm stößt Einsteiger unnötig häufig vor den Kopf.

"Digitale Audio-Workstation" nennt der Programmautor Paul Davis seine Software Ardour [1]. Das klingt vage, doch der weit ausgreifende Name ist gerechtfertigt, weil Ardour einfach alles abdeckt, was Sie mit digitalen Klängen auf dem Computer anstellen können.

Ardour montiert Samples wie Drum Patterns oder eine Gesangsaufnahme zu einem Musikstück. Dabei jagt es die Klänge durch Effekt-Plug-ins, deren Einstellungen sich im Verlauf des Stücks ändern können. So ersetzt es die zehntausende Euro teuren vielspurigen Mischpulte der Tonstudios.

Effektkanone

Ohne externe Effekt-Plug-ins bleibt Ardour ein eher zahnloser Tiger: Eine der Hauptaufgaben des Programms ist es ja, diese Effekte bestimmten Liedausschnitten zuzuordnen und Parameter, etwa die Nachhalldauer und -stärke, an definierten Zeitpunkten zu variieren. Erst wenn ihm viele unterschiedliche Effekte wie Hall, Flanger, Phaser, Vibrato oder eine Leslie-Simulation zur Verfügung stehen, wird das Programm zur Kreativmaschine mit fast endlosem Potenzial, das die Bezeichnung "Audio-Workstation für Linux" durchaus verdient: Es gibt kein zweites freies Programm mit nur annähernd vergleichbarem Leistungsspektrum.

Zum Glück liefert eine Suche nach ladspa und lv2 (den beiden gängigen Linux-Audio-Plug-in-Standards) sowohl im OpenSuse- als auch im Ubuntu-Paketmanager Treffer. Plug-ins aus dem Internet [2] kopieren Sie in das Verzeichnis /usr/lib/ladspa oder /usr/lib/lv2.

Laden Sie zum Kennenlernen des Programms über den Menüpunkt Session / Import Media eine oder mehrere Klangdateien im WAV-, MP3-, Ogg-Vorbis- oder FLAC-Format. Diese erscheinen dann als Tracks im Hauptfenster des Programms (Abbildung 1, links). Im Mixerfenster erscheint damit ein neuer Kanal (Abbildung 1, rechts).

Abbildung 1: Ardour bietet vollwertigen Ersatz für teure Mehrspur-Aufnahmegeräte: Im Hauptfenster (1) montieren Sie Audiosamples zu einem Lied. Im Mixerfenster (2) regeln Sie die Pegel und fügen Effekte hinzu.

Zum Hinzufügen eines Effekts wie Hall (Reverb) klicken Sie mit der rechten Maustaste in den in Abbildung 1 rot markierten Fensterbereich und wählen New Plugin. Eine Menüebene tiefer erscheinen alle auf dem System installierten Plug-ins geordnet nach Autor und Funktion.

Nach einem Rechtsklick auf einen bereits eingefügten Effekt passen Sie seine Parameter mit den Menüpunkten Edit oder Edit with generic controls an. Die erste Option öffnet das zum Plug-in gehörende GUI, das optisch in der Regel ein Hardware-Effektgerät nachahmt.

Die generic controls, in denen Sie alle Parameter mit Hilfe schlichter Schieberegler einstellen, sehen zwar nicht so schick aus, doch sie lassen sich bequemer mit der Maus bedienen. Auch ist es nur in dieser Ansicht möglich, Veränderungen der Einstellungen bestimmten Takten im Stück zuzuordnen. Wählen Sie dazu im Drop-down-Menü rechts neben den Schiebereglern den Wert touch aus.

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