Zerrbilder

"Da setzen wir doch noch eins drauf", dachten sich die Programmentwickler deshalb und statteten ihre Software mit einer Reihe von Verzerrungs- und Verfremdungsfiltern aus (Abbildung 5).

Abbildung 5: Da die Weitwinkeloptik gängiger Webcams das Gesicht ohnehin verzerrt, kommt es auf ein paar Karikatureffekte mehr oder weniger auch nicht mehr an.

Seit es Cheese gibt (Anfang 2008), gelingen derlei Verunstaltungen auch unter Linux mit wenigen Mausklicks. Unter den Effekten finden sich etliche Verzerrungsfilter, die Gesichter live in Karikaturen verwandeln. Es gibt auch Farbfilter, die ein Schwarzweißbild, die Sepiatönung alter Fotos oder verfremdete Effekte, die wie ein Infrarotbild wirken, erzeugen. Für die meisten Effekte benötigt Cheese das Paket frei0r-plugins.

Abgesehen von der Videotelefonie [4], für die mobile Computer die Webcam in erster Linie vorhalten, sind noch weitere seriöse Anwendungen denkbar: Politiker wenden sich z. B. über Video-Blogs ("Vlogs") an das Volk. Selbstgedrehte Video-Tutorials, mit denen Anwender anderen ihre eigenen Fertigkeiten nahebringen, etablierten sich dank der omnipräsenten Webcams zu einer festen Gattung.

Bessere Optik

Glücklicherweise bleibt Cheese nicht auf die optisch eher mangelhaften Netbook-Kameras beschränkt: Die meisten Webcams und auch etliche professionelle Videokameras erkennt Linux inzwischen sofort nach dem Einstecken am USB-Anschluss. In den Cheese-Einstellungen gibt es einen Dialog zur Auswahl der für die Aufnahme genutzten Kamera. Dort stellen Sie auch Helligkeit, Kontrast, Farbtönung und Farbsättigung des Bildes ein. Das ist hilfreich, um z. B. den Farbstich einer künstlichen Beleuchtung auszugleichen. Einer Unterbelichtung steuern Sie damit freilich nur bis zu einem gewissen Grad entgegen, denn die lichtschwachen Minikameras erfassen bei zu geringer Helligkeit kaum noch Schattierungen. Ein Aufhellen per Software verwandelt dann ein einheitlich dunkelgraues Bild bloß in ein durchgehend hellgraues.

Außerdem erlauben es die Einstellungen, die Auflösung der Aufnahmen zu senken. Bei eingebauten Webcams ist sie zwar ohnehin nicht sehr hoch. Hilfreich ist die Funktion aber z. B., um Videobotschaften mit einer möglichst geringen Dateigröße per Mail zu versenden.

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