Amarok – Umfangreiches KDE-Musikprogramm

Die KDE-Desktop-Umgebung bringt mit Amarok ein Musikabspielprogramm mit, das sich an Featurefülle schwer überbieten lässt. Das ist nicht jedermanns Sache, kann aber Spaß machen, wenn Sie etwas Zeit zum Erkunden des Programms investieren.

Musik hören am Computer war einmal simpel: Man startete Xmms [1], öffnete ein paar MP3-Dateien und lehnte sich zurück. Inzwischen haben sich viele Musikprogramme zu komplexen und mitunter recht unübersichtlichen Musikverwaltungs- und Infotainment-Programmen entwickelt.

Amarok (Abbildung 1) [2] gilt als eines der Aushängeschilder dieser umfangreichen Anwendungen, bei denen das reine Abspielen fast schon zur Nebensache gerät: Die Software durchforstet das Internet nach Informationen zum Künstler, dem Liedtext des gerade gespielten Stücks und nach verwandten Musikstücken.

Abbildung 1: Von Konzentration auf das Wesentliche kann man bei dem umfangreichen Musikprogramm Amarok nicht sprechen. Doch es bietet eine ansprechende Optik und bleibt im Kern handlich.

Sie durchsucht die Festplatte nach Musikdateien und sortiert sie nach den eingebetteten Tags, die Sie optional direkt in Amarok bearbeiten. Darüber hinaus bindet die Software etliche Internet-Musikdienste ein. Dazu zählen Jamendo, Magnatune, Mp3tunes.com und natürlich den MP3-Store von Amazon. Dazu kommen noch zwei Podcast-Verzeichnisse (Abbildung 2).

Abbildung 2: Amaroks Zuständigkeitsbereich endet keineswegs mit der eigenen Festplatte: Das Programm bindet zahlreiche Internetdienste ein und kooperiert auch mit allen gängigen mobilen Medienspielern.

Anschluss garantiert

Amarok arbeitet auch mit mobilen Musikspielern zusammen. Das schließt auch neuere Android-Smartphones und -Tablets ein, die sich allerdings nicht mehr als einfache USB-Speichermedien beim Rechner melden, ebenso Geräte mit dem "i" im Namen.

Die Applikation spielt die Lieder auf Wunsch in der vom Benutzer vorgegebenen Reihenfolge ab, doch eigentlich ist das Programm damit unterfordert: Schließlich bringt es ausgefeilte Algorithmen mit, die einen menschlichen DJ entbehrlich machen.

Unter anderem merkt sich Amarok, wie oft der Anwender bei einem Lied weiterspult, und schließt daraus, wie gut es ihm gefällt. Auch den Zeitpunkt der Wiedergaben merkt sich die Software und bezieht diese Werte in das automatische Zusammenstellen der Wiedergabeliste mit ein.

Außerdem können Sie jedem Stück Ihrer Sammlung zwischen einem und fünf Sternen geben. Diese Wertung steht dann ebenfalls als Kriterium für die automatische Auswahl der Songs oder der Wiedergabereihenfolge zur Verfügung. Ein Mausklick genügt, um die aktuelle Wiedergabeliste für die spätere Verwendung zu speichern, egal, ob sie auf der Basis einer manuellen oder automatischen Auswahl entstanden ist.

Den ohnehin schon großen Funktionsumfang erweitern Sie bei Bedraf noch mit zusätzlichen Skripten, die in einem Internet-Repository zur Installation bereit stehen (Abbildung 3). Das Spektrum reicht von Sammlungen länderspezifischer Internetstationen bis hin zu Radiowecker- oder Gute-Nacht-Funktionen, welche die Wiedergabe zu einer bestimmten Zeit oder nach Ende der Playlist stoppt und auch gleich den Rechner in den Ruhezustand versetzt.

Abbildung 3: Ein unabhängig von der Amarok-Version aktuell gehaltenes Skript-Repository rüstet zum Beispiel eine Auswahl deutscher Radiostationen nach.

Nichts für Puristen

Angesichts dieser Feature-Fülle stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, einem Musikwiedergabeprogramm die Zeit zu opfern, um alle Funktionen kennenzulernen und zu verstehen. Andererseits ist es den Amarok-Entwicklern gelungen, das Programm in seinen Kernfunktionen übersichtlich zu halten. Das beginnt bei der Dreispaltenansicht: Links listet Amarok die Musikstücke, in der Standardeinstellung nach Alben gruppiert. Diese Gruppierung nach beliebigen Tags der Musikdateien lässt sich aber bis zu drei Ebenen tief konfigurieren.

Wenn Sie ein einzelnes Musikstück oder ein Album auf die mittlere Spalte, ziehen, so erscheinen dort die drei Drag & Drop-Ziele Zur Wiedergabeliste hinzufügen, Wiedergabeliste ersetzen und Metadaten bearbeiten. Sie brauchen Ihre Auswahl lediglich auf eines dieser Elemente fallen lassen, um die dort genannten Funktionen auszuführen.

Die Redaktion meint

Amarok bringt einfach alle Funktionen mit, die den Programmierern einer eigentlich schon vor 20 Jahren ausgereiften Softwaregattung eingefallen sind. Natürlich bläht das ein Programm tüchtig auf, das letztlich auch nur Musik abspielt.

Nutzlos sind die vielen eingebauten Spielereien aber nicht: Als echter Komfortgewinn zeigt sich z. B. die Funktion, Liedtexte ohne Internetrecherche nachzulesen. Die Hintergrundinformationen zum aktuellen Album oder dem Interpreten erweisen sich ebenfalls als hilfreich.

Bewertung

5 von 5 Sternen

Cheese – handliche Webcam-Software

Ohne die heute allgegenwärtigen, in den meisten mobilen Computern fest eingebauten Webcams hätte YouTube nie so viel Zuspruch gefunden. Mit Cheese lässt sich die Kamera unter Linux einfach nutzen.

Das Wort "Cheese" sorgt bekanntlich für das bei Schnappschüssen unverzichtbare breite Grinsen. Deswegen liegt der Schluß nahe, dass es sich bei einem Programm namens Cheese [3] bloß um ein Programm für das Ablichten von Gesichtern handeln kann. Tatsächlich ist es die Standardanwendung für die Webcam-Aufnahmen unter Ubuntu. Sie steht aber auch für alle gängigen Distributionen zur Verfügung und funktioniert auch unter KDE.

Cheese schießt mit Hilfe der bei vielen mobilen Computern oberhalb des Bildschirms eingebauten Minikamera Einzelfotos und nimmt Videosequenzen auf. Dabei müssen Sie allerdings mit der aufgrund ihrer Winzigkeit stark weitwinkeligen Optik der eingebauten Webcams vorlieb nehmen, die der Eigenwahrnehmung nicht besonders schmeichelt (Abbildung 4).

Abbildung 4: Der Name "Cheese" ist Programm: Wer die Webcam-Software benutzt, sollte immer lächeln, auch wenn die simple Netbook-Kamera wahre Schönheit zuweilen nicht optimal in Szene setzt.

Zerrbilder

"Da setzen wir doch noch eins drauf", dachten sich die Programmentwickler deshalb und statteten ihre Software mit einer Reihe von Verzerrungs- und Verfremdungsfiltern aus (Abbildung 5).

Abbildung 5: Da die Weitwinkeloptik gängiger Webcams das Gesicht ohnehin verzerrt, kommt es auf ein paar Karikatureffekte mehr oder weniger auch nicht mehr an.

Seit es Cheese gibt (Anfang 2008), gelingen derlei Verunstaltungen auch unter Linux mit wenigen Mausklicks. Unter den Effekten finden sich etliche Verzerrungsfilter, die Gesichter live in Karikaturen verwandeln. Es gibt auch Farbfilter, die ein Schwarzweißbild, die Sepiatönung alter Fotos oder verfremdete Effekte, die wie ein Infrarotbild wirken, erzeugen. Für die meisten Effekte benötigt Cheese das Paket frei0r-plugins.

Abgesehen von der Videotelefonie [4], für die mobile Computer die Webcam in erster Linie vorhalten, sind noch weitere seriöse Anwendungen denkbar: Politiker wenden sich z. B. über Video-Blogs ("Vlogs") an das Volk. Selbstgedrehte Video-Tutorials, mit denen Anwender anderen ihre eigenen Fertigkeiten nahebringen, etablierten sich dank der omnipräsenten Webcams zu einer festen Gattung.

Bessere Optik

Glücklicherweise bleibt Cheese nicht auf die optisch eher mangelhaften Netbook-Kameras beschränkt: Die meisten Webcams und auch etliche professionelle Videokameras erkennt Linux inzwischen sofort nach dem Einstecken am USB-Anschluss. In den Cheese-Einstellungen gibt es einen Dialog zur Auswahl der für die Aufnahme genutzten Kamera. Dort stellen Sie auch Helligkeit, Kontrast, Farbtönung und Farbsättigung des Bildes ein. Das ist hilfreich, um z. B. den Farbstich einer künstlichen Beleuchtung auszugleichen. Einer Unterbelichtung steuern Sie damit freilich nur bis zu einem gewissen Grad entgegen, denn die lichtschwachen Minikameras erfassen bei zu geringer Helligkeit kaum noch Schattierungen. Ein Aufhellen per Software verwandelt dann ein einheitlich dunkelgraues Bild bloß in ein durchgehend hellgraues.

Außerdem erlauben es die Einstellungen, die Auflösung der Aufnahmen zu senken. Bei eingebauten Webcams ist sie zwar ohnehin nicht sehr hoch. Hilfreich ist die Funktion aber z. B., um Videobotschaften mit einer möglichst geringen Dateigröße per Mail zu versenden.

Catch me, if you can!

Das Programm bringt auch einen Selbstauslöser mit. Die Vorschau auf dem Bildschirm zeigt dabei die Zahl der Sekunden bis zur Aufnahme an. Auch zeitgesteuerte Serienaufnahmen beherrscht Cheese.

Die bisher gefertigten Aufnahmen zeigt die Software in einer Thumbnail-Leiste am unteren Fensterrand. Von dort exportieren Sie diese nach einem Rechtsklick mit Speichern unter in ein anderes Verzeichnis, löschen sie, versenden sie per Mail oder öffnen sie direkt im mit dem Dateityp verknüpften Programm.

Bilder speichert das Programm im JPEG-Format, Videos als VP8-komprimierte Webm-Dateien. Dieses Videoformat spielen viele Webbrowser auch ohne zusätzliches Plug-in ab. Alle Videoportale im Internet sollten darüber hinaus mit diesem sich schnell verbreitenden, weil soweit möglich patentfreien Format beim Upload klarkommen.

Unter OpenSuse 12.2 gelingt die Installation der aktuelle Cheese-Version allerdings nicht ohne Weiteres. Immerhin bringt die Distribution von Haus aus eine ältere Ausgabe mit.

Die Redaktion meint

Wenn Linux die Videokamera unterstützt, dann funktioniert sie auch in Cheese – so ist zumindest die Erfahrung der Redaktion. Außerdem bringt das Gnome-Programm alle wünschenswerten Features mit und bleibt trotzdem übersichtlich.

Bewertung

4 von 5 Sternen

HotShots – Screenshot-Annotationssoftware

HotShots fügt Screenshots mit wenigen Mausklicks Hervorhebungen, Nummernsymbole oder erläuternden Text hinzu. Damit dokumentieren Sie z. B. anschaulich die Bedienung von Software.

Beim Lesen einer Computerzeitschrift haben Sie sicherlich schon festgestellt: Screenshots veranschaulichen die Bedienung von Computerprogrammen am besten. Wenn Sie sich notieren möchten, welcher Button welche Funktion auslöst, leisten selbst erstellte Screenshots daher gute Dienste. Darum gibt es auf dem Keyboard eine eigens dafür reservierte Taste [Druck], die auch unter Linux den Bildschirminhalt in die Zwischenablage kopiert.

Schnappschüsse

Eine Hervorhebung des zu beschreibenden Buttons oder Menüpunkts macht den Screenshot aber deutlich aussagekräftiger. Doch Grafikprogramme wie Inkscape erweisen sich für das Hinzufügen einfacher Rahmen oder Erläuterungen als viel zu unhandlich. Leichter und schneller geht das mit dem Screenshot-Annotationsprogramm HotShots (Abbildung 6) [5].

Abbildung 6: Der einfach zu bedienende HotShots-Editor hebt Bereiche in Screenshots hervor. Besonders praktisch sind die optisch ansprechenden Nummernsymbole.

Zunächst gestaltet das Programm das Abfotografieren des Bildschirminhalts komfortabler als die Drucktaste: Sie dürfen wählen, ob Sie den ganzen Bildschirm, ein bestimmtes Programmfenster, einen rechteckigen oder einen frei geformten Bereich ablichten möchten. In den Einstellungen legen Sie danaben fest, ob der Schnappschuss eines Fensters dessen Titelleiste einschließt. So müssen Sie den Screenshot nicht mehr nachträglich beschneiden.

Die Verzögerungsfunktion (Snapshot Delay) hilft, wenn Sie geöffnete Menüs abfotografieren möchten, denn diese klappen zu, wenn Sie auf den Take a new snapshot-Button in der Screenshot-Software klicken. Stellen Sie dazu also eine Verzögerung von einigen Sekunden ein, lösen Sie den Schnappschuss aus und öffnen Sie dann das Menü mit der Maus.

Hervorheben und Verbergen

Ein Klick auf das Bleistift-Icon öffnet den Screenshot im Editor. Bei diesem handelt es sich um ein kleines Zeichenprogramm mit erstaunlich vielen Features: Es zeichnet Geraden, Kurven, Pfeile, Rechtecke und Ellipsen, und es fügt Text für Beschreibungen ein. Auch Bilder aus anderen Programmen lassen sich einbauen.

Dazu kommen speziell auf das Annotieren von Screenshots zugeschnittene Funktionen: Die Lupe vergrößert z. B. Bildausschnitte. Diesen Effekt erreichen Sie in einem gewöhnlichen Bildbearbeitungsprogramm nur mit wesentlich mehr Aufwand. Die Nummerieren-Funktion fügt mit einem Mausklick optisch ansprechende durchnummerierte Aufzählungszeichen ein, etwa um in einem beschreibenden Text auf bestimmte Elemente der Programmoberfläche zu verweisen.

Manchmal enthalten Screenshots persönliche Daten wie Namen, E-Mail-Adressen oder gar Passwörter, die Sie besser unleserlich machen. Mit dem Unschärfen- oder Verstreuen-Werkzeug in Gimp erreichen Sie zwar, dass der Text noch in Umrissen erkennbar bleibt, aber nicht mehr zu entziffern ist – meist aber erst nach mehrfachem Ausprobieren der richtigen Effektstärke. In HotShots dagegen ist das Verwischen auf die richtige Stärke voreingestellt.

Edle Optik

Edel wirkt beim Einbinden der Abbildungen in Webseiten der Schlagschatten, den das Tool auf Wunsch um die Screenshots herum zeichnet. Alternativ softet das Programm die Kanten mit einer progressiv abnehmenden Transparenz ab (Progressive opacity). Wie die Schlagschatten sorgt dies dafür, dass die Screenshots organisch mit dem Hintergrund verschmelzen. Der "Abgerissenes-Papier-Effekt" (Torn edge) symbolisiert, dass es sich bei der Abbildung um einen Teilbereich eines größeren Ganzen handelt.

HotShots speichert sowohl annotierte als auch unbearbeitete Abbildungen in allen gängigen Bitmap-Dateiformaten. Das Bild lässt sich aber auch zur Weiterverarbeitung mit anderen Programmen in die Zwischenablage kopieren oder per FTP direkt auf einen Webserver hochladen. Sogar ein Upload zu den Internetbilddiensten FreeImageHosting.net, Imgur.com, Imageshack.us und CanardPC funktioniert per Mausklick.

Wenn Sie die bearbeitete Abbildung als Bitmap speichern, lassen sich die hinzugefügten Annotationen nicht mehr weiter bearbeiten. Daher bringt HotShots ein eigenes Dateiformat mit, das die hinzugefügten Elemente in bearbeitbarem Zustand erhält.

Die Redaktion meint

HotShots erstellt und annotiert Screenshots bequemer und schneller als ein gewöhnliches Zeichenprogramm. Da die Software nicht nur Screenshots weiterverabeitet, sondern auch externe Bilddateien öffnet, lassen sich seine Markierungs- und Beschriftungsfunktionen für Abbildungen aller Art nutzen.

Bewertung

5 von 5 Sternen

jTimer – handliche Zeitmessungs-Software

So wie für den guten alten Taschenrechner gibt es auch für die Stoppuhr längst ein Computerprogramm als Pendant. Wie die meisten dieser Tools gliedert jTimer die zu stoppenden Tasks in Unteraufgaben, so dass man zeitfressenden "Kleinigkeiten" besser auf die Spur kommt.

Je mehr man sich auf etwas konzentriert, desto weniger wird einem bewusst, wie die Zeit vergeht. Time-Tracker-Programme wie jTimer [6] helfen Ihnen dabei, den Überblick darüber zu bewahren, wie lange Sie sich mit einer bestimmten Aufgabe beschäftigen.

Die Kernfunktion solcher Programme ist eine schlichte Stoppuhr. Ein paar Knöpfe und Funktionen mehr als die mechanischen Chronographen in der Hand des Sportlehrers bringen die gängigen Zeitmessungsprogramme [7] allerdings mit: Sie messen nicht bloß eine einzige Zeitspanne. Vielmehr gruppieren sie Aufgaben hierarchisch in einer Baumstruktur (Abbildung 7). Jede Aufgabe enthält einen unabhängigen Zeitzähler. Übergeordnete Tasks erben dabei stets die für Unteraufgaben gemessenen Zeiten.

Abbildung 7: In jTimer untergliedern Sie Aufgaben, deren Zeit Sie messen möchten, in Unteraufgaben und sehen so haarklein, welcher Teilbereich sie am meisten aufgehalten hat.

So splitten Redakteure z. B. die Zeit für das Schreiben eines Artikels in Internetrecherche, Ausprobieren der Software, Schreiben und Korrekturlesen und behalten so im Auge, wie viel Zeit jeder Teilbereich verbraucht, müssen aber dennoch für die Gesamtsumme nicht zum Taschenrechner greifen.

Wohlgeordnet

Die Software ordnet Aufgaben und die zugehörigen Timer stets einem Projekt zu. Den Projekten selbst ist keine Stoppuhr zugeordnet, doch sie erben die mitgeschnittenen Zeiten aller Teilaufgaben. Die Aufgaben selbst gliedern Sie bei Bedarf ebenfalls wieder in beliebig tiefe Unteraufgabenhierarchien, wobei jTimer die Zeiten untergeordneter Tasks zu denen ihrer Eltern hinzuzählt.

Sie starten den Zeitzähler für eine Aufgabe, indem Sie diese markieren und auf den Button mit dem grünen Pfeil in der Button-Leiste klicken. Einen laufenden Timer markiert das Programm mit einem animierten Symbol. Das Schließen des Programmfenster minimiert das Tool zum Taskleisten-Icon, beendet es aber nicht. Die Farbe des Taskleisten-Symbols wechselt von Orange nach Grün, solange mindestens ein Zeitmesser aktiv ist.

Allerdings laufen die Stoppuhren in jTimer nicht einfach weiter, wenn Sie den Computer verlassen: Nach fünf Minuten Maus- und Tastaturinaktivität hält die Software sie an und blendet ein Dialogfeld ein, über das Sie entscheiden, ob jTimer die Computerleerlaufzeit als Pausen- oder als Arbeitszeit werten soll (Abbildung 8). Die Leerlaufüberwachung lässt sich leider nicht abschalten, so dass sich das Programm nur eingeschränkt als Zeitmesser für nicht am Rechner stattfindende Aktivitäten eignet.

Abbildung 8: Bei Inaktivität fragt Sie jTimer, ob die Pausenzeiten auf die Projektzeit angerechnet werden sollen.

Auch stört die fest eingestellte Aktivitätenschwelle von fünf Minuten. Einmal gezählte Zeiten passen Sie in Ein-, Fünf- und 30-Minuten-Schritten über das Menü Task an. Das könnte man benutzerfreundlicher umsetzen.

Rechnungsabschluss

Abgeschlossene Aufgaben blenden Sie mit Open/Close Task aus. Sie erscheinen dann nur noch, wenn die Option Options / Show Closed aktiv ist. Die aufgelaufenen Zeiten zählen aber weiterhin für die Projektsumme.

jTimer kombiniert Stoppuhr und Wecker: Wenn für einen Task eine bestimmte Zeit zusammengekommen ist, blendet das Programm auf Wunsch ein Dialogfeld ein. Dabei wertet es entweder die Summe für den heutigen Tag oder die Gesamtsumme aus. So wirkt es der Gefahr entgegen, dass Sie sich mit weniger wichtigen Aufgaben verzetteln.

Ein Report-Generator, der die täglichen, wöchentlichen, monatlichen oder jährlichen Zeiten addiert, rundet den Funktionsumfang vor allem für die Anwender ab, die jTimer als Grundlage für Abrechnungen nutzen. Allerdings exportiert das Programm die Zeiten nicht wie Ktimetracker [7] als kommaseparierte Daten, die sich mit einer Tabellenkalkulation weiterverarbeiten lassen.

Die Redaktion meint

Damit Zeitmesser zuverlässig im Hintergrund arbeiten, ohne den Anwender abzulenken, müssen sie zumindest übersichtlich bleiben. Diese Anforderung erfüllt das dank Java unter Linux, Windows und OS X funktionierende Programm jTimer. Störend fällt aber der auf fünf Minuten festgesetzte Grenzwert für die Aktivitätsüberwachung auf, der nicht zu jedem Arbeitsrhythmus und jeder Abrechnungsgenauigkeit passt.

Praktisch ist dagegen, dass jTimer die Zeit nicht nur misst, sondern auch beim Überschreiten eines Grenzwerts warnt. Positiv überrascht, dass die Software Zeiten, in denen sich der Rechner im Ruhezustand befunden hat, erkennt und den Benutzer wie bei normalen Inaktivitätszeiten des Rechners entscheiden lässt, ob sie als Arbeitszeit zählen sollen.

Bewertung

3 von 5 Sternen

Xombrero – tastaturgesteuerter Browser

Der minimalistische Webbrowser Xombrero beschleunigt das Surfen im Internet sowohl durch seinen geringen Ressourcenverbrauch als auch durch eine konsequent durchgehaltene Tastatursteuerung.

Es gibt schnellere Browser als den mit einer Unzahl an Features ausgestatteten Firefox. Das minimalistische Programm Xombrero (Abbildung 9) [8] ist ein solcher: Im Test verbrauchte er nie mehr als 100 MByte Arbeitsspeicher. Das zwingt auch mit wenig RAM ausgestattete mobile Geräte noch lange nicht in den Schneckengang.

Abbildung 9: Der minimalistische Browser Xombrero bringt die vom inzwischen nicht mehr konkurrenzfähigen Konqueror bekannte Auswahl der Links über Zahlencodes zurück. Da er für die Anzeige die aktuelle und schnelle Webkit-Engine verwendet, bewältigt er auch Seiten wie YouTube.

Für die Anzeige der HTML-Seiten nutzt Xombrero die Anzeige-Engine Webkit – schon das macht den Browser schneller als Firefox. Gleichzeitig ist Webkit auf der Höhe der Zeit und stellt auch Seiten korrekt dar, die innovative Techniken einsetzen.

Drücken statt klicken

Das ist aber gar nicht der Hauptgrund, aus dem man sich mit Xombrero besonders schnell im Internet bewegen kann: Die Benutzeroberfläche des Browsers enthält nicht deshalb so wenige Buttons, weil das Programm nur wenige Funktionen bereitstellt, sondern weil Xombrero für die ausschließliche Bedienung mit der Tastatur ausgelegt ist.

Wer viel mit dem Computer arbeitet, weiß: Tastatur-Shortcuts ersparen den Wechsel zwischen Tastatur und Maus. Ein Tastendruck kostet weniger Zeit als das Verschieben des Mauszeigers zum gewünschten Button oder Menüpunkt. Dies gilt besonders für die immer ein wenig unhandlichen Touchpads der Notebooks.

Pro Aktion ist die eingesparte Zeit natürlich vernachlässigbar, doch wenn man beim Surfen im Internet laufend neue Links anklickt, fällt die Summe durchaus ins Gewicht. Hinzu kommt, dass es sich entspannter arbeitet, wenn die Finger auf der Tastatur verbleiben. Als offensichtlicher Nachteil bleibt, dass man sich die Tastatur-Shortcuts merken muss, was bei häufig ausgeübten Tätigkeiten wie dem Surfen allerdings nicht allzu schwer fallen dürfte.

Surfen nach Zahlen

Nach dem Drücken von [F] oder [.] versieht Xombrero alle anklickbaren Elemente mit einem gelben Nummernetikett (Abbildung 10). Wenn Sie nun eine Zahl tippen, navigiert der Browser zum Link oder aktiviert das Eingabefeld, in das Sie dann sofort Text eingeben dürfen. Wenn Sie statt [F] [Umschalt]+[F] drücken, öffnen sich die Links in einem neuen Tab.

Abbildung 10: Vor allem auf Notebooks spart die anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftige Auswahl der Links per Zifferncode im Vergleich zum Klicken mit der Maus Zeit.

Erfunden haben dieses praktische Feature allerdings nicht die Xombrero-Entwickler: Der inzwischen arg aufs Abstellgleis geratene KDE-Browser Konqueror [9] bringt es schon seit Jahren mit. Leider ist das Programm kaum noch praxistauglich, so dass eine Alternative willkommen ist, die dieses schnelle zahlenbasierte Prinzip ebenfalls umsetzt.

Mit der Maus anklickbar bleiben die Links trotzdem, doch wie die Benutzung der immerhin vorhandenen Vor- und Zurück-Buttons bürstet dies in Xombrero eigentlich gegen den Strich: Vor und zurück navigieren Sie wie in Firefox am schnellsten mit [Alt]+[Pfeil rechts] und [Alt]+[Pfeil links].

Die Tasten [Bild auf] und [Bild ab] sowie die Leertaste scrollen die Seite. Der Schrägstrich ([Umschalt]+[7]) startet die Suche nach einem Schlagwort auf der Seite. [F6] aktiviert die Adressleiste, [F7] die Suchleiste. Enthält die Zwischenablage eine URL, können Sie diese mit [P] öffnen. [Pos1] und [Ende] navigieren wie gewohnt zum Anfang und Ende der Seite. [Z],[Z] dagegen bringt Sie zur Mitte der Seite – eine interessante Idee, die keiner der gängigen Browser umsetzt.

Von Nerds für Nerds

Die Menüs, die man in Xombrero vergeblich sucht, vertritt der so genannte Kommandomodus, in den Sie mit der Eingabe eines Doppelpunkts gelangen. Diese Wahl des Shortcuts kommt erfahrenen Linux-Anwendern gelegen, die den konsolenbasierten Text-Editor Vi [10] kennen.

Nach dem Drücken von [Umschalt]+[.] (:) öffnet der Browser am unteren Fensterrand ein Texteingabefeld für den Befehl. Wichtige Befehle sind dl (Downloadmanager), fav (Bookmarks), favadd (Bookmark hinzufügen). Die Bookmarks legt das Programm allerdings in einer langen Liste ohne Ordner ab, was die Zahl der damit handhabbaren Links beschränkt.

Die Hilfeseite öffnet [F1]. Leider richtet sie sich an mit dem schon erwähnten Vi vertrauten Anwendern: Um sie zu verstehen, muss man wissen, dass C-t [Strg]+[T] und M-f [Alt]+[F] bedeuten. In Vi-Terminologie heißt das Kopieren in die Zwischenablage "Yanking". Der Begriff stammt aus einer Zeit, in der es Windows, das die heute auf allen Betriebssystemen übliche Zwischenablage geprägt hat, noch gar nicht gab.

Die Redaktion meint

Xombrero bietet dank der im Hintergrund arbeitenden Webkit-Engine eine schnelle, tadellose Seitendarstellung bei geringem Ressourcenverbrauch. Die Auswahl der Links per Zifferncode ist auf Geräten ohne vollwertige Maus praktisch. Die Tastatursteuerung spart wegen der weggefallenen Buttons und Menüs auch Bildschirmfläche auf kleinen Displays. Die fehlende Gruppierung der Bookmarks nach Ordnern schränkt die Alltagstauglichkeit von Xombrero allerdings ein.

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