Neue Software (Teil 2/2)

Software

09.10.2013
Im Quartalsrhythmus erscheinen viele Programme in neuer Version. Eine Auswahl stellen wir regelmäßig vor. Auf der Heft-DVD finden Sie die passenden Pakete und Installationshinweise (Teil 2/2).

Avidemux – einfach zu bedienender Videoeditor

Avidemux ist ein Videoeditor der alten Schule: Auf einer einzigen Videospur wählen Sie Bereiche aus, löschen sie oder wenden einen Effekt auf sie an. Beim Konvertieren oder wenn nur wenige Schnitte nötig sind, gibt sich das Programm handlicher als die neueren Mehrspureditoren.

Viele Videoschnittprogramme wie Kdenlive [1] oder Openshot [2] orientieren sich in ihrer Benutzeroberfläche am Hardware-Filmschnitt-Tisch: Der Anwender schneidet Szenen aus Videodateien aus und montiert die so entstandenen Schnippsel auf einer virtuellen Filmspur in der gewünschten Reihenfolge zusammen. Dieses zweistufige Schneiden-und-Montieren-Prinzip gestattet maximale Flexibilität.

Eindimensional

Wenn Sie ein Video aber bloß am Anfang oder Ende beschneiden oder gar nur in ein anderes Format konvertieren möchten, kommen Sie mit Einspur-Editoren wie Avidemux (Abbildung 1) [3] schneller zum Ziel: Hier bearbeiten Sie Videos in etwa wie Text in einer Textverarbeitung: Sie markieren einen Bereich, löschen ihn, oder kopieren über die Zwischenablage an eine andere Stelle. Statt Schriftformatierungen wenden Sie in Avidemux z. B. Videoeffekte auf die Auswahl an.

Abbildung 1: Im Einspur-Editor Avidemux wählen Sie über den Zeit-Schieberegler (rot) einen Bereich im Video aus (blauer Rahmen) und löschen ihn oder wenden einen der zahlreichen Effekte auf ihn an (links).

Praktisch ist dies, solange Sie bloß Ausschnitte aus dem Video entfernen. Das Kopieren eines Bereichs an eine andere Stelle ist zwar möglich. Ein entscheidender Nachteil im Vergleich zum zweistufigen Verfahren aus Schnitt und nachfolgender Montage der daraus resultierenden Clips ist jedoch, dass sich Schnitte und Verschiebungen optisch nicht vom restlichen Material unterscheiden.

Für eine Neukombination vieler Einzelszenen eignet sich Avidemux daher schlecht, denn allzu schnell verlieren Sie dabei den Überblick. Auch lassen sich einmal ausgeführte Operationen nicht mehr rückgängig machen. Dafür spielt das Programm seine Stärken aus, wenn Sie bloß Vor- und Nachlauf oder Werbung entfernen möchten.

Platz sparen

Ganz besonders punktet Avidemux beim Konvertieren in ein anderes Format, da es Video- und Audiocodecs bis hin zu Expertendetails über ein GUI konfiguriert. Die Vielzahl der Optionen bleibt aber auch für Laien beherrschbar, wenn Sie im Reiter des Video-Konfigurationsdialogs verbleiben, den das Programm nach dem Öffnen anzeigt. Daher ist Avidemux erste Wahl, wenn Sie Videos stärker komprimieren möchten, um Festplattenplatz zu sparen. Dabei sind insbesondere die Kodiermodus-Einstellungen Quantizer oder durchschnittliche Bitrate wichtig, denn sie steuern, wie groß die fertige Videodatei ausfällt. Eine stärkere Komprimierung geht dabei zu Lasten der Qualität. Mit dem Kodiermodus wählen Sie zwischen unterschiedlichen Verfahren zum Festlegen des Komprimierungsfaktors. Die so genannte Quantisierung legt dabei fest, wie viele Details bei der Komprimierung unter den Tisch fallen. Daher fällt bei einer bestimmten Quantisierung die Qualität immer halbwegs gleich aus.

In Kodiermodus Bitrate legen Sie dagegen die Videogröße pro Sekunde Spielzeit fest. Die Qualität ergibt sich dann aus dem Detailreichtum des Ausgangsmaterials. Zusätzlich bietet die Software einen Kodiermodus mit zwei Durchgängen, die durch eine etwa doppelt so lange Rechenzeit ein besseres Verhältnis von Qualität und Dateigröße erzielen.

Effektfeuerwerk

Avidemux bringt um die 50 Videoeffekte mit, die es auf ausgewählte Bereiche oder das ganze Video anwendet. Das Spektrum reicht von einer Skalierung über Helligkeits- und Farbanpassungen, Schärfen- und Unschärfen-Filter bis hin zu verfremdenden Effekten. Auch Kamm-Artefakte, die aus den beim analogen Fernsehen versetzt übertragenen Halbbildern resultieren, bügelt Avidemux – soweit technisch möglich – aus.

Obwohl die Programmoberfläche weitgehend gleich blieb, hat der Autor den Kern seiner Software für Version 2.6 von Grund auf neu geschrieben. Eine der Hauptschwächen der 2.5er-Versionen war ihre Anfälligkeit für Audio-Video-Synchronisationsprobleme. Version 2.6 soll in diesem Punkt zuverlässiger arbeiten.

Bereits die Vorgängerversion der aktuellen Ausgabe 2.6.5 bezeichnet der Autor als stabil. Trotzdem stürzte sie im Test noch recht häufig ab. Version 2.6.5 bereinigt über 70 Fehler und kombiniert nun hoffentlich die bessere Audio-Video-Synchronisation mit der Stabilität der 2.5-er Versionen.

Die Redaktion meint

Wer das Windows-Freeware-Urgestein Virtualdub [4] kennt, fühlt sich in Avidemux schnell heimisch. Wie schon das ähnlich konzipierte, uralte Windows-Programm spielt die handliche Software ihre Stärken auch heute noch aus, wenn Sie Bereiche aus einem Video herausschneiden, Effekte auf das ganze Video anwenden oder eine Videodatei durch Neukomprimierung verkleinern möchten.

Bewertung

4 von 5 Sternen

Converseen – handlicher Bitmap-Konverter

Der Kommandozeilen-Grafikprozessor ImageMagick gilt zurecht als äußerst leistungsfähig. Leider mutet seine Bedienung ähnlich eigenartig an wie seine Schreibung. Zum Glück gibt es mit Converseen ein grafisches Frontend, das sich auf das Konvertieren, Skalieren und Rotieren großer Mengen von Bildern versteht.

Wenn Ihnen eine Bilddatei im falschen Dateiformat vorliegt, bietet das Kommandozeilenprogramm convert aus dem Softwarepaket ImageMagick fast immer eine passende Lösung: Eine grafische Oberfläche für diesen Tausendsassa bietet Converseen (Abbildung 2) [5]. Das Programm ist als Batch-Converter ausgelegt und verarbeitet damit viele Dateien in einem Arbeitsschritt.

Abbildung 2: Converseen konvertiert, skaliert und dreht viele Grafikdateien in einem Durchlauf.

Laden Sie die zu bearbeitenden Bilddateien mit Bilder öffnen. Sie erscheinen dann in der Dateiliste, die den größten Teil des Programmfensters ausmacht. Bilder hinzufügen leert anders als Bilder öffnen die Dateiliste nicht vor dem Hinzufügen.

Die entscheidende Funktion steuert das Drop-down-Feld Konvertierungs-Formate nahe am unteren Fensterrand: Dort wählen Sie aus über 100 Bilddateiformaten dasjenige aus, in das Converseen das Bild umwandeln soll.

Im selben Arbeitsschritt skaliert, dreht und spiegelt das Programm die Bilder auf Wunsch. Aktivieren Sie dazu das Kontrollkästchen Bild skalieren und legen Sie den Skalierungsfaktor entweder als Prozentsatz der Originalgröße oder als absoluten Wert in Bildpunkten fest.

Im Reiter Drehen und Spiegeln rotieren Sie das Bild in 90-Grad-Schritten oder spiegeln es horizontal oder vertikal. Über den Button Bildeinstellungen regeln Sie die Kompression und legen den Algorithmus fest, den Converseen zum Skalieren benutzt.

Vergrößerungsglas

Bitmap-Grafiken erlauben nur in beschränktem Umfang eine Vergrößerung ohne Qualitätsverlust: Das liegt daran, dass es sich bei solchen Dateien lediglich um eine Ansammlung farbiger Punkte gleicher Größe handelt. Je größer Sie die Grafik auf dem Bildschirm darstellen, desto sichtbarer treten diese hervor. Die Herausforderung für die Skalierungsalgorithmen liegt entsprechend darin, diesen "Treppeneffekt" so weit wie möglich zu kaschieren.

Bei der linken Hälfte von Abbildung 3 kam der Point-Algorithmus zum Einsatz, der den beim Hochskalieren entstehenden neuen Bildpunkten Mittelwerte aus den Farben ihrer Nachbarn zuweist. Das glättet den Treppeneffekt ein wenig, doch es gibt Verfahren, die weit bessere Ergebnisse liefern.

Abbildung 3: Hochwertige Skalierungsalgorithmen bügeln den Treppeneffekt beim Vergrößern einer Bitmap-Grafik einigermaßen aus.

Der mittlere und rechte Teil in Abbildung 3 wurden über die Sinc- und Bessel-Filter skaliert, welche die Pixel des niedrig auflösenden Bildes weit besser verbergen. Trotzdem sollen die Linien im Bild möglichst wenig in Unschärfe verschwimmen.

Die zahlreichen in Converseen enthaltenen Filter liefern je nach Bildcharakteristik unterschiedliche Kompromisse zwischen Glätte und Schärfe. Objektiv lässt sich kaum bestimmen, welcher davon der beste ist. Doch zwischen den einfachen Rechenverfahren, die in Converseen am Anfang der Filterliste stehen, und Algorithmen wie Sinc oder Bessel, gibt es deutlich sichtbare Qualitätsunterschiede. Den Point-Filter sollten Sie daher nur benutzen, wenn die Rechengeschwindigkeit eine größere Rolle als die Qualität spielt.

Bitmap only

Auf der Liste der unterstützten Dateitypen stehen neben Bitmap-Grafiken auch einige Vektorgrafikformate, bei denen die Bildinformationen nicht in Form von Bildpunkten, sondern als mathematisch definierte Kurven vorliegen. Anders als Bitmap-Bilder erlauben Vektorgrafiken daher das verlustlose Skalieren.

Converseen unterstützt SVG-Dateien, wie sie das Zeichenprogramm Inkscape erzeugt, außerdem PDF-, PostScript- und EPS-Dateien, die zumindest potentiell Vektorelemente enthalten. Die Software eignet sich gut, um diese Dateien in Bitmaps zu verwandeln. Beim Umwandeln von SVG- in PDF- oder EPS-Grafiken überzeugt es aber nicht: Hier konvertiert es die Vektorgrafiken in Bitmaps, so dass sie ihre verlustlose Skalierbarkeit verlieren und die Dateigröße oft unnötig anwächst.

Das Programm speichert konvertierte Dateien in einem vorher festgelegten Ordner. Wollen Sie die umgewandelten Bilder im ursprüngliche Verzeichnis ablegen, ohne die Originaldateien zu überschreiben, nutzen Sie die Umbenennen-Funktion, die an den Dateinamen eine von Ihnen festgelegte Zeichenkette anhängt.

Die Redaktion meint

Converseen bietet eine handliche grafische Oberfläche für die notorisch schwer zu bedienenden Konsolenprogramme aus dem ImageMagick-Paket. Es konvertiert auch Vektorgrafiken in Bitmaps, taugt aber nicht für die Umwandlung von einem Vektorgrafikformat in ein anderes. Dafür bringt es eine große Auswahl an Bitmap-Skalierungsalgorithmen mit und dreht oder spiegelt die Bilder auch gleich beim Konvertieren.

Bewertung

3 von 5 Sternen

KShutdown – zeitgesteuert herunterfahren

Im Vergleich zu mobilen Geräten verbrauchen Desktop-Computer viel Strom und geben meist hörbare Geräusche von sich. KShutdown fährt den Rechner daher nach einer bestimmten Zeitspanne herunter oder versetzt ihn in den Ruhezustand.

Wer seinen Rechner bis zum Morgen durchlaufen lässt, etwa um die vor dem Schlafengehen angestoßene Komprimierung eines Spielfilms bis zum Morgen abzuarbeiten, bei dem meldet sich nicht selten das umweltbewusste Gewissen.

Eher umständlich legen Sie in den KDE-Systemeinstellungen unter Energiesparen / Sitzung in den Ruhezustand versetzen eine Zeit fest, nach der sich der Rechner in einen stromsparenden Schlafzustand verabschiedet. Weitaus praktischer und vielseitiger erledigt das KShutdown (Abbildung 4) [6]. Das Programm bietet daneben einige zusätzliche Optionen für die Auswahl des Einschlafzeitpunkts. Obwohl eigentlich ein KDE-Programm, funktioniert es auch auf den Gnome- und Unity-Desktops, die keine vergleichbaren Energiespar-Einstellungen besitzen, einwandfrei.

Abbildung 4: KShutdown versetzt den Rechner zeitgesteuert oder nach Beendigung eines Programms in den Ruhezustand oder fährt ihn herunter.

Wählen Sie nach dem Starten des Tools im Drop-down-Feld Select an action eine Aktion, etwa Rechner in den Ruhezustand versetzen. Im Fall von Ruhezustand bleibt der Arbeitsspeicher unter Spannung, beim Aufwecken ist der Rechner daher nach wenigen Sekunden wieder bereit. Alle Anwendungen befinden sich noch im selben Zustand wie vor dem Einschlafen. Der Rechner braucht weiterhin ein wenig Energie, allerdings längst nicht so viel wie im Normalbetrieb. Im Tiefschlaf verbraucht der Computer bis auf den Leerlaufverlust eines angesteckten Netzteils gar keinen Strom, dafür dauert das Aufwachen deutlich länger.

Am Abzug

Als Auslöser für das Abschalten geben Sie in KShutdown eine Zeitspanne in Stunden und Minuten, Uhrzeit und Datum oder User Inactivity (Zeit ohne Maus- und Tastatureingabe) ein. Nach Auswahl von Wenn die ausgewählte Anwendung beendet ist blendet das Programm eine Liste aller laufenden Programme ein. Allerdings enthält diese auch Hintergrunddienste, was sie unübersichtlich macht. Durch das Eintippen der Anfangsbuchstaben suchen Sie darin nach dem gewünschten Programm und finden es damit trotzdem recht schnell.

Haben Sie die Action und den Auslöser festgelegt, schaltet ein Klick auf Ok den Timer scharf. Wer das Programm erst einmal ausprobieren möchte, wählt dazu die Aktion Test action, die nach Ablauf des Timers lediglich ein Dialogfeld öffnet.

Die Aktion Extras führt Skripte aus. Eines der mitgelieferten Beispiele stoppt häufig genutzte Medienspieler. Dabei stört allerdings, dass die Software immer nur eine Aktion plant, so dass der Rechner nach Beenden des Musikprogramms zwar Ruhe gibt, aber doch wieder die ganze Nacht durchläuft.

Tödliche Skripte

Die Software startet auch eigene Skripte, deren Erstellen allerdings ein wenig Aufwand bedeutet: Ein Klick auf Add or Remove Commands startet den Dateibrowser in dem Verzeichnis, das KShutdown nach benutzerdefinierten Aktionen durchsucht. Diese entstehen über einen Rechtsklick und Auswahl von Neu erstellen / Verknüpfung zu Programm. Im Reiter Programm des sich nun öffnenden Dialogfelds geben Sie einen beschreibenden Namen sowie einen auszuführenden Befehl in die entsprechend beschrifteten Textfelder ein.

Folgendes Skript beendet ein Programm und fährt unmittelbar darauf den Rechner in den Schlafzustand:

killall name &&
dbus-send --system --print-reply \
    --dest="org.freedesktop.UPower" \
    /org/freedesktop/UPower \
    org.freedesktop.UPower.Suspend

Den Platzhalter name ersetzen Sie durch den Namen, mit dem Sie das Programm auf der Kommandozeile starten würden – normalerweise der Programmname in Kleinbuchstaben. Zuverlässiger finden Sie es nach Drücken von [Strg]+[Esc] in der Systemüberwachung heraus.

Die Redaktion meint

KShutdown leistet nicht mehr und nicht weniger, als sein Name andeutet: Es schaltet den Rechner nach einer bestimmten Zeitspanne aus, was gelegentlich nützlich ist. Wer möchte, verfeinert die Stopp-Trigger durch die mitgelieferten Skripte oder schreibt, ein wenig Konsolenerfahrung vorausgesetzt, eigene.

Bewertung

2 von 5 Sternen

Liferea – übersichtlicher RSS-Reader

Wer neue Veröffentlichungen auf Websites nicht verpassen möchte, abonniert am besten mit Liferea deren RSS-Channel. Als besonderen Bonus durchforstet das Programm die eingegangenen Nachrichten nach Stichwörtern, so dass Ihnen Nachrichten aus den eigenen Interessengebieten nicht in der Masse durch die Lappen gehen.

Blogs, Nachrichtenseiten und Softwareportale stellen ihre Neuigkeiten meist auch über RSS-Feeds zu Verfügung. Dabei handelt es sich um eine regelmäßig aktualisierte Liste der neueren Publikationen. Feed-Reader wie Liferea [7] abonnieren diese Feeds und verwandeln das RSS-Format in eine bequem durchblätterbare Artikelliste (Abbildung 5). Der Vorteil im Vergleich zu einem direkten Besuch der Webseite ist, dass Sie dabei Einträge als gelesen markieren und ausblenden können. Selbst bei hunderten abonnierter Feeds behalten Sie so den Überblick darüber, was es Neues gibt. Dies spart viel Zeit und verhindert, dass Sie etwas Wichtiges verpassen.

Abbildung 5: Der News-Reader Liferea lenkt nicht mit überflüssigen Funktionen vom Wesentlichen ab. Mit seinen leistungsfähigen Suchordnern (rot markiert) unterstützt es den Anwender dennoch nach Kräften bei der Orientierung im Informationsdschungel.

Blättern ohne Rascheln

Überblick ist beim heutigen Informationsüberangebot ohnehin das A und O. Daher gruppiert Liferea die abonnierten Feeds wie in einem Dateimanager in Ordnern. Die übergeordneten erben dabei den Inhalt aller ihnen untergeordneten Feeds. Das erlaubt es Ihnen, zügig eine Liste aller Nachrichten einer Gruppe zu durchstöbern. Dazu gibt es mit [Strg]+[Leertaste] den passenden Tastatur-Shortcut: Er scrollt den gerade geöffneten News-Beitrag bis zum Ende nach unten und springt dann zum nächsten Eintrag.

Die einfache Schlagwortsuche durchkämmt alle Bereiche der Feeds. Die erweiterte Suche verknüpft mehrere Begriffe mit "und" bzw. "oder", unterscheidet zwischen Schlagzeile und Nachrichtentext oder wählt auf Wunsch nur bestimmte Abonnements aus. Sie schließt optional auch Schlagwörter aus oder filtert vom Anwender bereits als wichtig markierte oder gelesene Einträge heraus.

Herausgepickt

Jede Suchanfrage lässt sich als so genannter Suchordner in der Ordnerhierarchie ablegen. Die Suchordner bündeln Nachrichten aus vielen Feeds zu Themen, die Sie interessieren. Neben der automatischen, stichwortbasierten Gruppierungsfunktion bieten die Sammelordner eine manuelle Alternative: Hier kopieren Sie Nachrichten aus einem beliebigen Feed in die Ordner. Normal löscht Liferea die Elemente eines Channels, wenn mehr als eine konfigurierbare Maximalanzahl vorliegt, damit nicht irgendwann Zigtausende Einträge den Speicherverbrauch in die Höhe treiben oder die Suche verlangsamen. Die Einträge in Sammelordnern bleiben dagegen für immer erhalten.

Die wenigsten Feeds enthalten den ganzen Text der Nachrichten – meist gibt es nur die Schlagzeile, den Vorspann und eventuell das Aufmacherbild. Wer den ganzen Artikel lesen möchte, folgt einem Link, den die RSS-Daten stets mitliefern. Statt diese in einem externen Programm zu öffnen, setzt Liferea dabei auf seinen eingebauten Browser. Allerdings gibt der in Liferea integrierte Browser keinerlei Feedback, während die Seite lädt. Die Seitendarstellung basiert zwar auf der auch von anderen modernen Browsern genutzten Browser-Engine Webkit, zeigt aber keine Flash-Inhalte an. Falls sie Flash-Support benötigen, öffnen Sie die Artikel mit einem Rechtsklick auf die Schlagzeile in einem externen Browser.

Oft ist der Link zu den RSS-Feeds, mit dessen Hilfe Sie diese abonnieren, direkt auf der Homepage zu finden. Sollte er besser versteckt sein, brauchen Sie nicht extra eine Suchmaschine zu bemühen: Nennen Sie dem Programm einfach den Link zur Startseite. Die Feed-Erkennung findet die Nachrichtenquellen dann automatisch.

Die Redaktion meint

Mit seinen Suchordnern, die komplexe Suchanfragen speichern und automatisch aktuell halten, verhindert Liferea, dass Ihnen in der Flut der neuen Nachrichten das Wesentliche entgeht.

Bewertung

4 von 5 Sternen

Qtractor – übersichtlicher MIDI-Sequencer

Der Autor des MIDI-Sequencers Qtractor sagt, dass sein Programm noch im Alpha-Stadium ist, doch das ist übertriebene Bescheidenheit: Im Test stürzte die Software nie ab, und mit den vorhandenen Features lassen sich bereits melodische Klänge entlocken.

Sequencer sind Musikprogramme, die nicht den Klang eines Stückes aufnehmen, sondern die Tastenanschläge von MIDI-fähigen Musikinstrumenten, etwa Keyboards, aufzeichnen. Das erlaubt es, nach der Aufnahme leicht einzelne Noten zu verändern, um z. B. Fehler beim Einspielen zu korrigieren. Danach sendet die Software die bearbeiteten Noten entweder zurück an das MIDI-fähige Musikinstrument, dessen Klang Sie dann in einer gewöhnlichen Audiodatei (WAV, Mp3, OGG) aufzeichnen. Alternativ spielt der Software-Synthesizer [8] die Töne auch direkt auf dem Rechner ab und erzielt damit häufig einen besseren Sound als ein mittelmäßiges Keyboard.

Tiefstapelei

Der Wikipedia-Artikel über Sequencer [9] listet neben kommerziellen Windows-Programmen die beiden freien Linux-Anwendungen Rosegarden [10] und LMMS [11]. Die Musiksoftware Qtractor (Abbildung 6) [12] fehlt dort derzeit noch, sie gilt bisher eher als Geheimtipp.

Abbildung 6: Alles an Bord: Der Sequencer Qtractor bindet den Synthesizer Fluidsynth (2) als Plug-in ein und wendet auf die von ihm erzeugten Klänge auch gleich Effekte an (3). Alle Parameter des Effekt-Plug-ins können Sie im zeitlichen Verlauf über Effektkurven variieren (4).

Dass Qtractor trotz Alpha-Status in der Praxis bereits gute Dienste leistet, zeigt die hohe User-Wertung von 4,9 von fünf möglichen Punkten bei 77 Stimmen (bei Redaktionsschluss) auf der Hosting-Plattform Sourceforge.

Tatsächlich ist das schlicht und übersichtlich gehaltene Programm die beste Wahl für den Einstieg in die Musikproduktion, gerade, weil es noch nicht mit so vielen Features überfrachtet ist wie etwa das etwas chaotisch wirkende Rosegarden. Eine größtenteils aktuelle Dokumentation inklusive Tutorial für Einsteiger liegt in englischer Sprache als PDF-Datei vor [13].

Qtractor benötigt im Hintergrund den Soundserver Jack, den Sie am besten vor dem Programmstart über Qjackctl [14] aktivieren. Das Tutorial erläutert auch, wie Sie das Programm als Echtzeit-Anwendung konfigurieren (Kapitel 3.2.1), was für stotterfreie Aufnahmen Voraussetzung ist.

Spieluhr-Prinzip

Die Tastenanschläge eines MIDI-Instruments erscheinen in Qtractor als Balken auf einer "Klavierwalze" (Punkt 1 in Abbildung 6): Die vertikale Position symbolisiert die Tonhöhe. Die horizontale Ausdehnung steht für die Zeit, zu der die Note erklingt.

Die farbigen Balken lassen sich mit der Maus verschieben und in ihrer Länge verändern, was Tonhöhe, Zeitpunkt und Länge der Note anpasst. Außerdem können Sie Noten löschen und neue mit dem Bleistift-Werkzeug zeichnen.

Allerdings eignet sich Qtractor wegen der fehlenden Notenansicht, die andere Sequencer mitbringen, kaum zum Komponieren von Musik. Zum effizienten Arbeiten mit Qtractor brauchen Sie entweder ein MIDI-fähiges Keyboard oder importieren MIDI-Tracks aus anderen Programmen.

Doch bei seinen Qualitäten als Aufnahme- und Abmischstudio macht Qtractor keine Kompromisse: Das Programm beherrscht neben MIDI-Tracks auch (Wave-)Audiospuren. So verwalten Sie Note für Note bearbeitbare MIDI-Aufzeichnungen und Audioaufnahmen akustischer Instrumente oder Gesang in einem Programm. Dabei bleiben die Tracks exakt synchron.

Alles aus einer Hand

Eine Stärke des Programms ist das direkte Einbinden von Synthesizer-Plug-ins: Punkt 2 in Abbildung 6 zeigt die Einstellungen des mit dem MIDI-Track 1 verknüpften Fluidsynth-Plug-ins, das Sie sowohl unter OpenSuse als auch Kubuntu über das Paket Fluidsynth-dssi installieren. Fluidsynth verarbeitet Instrumenten-Definitionen im verbreiteten SF2-Format.

Wenn Sie Fluidsynth direkt als Plug-in einbinden, brauchen Sie kein zusätzliches externes Synthesizer-Programm wie Qsynth mehr zu starten – der größte Vorteil ist aber, dass Sie dann auch MIDI-Tracks direkt Audioeffekt-Plug-ins (u. a. aus Programmpakten mit "Ladspa" im Namen) wie den Hall in Punkt 3, Abbildung 6 zuweisen dürfen, Sie müssen den Track nicht vorher in eine Audiodatei umwandeln. Alle Parameter des Effekts (wie die Nachhallzeit in Abbildung 6) formen Sie dabei im zeitlichen Verlauf über Automationskurven (Punkt 4). So können Sie auf eine Nachbearbeitung in einem Wave-Editor verzichten, was das Einarbeiten in ein weiteres komplexes Programm überflüssig macht.

Die Redaktion meint

Dank der kombinierten Einbindung von Synthesizer- und Effekt-Plug-ins erspart Qtractor das Nachbearbeiten in einem Wave-Editor. Noch gibt es keine Notendarstellung der MIDI-Daten, für die Sie per MIDI-Import und -Export ein gesondertes Programm wie Musescore [15] hinzuziehen müssen. Dafür bleibt das Programm übersichtlich und für einen MIDI-Sequencer leicht zu bedienen.

Bewertung

5 von 5 Sternen

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