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© Christian Draghici, 123RF

Minze mit Zimt

Linux Mint 15 Cinnamon im Test

09.10.2013
Linux Mint 15, das Sie auch auf der Heft-DVD dieser Ausgabe finden, basiert auf Ubuntu 13.04 und bringt mit Cinnamon einen eigenen Desktop mit, der eine interessante Alternative zu Unity oder KDE ist.

Linux Mint [1] ist eine noch recht junge Distribution, und sie erfreut sich großer Popularität, wie die Rangliste von Distrowatch [2] zeigt (Abbildung 1): In allen Vergleichszeiträumen, vom letzten Monat bis zum ganzen letzten Jahr, haben die meisten Besucher der Webseite sich die Informationen zu Mint angesehen. Das steht zwar nicht in direktem Zusammenhang mit der Zahl der tatsächlichen Installationen, signalisiert aber ein großes Interesse an Mint. Wir werfen einen Blick auf die Cinnamon-Variante von Mint 15 (Codename "Olivia").

Abbildung 1: Auf Distrowatch steht Linux Mint auf Platz 1 (Quelle: distrowatch.com).

Was hat die Distribution zu bieten? Das vielleicht wichtigste Argument für Linux Mint ist ihr Standard-Desktop Cinnamon: Wer die klassische Bedienung von KDE 3 (oder Windows 95 bis XP, eventuell noch Windows Vista/7) schätzt und mit Grauen die neuen Interfaces von KDE 4.x, Gnome oder Unity (Ubuntu) betrachtet, der wird sich mit Cinnamon schnell anfreunden können. Ja: Es gibt am unteren Bildschirmrand eine Leiste, die schnellen Zugriff auf das Startmenü, die offenen Fenster und Status-Icons erlaubt, und ja: Sie können dort auch noch Programmstart-Icons ablegen – ebenso wie auf dem Desktop (Abbildung 2).

Abbildung 2: Cinnamon bietet das Look & Feel eines klassischen Desktops, wie man ihn von Windows (bis Version 7) oder KDE 3 kennt.

Installation und Konfiguration

Der Mint-Installer ist auf das Wesentliche reduziert: Sie starten ihn aus dem laufenden Livesystem heraus (siehe Installationsanleitung ab Seite 30) und stellen nur die wesentlichen Dinge (Partitionierung, Sprache und Zeitzone, Rechnername und Benutzer-Account) ein, danach landet ein Standardsystem auf der Festplatte. Beim manuellen Anlegen der Partitionen stört, dass sich die Fenstergröße nicht ändern lässt – dadurch muss man auf Rechnern, die mehrere Platten und/oder bereits viele Partitionen besitzen, ständig scrollen: sowohl horizontal als auch vertikal. Das ist bei den heute üblichen Displaygrößen nicht mehr angemessen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Fenster mit den Partitionen kann man nicht vergrößern, so dass heftiges Scrollen nötig ist.

Anders als bei umfangreicheren Installationsroutinen wie etwa der von OpenSuse können Sie keine weitere Software auswählen oder entfernen und auch nichts am System konfigurieren – diese Schritte folgen nach der Basisinstallation im laufenden System, was kein Nachteil ist, denn viele Anwender installieren auch OpenSuse zunächst mit der Standard-Paketauswahl.

Die Mint-Entwickler haben versucht, alle Konfigurationseinstellungen – sowohl für das System als auch für den Cinnamon-Desktop – in einem zentralen Verwaltungstool zusammenzufassen. Damit ist zwar klar, welche Anwendung Sie bei Änderungswünschen aus dem Startmenü wählen müssen (Systemwerkzeuge / Systemeinstellungen), aber aus diesem Programm heraus starten dann teils sehr unterschiedliche Tools für die verschiedenen Aufgaben. Es ist, anders als in früheren Mint-Versionen, nun nicht mehr nötig, das Gnome-Kontrollzentrum aufzurufen: Alle ehemals darüber erreichbaren Einstellungen sind jetzt in die einheitliche Mint-Systemsteuerung integriert (Abbildung 4). Optisch erinnert das Tool an die Systemeinstellungen von OS X (Apple).

Abbildung 4: Die Systemsteuerung von Mint bietet Zugriff auf alle Einstellungen des Systems und des Desktops.

Über das komisch übersetzte Icon Treiber für Vorrichtungen starten Sie eine Anwendung, die im Wesentlichen für Grafikkarten zuständig ist: Sie kann z. B. für ATI- und Nvidia-Karten einen alternativen Treiber herunterladen und einrichten (Abbildung 5). Bei einem älteren Testrechner mit Nvidia-Karte führte das allerdings dazu, dass Cinnamon nach dem Ab- und Anmelden nicht mehr startete und die grafische Oberfläche damit unbenutzbar war. Erst ein kompletter Linux-Neustart setzte dem Spuk ein Ende.

Abbildung 5: Falscher Treiber aktiv? Über "Treiber für Vorrichtungen" im Mint-Kontrollzentrum tauschen Sie ihn aus.

Unter der Haube

Würde man Linux Mint nur im Textmodus verwenden, könnte man es leicht mit einer Ubuntu-Installation verwechseln: Das ist nicht weiter merkwürdig, denn Mint 15 basiert auf Ubuntu 13.04; die Mint-Entwickler haben ein paar Programmpakete ausgetauscht und Eigenentwicklungen ergänzt, aber das betrifft nur Anwendungen, die unter der grafischen Oberfläche laufen – vor allem den Desktop selbst.

Das geht so weit, dass der Mint-Installer neben einer eigenen Paketquelle automatisch die Ubuntu-Repositories von Version 13.04 einträgt, wie ein Blick in die Konfigurationsdatei /etc/apt/sources.list.d/official-package-repositories.list zeigt (Listing 1). Darum ist auch die Liste der Mint-eigenen Pakete [3] überschaubar, hier finden sich z. B. die zu den Desktops Cinnamon und Mate gehörenden Pakete.

Listing 1

Mint-Repositories

deb http://packages.linuxmint.com olivia main upstream import  #id:linuxmint_main
deb http://archive.ubuntu.com/ubuntu raring main restricted universe multiverse
deb http://archive.ubuntu.com/ubuntu raring-updates main restricted universe multiverse
deb http://security.ubuntu.com/ubuntu/ raring-security main restricted universe multiverse
deb http://archive.canonical.com/ubuntu/ raring partner

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