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EasyLinux-Editorial

09.10.2013

Liebe Leserinnen und Leser,

Ende September hat die Mehrheit der deutschen Wähler der CDU/CSU ein fulminantes Wahlergebnis spendiert, so dass Frau Merkel weitere vier Jahre im Amt bleiben darf. Da die Unionsparteien mit der Internet-Überwachung durch die NSA keine Probleme haben [1], dürfen wir also auch in Zukunft damit rechnen, dass deutsche E-Mails und in der Cloud abgelegte Dateien der Dauer- und Totalüberwachung durch die US-Behörden unterliegen.

Nun dürften sich wohl die meisten von Ihnen nicht mit Themen beschäftigen, welche die US-Behörden interessieren – trotzdem kann einem mulmig werden bei der Vorstellung, dass alles, was wir privat oder beruflich an Kommunikation über das Netz abwickeln, mitgelesen wird. Vollständige Verschlüsselung aller Mails und sonstigen Datentransfers bleibt aber für die meisten Anwender Zukunftsmusik, denn es reicht z. B. nicht aus, wenn Sie selbst GnuPG in Ihrem Mailprogramm installieren: Ihre Kommunikationspartner müssen die Software auch verwenden, sonst ist kein verschlüsselter Mailversand möglich, und vielen Anwendern ist die Einrichtung eines GnuPG-Schlüsselpaars [2] viel zu schwierig oder umständlich. Vertrauliche Dokumente sollten Sie, wenn der Empfänger nicht GnuPG oder S/MIME verwendet, wenigstens als Datei verschlüsseln, z. B. indem Sie ein 7zip-Archiv [3] erstellen und dafür die Verschlüsselung aktivieren – den Schlüssel können Sie dem Empfänger dann telefonisch mitteilen.

Anonymisierungsdienste wie Tor helfen dabei, wenigstens Zugriffe auf Webseiten zu verschleiern (das Ziel ist, dass Sie nicht mehr als zugreifender Benutzer zu identifizieren sind), aber Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Unterwanderung des Tor-Netzwerks möglich ist und sich damit Benutzer "de-anonymisieren" lassen [4]. Das erfordert aber einigen Aufwand auf Seiten der spionierenden Behörden, und darum lohnt es sich trotz der vorhandenen Schwächen, Tor zu verwenden. Wie Sie die Software einrichten und nutzen, verraten wir in einem ausführlichen Workshop ab Seite 54. Ihr Recht, das Internet auch anonym oder unter Pseudonym zu nutzen (und z. B. in einem Forum einen Kommentar ohne Namensnennung zu schreiben), wurde übrigens 2011 in einem Urteil bestätigt [5].

DSL-/Kabel-Tipps

Im Schwerpunkt dieser Ausgabe geht es um schnelle Internetzugänge via DSL oder Kabel: Sie können damit nicht nur fix im Netz surfen, sondern auch von außen auf Ihre heimischen Geräte zugreifen, wenn Sie den Router richtig konfigurieren. Dann sollten Sie aber auch an Schutzmaßnahmen denken. Los geht es mit der Artikelübersicht auf Seite 34.

Leserumfrage

Wir bitten mal wieder um Ihre Mithilfe bei der künftigen Gestaltung von EasyLinux – dazu haben wir eine Online-Leserumfrage vorbereitet, die Sie über unsere Webseite starten können [6]. Falls Ihnen die Antwortmöglichkeiten in der Umfrage nicht ausreichen, um Ihr vollständiges Feedback abzugeben, freuen wir uns natürlich auch über klassische Mails an redaktion@easylinux.de.

Infos

[1] NSA-Affäre beendet: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-08/nsa-bnd-pofalla--bundestag-spaehaffaere-snowden-abkommen

[2] Artikel zu GnuPG und S/MIME: Florian Effenberger, "Briefgeheimnis", EasyLinux 04/2012, S. 36 ff.

[3] 7zip: http://www.7-zip.org/

[4] Constanze Kurz, "Angriff auf die Anonymität im Netz", FAZ, http://www.faz.net/-gt8-7ew91

[5] Johannes Haupt, "OLG Hamm stärkt Recht auf Anonymität im Internet Meldung vorlesen und MP3-Download", http://heise.de/-1350419

[6] Leserumfrage 2013: http://www.easylinux.de/u2013/

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Kommentare
Abgeschrieben oder gleichgeschaltet?
Dänk Sälba-Nach (unangemeldet), Freitag, 11. Oktober 2013 17:29:19
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Lieber Chefredakteur,

immer lese ich sehr gerne das Editorial und habe noch nie Anlass zur negativen Kritik gehabt, aber diesmal muss ich dem ersten Satz widersprechen: „Ende September hat die Mehrheit der deutschen Wähler der CDU/CSU ein fulminantes Wahlergebnis spendiert, so dass Frau Merkel weitere vier Jahre im Amt bleiben darf.“ Darf Sie nicht! Laut bundeswahlleiter.de haben CDU-CSU 41,5 Prozent und SPD, Grüne und (echte) Linke 42,7 Prozent der Stimmen. Fulminanz ist hier nicht zu erkennen, höchstens Ignoranz oder Arroganz der Macht, denn diese Meinungsmache lese ich in vielen Texten von Journalisten und frage mich, ob hier immer mehr voneinander abgeschrieben wird oder ob die Gleichschaltung der Medien wieder einen Schritt weiter geführt worden ist?
Bitte korrigieren Sie das und hoffen Sie darauf, dass die Menschen der Verblödung und Verblendung weiter Widerstand leisten, sonst sieht es in der Zukunft auch für freie Software schwarz aus.

Viele Grüße, guten Mut und wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!


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Re: Abgeschrieben oder gleichgeschaltet?
Hans-Georg Eßer, Dienstag, 22. Oktober 2013 13:31:00
Ein/Ausklappen

Sorry, aber ich verstehe den Vorwurf der Meinungsmache / Gleichschaltung nicht. Dass Rot-Rot-Grün eine Mehrheit im Bundestag hat, ändert nichts an der Tatsache, dass Frau Merkel mit großer Wahrscheinlichkeit wieder zur Kanzlerin gewählt wird, denn die linken Parteien wollen ja nicht zusammenarbeiten. Ich habe nur die Fakten festgestellt und deswegen nahegelegt, dass man sich wohl (weiterhin) selbst um die Sicherheit der eigenen Daten und der Kommunikation kümmern muss.


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