AA_PO-24867-123RF-Dionisio_Dias_Filho_123RF-Zwiebelscheiben_resized.jpg

© Dionisio Dias Filho, 123RF

Anonym surfen über das Tor-Netzwerk

Das Zwiebelprinzip

Über das Tor-Netzwerk können Sie Ihre IP-Adresse verschleiern und so anonym im Internet surfen – die Nutzung ist kostenlos, allerdings ist die Einrichtung für Einsteiger schwierig. Das Tor-Browser-Bundle erleichtert die Aufgabe.

Was in den letzten Monaten über Art und Umfang der Überwachung durch die NSA ans Licht kam, wird auch unbedarften Anwendern die Augen geöffnet haben. Vielleicht bewegt diese Entwicklung ja den Einen oder Anderen dazu, zu Open Source Software bzw. Linux zu wechseln? Bei aller gerechtfertigten Empörung über Inhalte und Details der Enthüllungen warnt die IT- und Linux-Szene schon seit Jahren vor möglichen Sicherheitsproblemen im Zusammenhang mit proprietärer Software und sorglosem Nutzerverhalten. Die jüngsten Enthüllungen zeigen: Was technisch machbar ist, wird auch umgesetzt. Wägen Sie daher ab, ob Sie fortan weiter unverschlüsselte E-Mails versenden, Ihre Daten einem US-amerikanischen Cloud-Anbieter anvertrauen oder personalisiert surfen.

Anonymität im Netz

Surfen ohne Anonymisierung stellt zwar keine direkte Bedrohung dar. Doch sobald Sie sich vor Augen halten, was dank Big Data und Profilbildung möglich ist, fallen die Nachteile der Anonymisierung kaum noch ins Gewicht (wie die geringere Geschwindigkeit und der Verzicht auf Komfortfunktionen wie etwa die Browserchronik). Wenn Sie sich vor weitreichenden Ausspähungen Ihres Surfverhaltens schützen wollen, ist anonymes Surfen nicht nur Ihre einzige Option, es ist auch ihr gutes Recht.

Es ist nicht überraschend, dass die Geheimdienste das Tor-Netzwerk beobachten. Es gibt immer wieder Infiltrierungsversuche, wie die Ende Juli bekannt gewordene JavaScript-Sicherheitslücke in der ESR-Version 17.06 von Firefox, die unter Windows die Identifizierung von Tor-Nutzern ermöglicht haben soll. Diese Lücke trat übrigens in der Linux-Version nicht auf und gilt für Firefox ESR 17.07 und 22 seit Ende Juni 2013 als gefixt. Für uns ist die Extended Support Release (ESR) von Firefox deswegen von Bedeutung, weil sie z. B. im nachfolgend vorgestellten Tor-Browser-Bundle des Tor-Projekts zum Einsatz kommt. Das Mozilla-Projekt versorgt die ESR-Version länger als die regulären Versionen mit Patches.

Eigene Identität verschleiern

Im Internet anonym zu bleiben ist schwieriger als Sie vielleicht denken. Denn während Sie bei einem anonymen Brief einfach Ihre Absenderadresse weglassen, müssen Datenpakete im Internet immer eine IP-Adresse als Absender haben – sonst haben die protokollbedingt generierten Antwortpakete keinen Empfänger, und der Datenaustausch schlägt fehl. Wenn Sie Ihre IP-Adresse also nicht weglassen können, müssen Sie diese verschleiern. Dazu gibt es prinzipiell mehrere Möglichkeiten: Alle laufen im Kern darauf hinaus, den Datenverkehr über einen Proxy-Server (Stellvertreter) zu leiten, der seine eigene IP-Adresse als Absender einsetzt, die Antwortpakete entgegennimmt und diese dann dem ursprünglichen Absender zustellt. Proxys gibt es wie Sand am Meer. Im Internet finden sich zahllose Listen mit frei zugänglichen Proxy-Servern, die Sie theoretisch nur im entsprechenden Konfigurationsdialog Ihres Browsers eintragen müssen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Soll Firefox die Internetverbindung über einen Proxy herstellen, rufen Sie den Menüpunkt "Bearbeiten / Einstellungen" auf, klicken im Bereich "Erweitert" im Reiter "Netzwerk" unter "Verbindung" auf "Einstellungen" und tragen die Adresse eines HTTP-Proxys ein.

Übrigens ist das Umleiten des Datenverkehrs über einen Proxy immer mit einem Geschwindigkeitsverlust verbunden, der je nach Standort des Proxys und der eingesetzten Software erheblich sein kann. Außerdem muss die einzusetzende Anwendung über eine Konfigurationsmöglichkeit verfügen, den Datenverkehr ins Internet über einen Proxy zu leiten. Dies ist zwar bei Browsern immer der Fall, oft aber eben nur für das HTTP-Protokoll. Andere Anwendungen kommunizieren dann immer noch mit der unverschleierten IP-Adresse: In einer Browsersitzung eingebettete Java-Applets und Flash-Objekte sind eigenständige Programme, die mitunter nicht vom Proxy-Betrieb profitieren. Außerdem müssen Sie dem Proxy-Betreiber vertrauen, denn dieser speichert sämtliche Informationen zum Austauschen der IP-Adressen und hebt sie im Rahmen der im jeweiligen Land geltenden Gesetzgebung zur Vorratsdatenspeicherung auch länger auf. So besteht immer die Gefahr, dass ein Geheimdienst die Herausgabe solcher Daten gerichtlich erzwingt oder Hacker die Anonymität über einen Einbruch aushebeln.

Die meisten Proxy-Server eigen sich nicht für die Anonymisierung, weil sie die IP-Adresse des anfragenden Rechners mit übertragen – Anonymisierung ist nun mal nicht der hauptsächliche Einsatzzweck eines Proxys. Es gibt aber durchaus auf das Anonymisieren spezialisierte Proxys. Deren Nutzung kostet in der Regel Geld und wird meist im Paket mit einer passenden Konfigurationssoftware verkauft. Darüber hinaus finden sich im Netz haufenweise werbefinanzierte Web-Proxys.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 6 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Das Tor-Netzwerk verstehen und nutzen
    Viele gute Gründe sprechen dafür, seine Identität im Internet zu verschleiern. Dabei hilft das Tor-Netzwerk im Verbund mit dem passenden Content-Filter.
  • Das Tor-Netzwerk verstehen und nutzen
    Seit fest steht, in welchem Umfang die Geheimdienste Daten aus dem Internet abgreifen, ist für jeden, der seine Privatsphäre schützen möchte, Handeln angesagt. Tor hilft Ihnen dabei.
  • Tipps und Tricks zu Ubuntu, Linux Mint und Knoppix
    Ubuntu, Linux Mint und Knoppix basieren auf der Distribution Debian – wir verraten Tricks und Kniffe, welche die Arbeit auf diesen Systemen angenehmer machen.
  • No-Spy-Klausel
    Wer den Schutz durch den Anon-Router Tor voll ausreizen will, muss sich intensiv mit den dahinterstehenden Techniken auseinandersetzen. Das Frontend SelekTor erspart durch viele sinnvolle Funktionen einen Großteil der Mühe.
  • Tor und Vidalia in neuer Version
    Über das Zwiebel-Routing-System von Tor bleiben Anwender beim Surfen im Netz anonym. Nun gibt es Tor in einer neuen Version. Zugleich haben die Entwickler die grafische Oberfläche Vidalia für Tor aktualisiert.
Kommentare

Infos zur Publikation

EL 08-10/2017: BACKUP

Digitale Ausgabe: Preis € 9,80
(inkl. 19% MwSt.)

EasyLinux erscheint vierteljährlich und kostet 9,80 Euro. Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 33,30 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!      

Aktuelle Fragen

Bash awk Verständnis-Frage
Josef Federl, 22.07.2017 17:46, 2 Antworten
#!/bin/bash # Skriptdateiname = test.sh spaltennummer=10 wert=zehner awk '{ $'$spaltennummer'...
Bash - verschachtelte Variablenersetzung, das geht doch eleganter als meine Lösung?
Josef Federl, 18.07.2017 20:24, 2 Antworten
#!/bin/bash #Ziel des Skriptes wird sein die ID zu extrahieren hier nur als Consolentest: root@...
Speicherplatzfreigabe mit "sudo apt-get clean" scheitert
Siegfried Böttcher, 16.07.2017 21:16, 2 Antworten
Speicherplatzfreigabe mit "sudo apt-get clean" scheitert, weil aus mir unerfindlichen Gründen im...
Möchte Zattoo vom PC am Fernsehgerät sehen können
Ilona Nikoui, 15.07.2017 18:25, 3 Antworten
Hallo, ich habe mein Fernsehgerät, ein LG 26LE3300 mit dem PC verbunden per HDMI Kabel, wie empfo...
TUXEDO und Hardwareauswahl , fragwürdig / Kritik
Josef Federl, 11.07.2017 12:44, 7 Antworten
Auf tuxedocomputers.com steht: "....Aber wir können auch Linux und das so, dass "einfach" alles...