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© Galina Peshkova, 123RF

Erleuchtung

Schlanke Desktopalternative Enlightenment

09.07.2013
Die Desktopumgebung Enlightenment ist nicht nur leichtgewichtig und schnell, sondern auch modisch schick – das sagen zumindest die Entwickler. Doch gut aussehen alleine reicht nicht. Wie schlägt sich Enlightenment E17 im Alltag?

Auf den Linux-Desktops hat sich in den letzten paar Jahren allerhand getan. Während KDE und Gnome vor nicht allzu langer Zeit noch versuchten, Windows 95 zu imitieren, und Unity höchstens eine Idee im Kopf von Mark Shuttleworth war, buhlen heute funktionale Desktopumgebungen und farbenprächtige Werkzeuge um die Gunst der Nutzer. Enlightenment [1] (deutsch "Erleuchtung") will in dieser Liga mitspielen, wirbt auf der Homepage mit "Beauty at your fingertips" und ist laut den Machern leichter, schneller, schöner und flexibler als andere Oberflächen.

Was lange währt, wird endlich gut? Enlightenment blickt auf eine ähnlich lange Entstehungszeit zurück wie die großen Desktops. Fast zeitgleich mit KDE (1996) und Gnome (1997) veröffentlichte der Programmierer Carsten Haitzler 1997 die erste Version als Abspaltung des Windowmanagers FVWM [2]. Als eigenständiges Projekt ging es weiter, und Enlightenment war geraume Zeit äußerst beliebt bei den Linuxern – vor allem wegen seiner Flexibilität und Konfigurierbarkeit, die es von damaligen Windowmanagern unterschied. 1999 erschien Version 0.16, E16 oder DR16 genannt. Wie populär Enlightenment damals war, sieht man daran, dass die Gnome-Entwickler es als Unterbau für die erste Fassung ihrer Desktopumgebung verwendeten.

Eine ganze Weile wurde es ruhig um das Projekt. Zwar begannen die Entwickler im Jahr 2000 mit der Arbeit an E17 (auch DR17 genannt), es dauerte aber zwölf Jahre, bis im Dezember 2012 die erste E17-Release erschien. Mittlerweile ist Enlightenment mehr als ein Windowmanager. Etliche Komponenten, Features und Funktionen sind hinzugekommen, so dass inzwischen eine vollwertige Desktopumgebung daraus geworden ist. EasyLinux hat E17 einem umfangreichen Praxistest unterzogen, der einige Überraschungen zu Tage förderte.

Kleine Flamme

Keinen allzu positiven Eindruck hinterließ die Installation auf den Testrechnern. Bei aktuellen OpenSuse- und Ubuntu-Systemen fehlt die aktuelle Enlightenment-Version. Ubuntu 13.04 bietet in den Repositories zwar eine Vorabversion (0.16.999), diese ist allerdings schon etwas angestaubt und spiegelt den Stand vor der offiziellen E17-Release wider. Völlig auf dem Trockenen sitzen OpenSuse-Anwender, denn hier gibt es nicht einmal Pakete mit einer Entwicklerversion.

Eine Internetrecherche förderte für Ubuntu zwei PPA-Repositories auf der Launchpad-Plattform zutage, in denen Sie einmal die stabile Version [3] und einmal die "daily builds" [4] (also tagesaktuelle Fassungen) der Desktopumgebung finden. Auch für OpenSuse steht eine externe Paketquelle [5] zur Verfügung, die es erlaubt, E17 über YaST einzuspielen. Pluspunkte gesammelt hat Enlightenment in diesem Bereich jedoch nicht: Praktisch keine der aktuellen Distributionen liefert die Umgebung in der Voreinstellung aus, und so ist die Einstiegshürde deutlich höher als bei KDE, Gnome & Co.

Sowohl OpenSuse als auch Ubuntu integrieren Enlightenment ins Menü des Anmeldebildschirms, so dass es kein Problem ist, die Umgebung anstelle der üblichen Arbeitsoberfläche beim Login auszuwählen. Wer hofft, dass nun ein bunter Desktop erscheint, der erlebt eine Enttäuschung: E17 startet zunächst einen Einrichtungsassistenten (Abbildung 1), der in zahlreichen Dialogen die bevorzugten Einstellungen abfragt. Einige davon sind durchaus überflüssig. Beispielsweise fragt E17 sowohl das Tastaturlayout als auch die verwendete Sprache ab. Diese Werte sind aber bereits auf Systemebene definiert; warum E17 sie von dort nicht einfach ausliest, ist schleierhaft.

Abbildung 1: Aller Anfang ist schwer: Der Enlightenment-Einrichtungsassistent fragt nach den eigenen Vorlieben – manchmal allerdings unnötig.

Zu den überflüssigen Fragen gesellen sich völlig unverständliche. So will der Assistent zum Beispiel wissen, wie hoch die Fensterleisten sein sollen. Er fragt zudem ab, ob er das Compositing aktivieren darf. Die Berechnungstechnik für grafische Inhalte bereitet heutigen Grafikkarten in der Regel keine Probleme mehr. Im Grunde genommen stellt Enlightenment damit also alle Fragen, die frühere KDE- und Gnome-Umgebungen beim ersten Start stellten. Dass moderne Desktops inzwischen selbständig die Konfiguration vornehmen und dazu verschiedene Parameter des Systems überprüfen, könnte sich E17 durchaus abschauen.

Stilvoll?

Der Einrichtungsassistent erscheint Grau in Grau, und auch das Gesamtbild der Desktopumgebung wirkt ziemlich farblos. In der Standardeinstellung dominieren dunkle Farben (Abbildung 2). Das Standard-Theme heißt Dark und zeigt graue Dialoge mit dunkelblauer Schrift auf einem dunkelgrauen Desktophintergrund. Auf Ubuntu-Systemen sind zudem viel zu kleine Schriften eingestellt, die obendrein ohne Kantenglättung daherkommen und somit ganz sicher kein Augenschmaus sind. Von einer schönen Desktopumgebung darf man mehr erwarten, E17 hinkt den formulierten eigenen Ansprüchen hinterher. Immerhin gibt es einen Theme-Wähler und Webseiten wie E17-Stuff [6] oder die Enlightenment Exchange [7], die zahlreiche Alternativen anbieten (Abbildung 3). Nach dem Download einer der .edj-Dateien importieren Sie den neuen Look per Mausklick.

Abbildung 2: Ziemlich grau sieht das Enlightenment-Standard-Theme aus. Es trägt den passenden Namen "Dark", wie der Themenwähler (rechts im Bild) verrät.
Abbildung 3: Mit dem Theme-Wähler und mit Hilfe von Webseiten wie E17-Stuff hellen Sie die depressive Grundstimmung des Desktops auf.

Enlightenment setzt übrigens nicht auf eine der klassischen grafischen Bibliotheken wie GTK oder Qt. Stattdessen brauen die Entwickler ihr ganz eigenes Süppchen: E17 basiert auf den Enlightenment Foundation Libraries, kurz EFL. Laut Projektseite sind diese Bibliotheken leistungsfähig und flexibel und bieten die ideale Plattform, um eigene grafische Anwendungen zu entwickeln [8]. Für Fans von KDE- und Gnome-Programmen ist es dank EFL allerdings deutlich komplizierter, eine einheitliche Umgebung zu schaffen. Damit GTK- und Qt-Werkzeuge in der gleichen Optik wie der Rest des Desktops erscheinen, installieren Sie eigens dafür gebaute Themes.

Wer KDE-Programme unter Enlightenment nutzen möchte, der sollte im Paketmanager nach qt4-qtconfig suchen und danach mit dem Programm Qt Configuration den GUI Style auf Desktop Settings stellen. Für GTK-Anwendungen steht das Paket detourious-theme zur Verfügung, das ein neues Theme namens Detourious mit drei unterschiedlichen Looks bereitstellt. Wer übrigens verhindern möchte, dass der Gnome-Dateimanager Nautilus nach dem Start die Kontrolle über den Desktophintergrund übernimmt, installiert den DConf-Editor und deaktiviert die beiden Schlüssel show-desktop-icons und draw-background in der Abteilung org / gnome / desktop / background. Ein beherztes killall nautilus sorgt anschließend dafür, dass Nautilus in Zukunft den Desktop in Ruhe lässt.

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