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© Binagel, Fotolia

Homecomputer mit BASIC

Klassiker aus den 80ern wiederbeleben

09.07.2013
Die Vorgänger der PCs waren die Homecomputer: Mit 8-Bit-Prozessoren und um die 64 KByte Arbeitsspeicher waren sie nicht besonders leistungsfähig – sie hatten aber einen BASIC-Interpreter eingebaut, was viele frühe Computerbesitzer zum Programmieren brachte.

In einigen Kellern stehen sie und verstauben, obwohl bei ihrem Anblick manches Sammlerherz höher schlagen und der Oldtimer-Experte die Schätzchen in eine Vitrine stellen würde: Die Rede ist von Homecomputern aus den 80er Jahren – und damit von den ersten Geräten, welche die privaten Haushalte eroberten und mehr als eine Partie Pong boten. Ernsthaft benutzen wollen heute nur noch wenige Anwender einen solchen Rechner; wer ihn in funktionsfähiger Form besitzt und einschaltet, merkt schnell, dass die Homecomputer mit heutigen PCs wenig gemeinsam haben. Die Bildschirmauflösung ist niedrig (einige Geräte können wegen zu weniger Pixel nur 40 Zeichen pro Zeile darstellen), der Prozessor schnarchend langsam (typisch: 1 MHz), und Arbeitsspeichergrößen zwischen 32 und 128 KByte sowie Kassetten und kleine Disketten als Datenträger machen deutlich, dass man hier nicht viel Leistung erwarten darf.

Praktisch alle Homecomputer starten einen im ROM eingebauten BASIC-Interpreter und sind direkt nach dem Einschalten betriebsbereit: Sie warten dann darauf, dass der Anwender beginnt, ein BASIC-Programm einzutippen (oder von Kassette/Diskette nachzuladen). Für den spielerischen Einstieg in die BASIC-Programmierung reicht das aus, und erste einfache Programme sind schnell erstellt.

Die alten Geräte tauchen immer wieder in Ebay-Auktionen auf, doch auch wer kein solches Technikschätzchen besitzt, kann über einen Emulator in den Genuss der 8-Bit-Welt kommen. Wir stellen in diesem Artikel Emulatoren für zwei Geräte vor, die in den 80er Jahren populär waren, und helfen bei den ersten Schritten mit dem eingebauten BASIC.

Commodore C64

Der erfolgreichste Homecomputer war der Commodore C64 [1] (Abbildung 1): Der Name weist darauf hin, dass dieser Rechner mit 64 KByte Speicher ausgestattet war (es gab auch einen Nachfolger namens C128 mit doppeltem RAM), und die meisten Computerspiele wurden in den 80ern zunächst für den C64 entwickelt und dann eventuell auf andere Homecomputer portiert. Insofern war der C64 "Mainstream", und wer als Schüler in diesen Tagen ein anderes Gerät besaß, war eher Außenseiter.

© Bill BertramAbbildung 1: Der Commodore C64 wurde und wird von seinen Fans liebevoll "Brotkasten" genannt.

Für den C64 gibt es zahlreiche Emulatoren für Windows, Linux, Mac OS und sogar Mobilbetriebssysteme. Von den unter Linux verfügbaren Programmen haben wir uns VICE [2] und Frodo [3] angesehen. VICE betrachten viele Anwender als den besten C64-Emulator, im Test hatten wir allerdings Probleme mit der Tastaturbelegung; es waren nicht alle fürs Programmieren nötigen Buchstaben erreichbar. Außerdem fehlen bei den VICE-Paketen für Linux die ROM-Dateien des C64, ohne die er nicht funktioniert – Sie können diese zwar problemlos nachträglich herunterladen (siehe Kästen zur Installation), aber das macht die Ersteinrichtung umständlicher.

Frodo funktionierte auf Anhieb, lief allerdings etwas langsamer als VICE. Da wir keine Frodo-Pakete für Ubuntu finden konnten, haben wir noch eine weitere Alternative gesucht und diese in CCS64 [6] gefunden: Das ist ein alter C64-Emulator für MS-DOS, den Sie mit Hilfe von dosbox (einem DOS-Emulator für Linux) starten können.

Hinweise zur Installation finden Sie in den Kästen Installation unter OpenSuse und Installation unter Ubuntu für die beiden Linux-Distributionen.

Wenn Sie den emulierten C64 starten, erscheint seine Einschaltmeldung in weißer Schrift auf dem typischen blauen Hintergrund; Blau war bei Homecomputern allgemein sehr beliebt.

Abbildung 2: Geschafft: Der C64 läuft, und der Cursor blinkt.

Installation unter OpenSuse

OpenSuse-Anwender müssen zunächst eine spezielle Paketquelle (ein Repository) einrichten, die nur Emulatoren enthält. Das geht am schnellsten auf der Kommandozeile: Öffnen Sie mit [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole ein Terminalfenster und geben Sie darin das folgende Kommando ein, um das Repository zu ergänzen:

sudo zypper ar http://download.opensuse.org/repositories/Emulators/openSUSE_12.3/Emulators.repo

(Anwender von OpenSuse 12.2 oder einer älteren Version passen die Versionsnummer in der Adresse an, also z. B. .../openSUSE_12.2/... statt .../openSUSE_12.3/...)

Für die Installation der Emulatoren verwenden Sie dann eines oder mehrere der folgenden Kommandos:

  • VICE: sudo zypper in vice
  • Frodo: sudo zypper in Frodo
  • CPCemu: sudo zypper in cpcemu

Für VICE benötigen Sie anschließend noch die ROM-Dateien; die Installationsanleitung dazu ist von der Distribution unabhängig – Sie finden sie im Kasten ROMs für VICE.

Nach der Installation starten Sie die Emulatoren, indem Sie mit [Alt]+[F2] ein Schnellstartfenster öffnen und darin x64 (für den C64-Emulator VICE), Frodo (für Frodo) oder cpcemu (für den CPC 6128) eingeben.

Installation unter Kubuntu

Den C64-Emulator VICE finden Sie unter Kubuntu im Multiverse-Repository, das zunächst nicht eingebunden ist. Das ändern Sie wie folgt:

Starten Sie über Anwendungen / System / Paketverwaltung (Muon-Paketverwaltung) die Paketverwaltung und wählen Sie darin den Menüpunkt Einstellungen / Configure Software Sources aus; Sie müssen danach Ihr Passwort eingeben.

Im Fenster Software-Paketquellen (Abbildung 3) prüfen Sie, dass bis auf den Eintrag Quelltext alle Häkchen gesetzt sind, und klicken dann auf Schließen.

Abbildung 3: In Ubuntus Paketverwaltung aktivieren Sie alle Repositories.

Verlassen Sie dann die Paketverwaltung und starten Sie diese erneut. Jetzt können Sie die Suchfunktion über das Eingabefeld rechts oben verwenden: Geben Sie als Suchbegriff C64 ein, wählen Sie unter den Treffern den Eintrag Commodore 64 aus und klicken Sie auf Installieren. Danach müssen Sie noch die ROM-Dateien installieren; die Installationsanleitung dazu ist von der Distribution unabhängig – Sie finden sie im Kasten ROMs für VICE. Sie starten VICE anschließend, indem Sie mit [Alt]+[F2] ein Schnellstartfenster öffnen und darin x64 eingeben.

Frodo ist nicht als Ubuntu-Paket verfügbar; Sie können aber den für DOS entwickelten Emulator CCS64 verwenden. Installieren Sie zunächst über die Paketverwaltung das Paket dosbox und laden Sie dann das CCS64-Paket (CCS64DOS.ZIP) von der Downloadseite [7] herunter. Entpacken Sie das ZIP-Archiv – es enthält eine Datei ccs64.exe. Wechseln Sie im Dateimanager in den Ordner mit der Datei und klicken Sie diese an – im Dialog Öffnen mit, der dann erscheint, geben Sie dosbox ein und drücken [Eingabe]. Dann startet der C64; die ROMs sind hier bereits enthalten.

Für den Schneider CPC gibt es auf der CPCemu-Projektseite [5] ein Archiv cpcemu-linux-x86-1.7.tar.gz, das Sie herunterladen und unter Ubuntu nutzen können. Es ist für 32-Bit-Linux-Versionen gedacht: Wenn Sie eine solche verwenden, können Sie das Paket einfach entpacken, in das neu erstellte Unterverzeichnis cpcemu-1.7 wechseln und die darin enthaltene Programmdatei cpc6128 anklicken.

Arbeiten Sie mit einer 64-Bit-Version von Ubuntu oder Kubuntu, installieren Sie vorher noch über die Paketverwaltung das Paket ia32-libs – es enthält Bibliotheken, die Ubuntu für die Verwendung von 32-Bit-Programmen braucht.

Wenn der Emulator läuft, wählen Sie zunächst die Sprache aus. Es erscheint dann ein Begrüßungsbildschirm, den Sie mit [Eingabe] verlassen, dann startet der CPC.

ROMs für VICE

VICE emuliert nur die Hardware eines C64 – für den Betrieb brauchen Sie aber auch die Software, die beim echten C64 in einem ROM-Baustein steckt. Die benötigten Dateien sind in der Windows-Version von VICE schon enthalten, bei den Linux-Paketen fehlen sie.

Laden Sie das Windows-Programmpaket WinVICE-2.4-x86.zip von der VICE-Projekt-Homepage [2] herunter und entpacken Sie es mit dem Dateimanager. Wechseln Sie dann in den neuen Unterordner WinVICE-2.4-x86.

Öffnen Sie ein zweites Dateimanagerfenster und erzeugen Sie in Ihrem Home-Verzeichnis einen Ordner .vice. Nun kopieren Sie aus dem WinVICE-Ordner alle Verzeichnisse, deren Namen nur Großbuchstaben und Zahlen enthalten (C64, C128, DRIVES usw.) in das neue Verzeichnis .vice.

Danach starten Sie den emulierten C64 über [Alt]+[F2] und Eingabe von x64 (mit "x", nicht mit "c") in das Schnellstartfenster.

Schneider CPC

Vom Schneider CPC (Colour Personal Computer) [4] (Abbildung 4) gibt es drei Varianten: Die CPCs 464 und 664 mit 64 KByte RAM und den CPC 6128 mit 128 KByte RAM. Die erste Zahl (4 oder 6) steht für den fest eingebauten Datenträger: Der älteste CPC hat ein Kassettenlaufwerk für klassische Audiokassetten, während die beiden Modelle mit der "6" am Anfang ein 3-Zoll-Diskettenlaufwerk besitzen. Das ist kein Schreibfehler: Es sind wirklich 3-Zoll- und nicht die bei PCs üblichen 3,5-Zoll-Disketten.

© MOS6502, WikipediaAbbildung 4: Der Schneider CPC 6128 ist das größte Modell der CPC-Familie.

Das BASIC im Schneider CPC ist leistungsfähiger und auch schneller als die Variante im C64, außerdem können die CPCs mit Diskettenlaufwerk ein echtes Betriebssystem booten: CP/M erinnert von der Bedienung stark an MS-DOS, und es waren einige Programme aus der MS-DOS-Welt auch für CP/M verfügbar, z. B. der Pascal-Compiler Turbo Pascal und die Textverarbeitung WordStar.

Auch für den CPC gibt es viele Emulatoren, wir haben für diesen Artikel das Programm CPCemu [5] verwendet (Abbildung 5), für dessen Installation Sie wieder die Anleitungen in den Kästen Installation unter OpenSuse und Installation unter Ubuntu nutzen können.

Abbildung 5: CPCemu kann alle Versionen des Schneider CPC emulieren.

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