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Virtuell reicht auch

Windows 8 mit VirtualBox unter Linux nutzen

05.04.2013
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Der Dual-Boot-Betrieb von Linux und Windows 8 lässt sich bequem umgehen, indem Sie Windows in einer virtuellen Maschine installieren. Dann nutzen Sie zudem Anwendungen beider Systeme gleichzeitig und müssen seltener booten.

Wer in erster Linie unter Linux arbeitet und Windows nur gelegentlich für ein Programm bootet, von dem es keine Linux-Version gibt, kann Windows einfach in einer virtuellen Maschine (VM) installieren: Wie das geht, beschreibt dieser Artikel. Sie benötigen dazu aber eine reguläre Installations-DVD mit Windows 8; eine Recovery-DVD oder ein Backup des bestehenden Windows-Systems sind nicht geeignet. Auch der umgekehrte Weg (Linux in einer VM unter Windows) ist möglich [4].

VirtualBox

VirtualBox [1] gehört mittlerweile zu Oracle, ist aber weiterhin für die private Nutzung gratis auf der Webseite erhältlich. Neben der kostenlosen (aber nicht-freien Lizenz) gibt es noch eine GPL-2-Version, die jeder ohne Einschränkung frei verwenden darf. Allerdings fehlen ihr, gegenüber der proprietären Variante, einige Funktionen, darunter der USB-2.0-Support.

Im Downloadbereich [2] gibt es u. a. für OpenSuse und Ubuntu passende Pakete. Alternativ nutzen Sie die auf der Heft-DVD enthaltene Version. Einen älteren EasyLinux-Artikel, der sich ausführlich mit der Einrichtung von VirtualBox beschäftigt, finden Sie im Heftarchiv auf Linux-Community-Seite [3].

Start und Konfiguration

Nach der Installation starten Sie VirtualBox über das K-Menü und bestätigen die Lizenzvereinbarung. Bei Bedarf ändern Sie über Datei / Globale Einstellungen einige allgemeine Vorgaben, etwa den Speicherort für die virtuellen Festplatten oder die Taste, die Sie für Aktionen wie Umschalten in den Vollbildmodus (und zurück) verwenden; standardmäßig ist das die rechte Strg-Taste [StrgR].

Um eine neue virtuelle Maschine für Windows 8 anzulegen, klicken Sie im Hauptfenster auf das Icon Neu. Daraufhin öffnet sich ein Dialog, in dem Sie den Namen sowie das Betriebssystem eingeben. Nennen Sie die VM am besten Windows 8, dann erkennt das Programm automatisch die Betriebssystemversion und stellt die Vorgaben passend ein (1 GByte RAM, 25 GByte Plattenplatz, Abbildung 1). Beachten Sie aber, dass VirtualBox beim Start des Gasts stets den kompletten Speicher in Beschlag nimmt. Lassen Sie also beim Festlegen des Hauptspeichers für das Host-System noch genug übrig. Bei der Konfiguration der virtuellen Platte können Sie die Option Dynamisch wachsendes Medium wählen, um nur so viel Platz auf Ihrer echten Platte zu belegen, wie die VM wirklich braucht. Wenn der Assistent für die neue VM seine Arbeit beendet hat, erscheint die neue VM links im VirtualBox-Fenster.

Abbildung 1: Beim Einrichten der virtuellen Maschine vergeben Sie den Namen "Windows 8".

Feintuning

Wünschen Sie einen Dateiaustausch zwischen Windows-Gast und Linux-Wirt, wechseln Sie in die Rubrik Gemeinsame Ordner. Ein Klick auf das Ordnersymbol mit dem grünen Plus-Zeichen öffnet den Dialog, in dem Sie das Verzeichnis auswählen und einen Freigabenamen eintragen. Letzterer erscheint später im Windows-Explorer bei den Netzwerkfreigaben. Geben Sie z. B. einen Unterordner Ihres Home-Verzeichnis (etwa: /home/benutzer/share) frei, den Sie zuvor für diesen Zweck anlegen (Abbildung 2) – und beachten Sie, dass auch Windows-Malware, die Sie sich vielleicht einfangen, Zugriff auf diesen Ordner erhält. Darum sollten Sie nicht das ganze Home-Verzeichnis freigeben.

Abbildung 2: Über eine Ordnerfreigabe können Sie Dateien gemeinsam unter Linux und Windows nutzen.

Die Voreinstellungen zur Netzwerkkarte sollten in der Regel passen, sie ermöglichen dem Gast-Windows Zugriff aufs Internet (sofern der Linux-PC online ist). Tragen Sie unter Massenspeicher durch Klick auf das CD-Icon und Auswahl von Datei für virtuelles CD/DVD-ROM-Medium auswählen noch den Pfad zur ISO-Datei der Windows-Installations-DVD ein oder wählen Sie an derselben Stelle Hostlaufwerk (sr0), um die VM von einer echten DVD im Laufwerk zu booten.

Windows booten

Um die fertig konfigurierte VM zu starten, klicken Sie auf das Icon Starten über der VM-Liste. Dann öffnet sich ein neues Fenster, in dem die neue Maschine bootet. Um darin zu arbeiten, klicken Sie mit der Maus in das Fenster, worauf die Software Maus und Tastatur "einfängt", und deren Eingaben in den Gast umleitet. Mit [StrgR] verlassen Sie diesen Modus wieder. Ab diesem Punkt läuft in der VM alles wie beim Startvorgang eines realen Rechners ab. Der Windows-8-Installer bootet vom ISO-Image (oder von der DVD) und führt Sie durch die Windows-Einrichtung.

VirtualBox bietet für das Gastsystem die Installation so genannter Gasterweiterungen an. Diese sorgen unter anderem dafür, dass der Gast die Maus und Tastatur automatisch "einfängt", wenn Sie den Mauszeiger in das Fenster bewegen, und erlauben den Zugriff auf die Ordnerfreigaben. Im Windows-8-Gast müssen Sie die Erweiterungen manuell nachinstallieren. Rufen Sie dafür bei laufendem Windows-Gast den Menüpunkt Geräte/ Gasterweiterungen installieren auf. Damit hängt VirtualBox ein ISO-Image mit der notwendigen Software in das DVD-Laufwerk des Gastsystems ein. Bei deren Einrichtung unter Windows müssen Sie mehrmals bestätigen, dass Sie die Installation dieser Software zulassen.

Wollen Sie aus der VM heraus auf ein anderes ISO-Image oder eine echte DVD zugreifen, rechtsklicken Sie auf das CD-Symbol am unteren Rand des VM-Fensters und wählen aus dem Kontextmenü eines der bereits bekannten ISO-Images oder das Laufwerk aus. Wollen Sie ein neues Image erstmals nutzen, können Sie auch hier über Datei für virtuelles CD/DVD-Medium auswählen das neue Image auf der Linux-Platte suchen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Auch im laufenden Betrieb können Sie ein neues ISO-Image "einlegen".

Vollbild- und Nahtlosmodus

Wenn Sie im virtuellen Windows die Gasterweiterungen installiert haben, können Sie die Ansicht auf viele Arten beeinflussen: Um die Desktopgröße zu ändern, genügt es z. B., das VM-Fenster in die gewünschte Größe zu ziehen. Windows passt sich automatisch daran an.

Wollen Sie nur einzelne Windows-Programme nutzen, können Sie in den nahtlosen Modus wechseln. In diesem blendet VirtualBox den Windows-Desktop aus und zeigt die darin gestarteten Applikationen direkt als Fenster auf dem Linux-Desktop an. Darüber hinaus erscheint die Taskleiste am gewöhnten Platz, was es Ihnen ermöglicht, auf einfache Weise weitere Programme zu starten (Abbildung 4). Die Anzeige der Startseite mit den Kacheln funktioniert hier allerdings nicht; der nahtlose Modus ist nur für den Betrieb im Desktopmodus geeignet. Haben Sie versehentlich mit [Windows] zur gekachtelten Startseite umgeschaltet, drücken Sie einfach erneut [Windows], um die Kacheln wieder verschwinden zu lassen.

Abbildung 4: Im "nahtlosen Modus" zeigt VirtualBox Windows-Programme in separaten Fenstern auf dem Linux-Desktop an; hier sehen Sie einen Internet Explorer (Windows) und Firefox (Linux). Am unteren Rand liegen die Taskleisten beider Systeme.

Um zwischen den Ansichten zu wechseln, rufen Sie entweder den Menüpunkt Maschine / Nahtlosen Modus einschalten auf oder drücken [StrgR]+[L]. Eine weitere nützliche Variante ist der Vollbildmodus, den Sie mit [StrgR]+[F] ein- und wieder ausschalten; solange er aktiv ist, verschwindet der Linux-Desktop, und Sie können Windows 8 so verwenden, als würde es allein auf der Maschine laufen – inklusive Kachelstartseite und -anwendungen.

Fazit

Mit einer VirtualBox-VM nutzen Sie Windows 8 und die dort verfügbaren Programme bequem unter Linux, ohne sich mit Partitionierung und den besonderen Problemen auf UEFI-Rechnern beschäftigen zu müssen. Allerdings brauchen Sie für die Einrichtung eine vollwertige Windows-8-Installations-DVD, was für Käufer eines mit Windows 8 vorinstallierten PCs problematisch sein kann. Haben Sie noch eine ältere Windows-DVD mit Vista oder Windows 7, ist deren Verwendung oft leichter.

Infos

[1] VirtualBox: http://www.virtualbox.org

[2] VirtualBox-Downloads: http://www.virtualbox.org/wiki/Downloads

[3] VirtualBox-Artikel: Thomas Leichtenstern, "System im System", EasyLinux 01/2011, S. 43 ff., http://www.linux-community.de/artikel/22378

[4] Linux unter Windows: Hans-Georg Eßer, "Linux rein virtuell", EasyLinux 01/2012, S. 54 ff., http://linux-community.de/artikel/25170

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