Doppelte Bits

Von 32 nach 64 Bit

Die neuen UEFI-Rechner dürften die 32-Bit-Versionen der Linux-Distributionen in naher Zukunft obsolet machen; die 64-Bit-Varianten sind inzwischen so vollständig, dass ein Umstieg problemlos ist. Nur sehr alte Rechner besitzen noch einen 32-Bit-Prozessor, auf dem kein 64-Bit-Linux läuft.

Die gute Nachricht für alle Umsteiger von 32- auf 64-Bit-Linux ist, dass persönliche Daten, wie etwa Office-Dokumente, Bilder oder die Musiksammlung, nicht von dieser Änderung betroffen sind: Lediglich das Betriebssystem selbst und die Anwendungsprogramme müssen auf 64 Bit umgestellt werden, sie unterstützen aber anschließend die gleichen Dateiformate wie vorher, und alle auf der 32-Bit-Version installierten Linux-Programme gibt es auch als 64-bittige Variante.

Die schlechte Nachricht ist, dass Sie nicht einfach über den Upgrade-Modus des Installationsprogramms aktualisieren können – wenn Sie z. B. auf Ihrem Rechner aktuell mit OpenSuse 12.2 in der 32-Bit-Version arbeiten und künftig die auf der Heft-DVD enthaltene OpenSuse-Version 12.3 in 64 Bit nutzen möchten, ist das nur über eine Neuinstallation (mit Formatieren, also Überschreiben der bisherigen Linux-Partition) möglich. Der erste Schritt vor dem Wechsel ist darum ein Backup Ihres Home-Verzeichnisses.

Private Daten sichern

Am einfachsten ist die Sicherung der privaten Daten auf einem USB-Stick. Diese gibt es günstig schon mit bis zu 64 GByte Speicherplatz, was für die meisten Anwender ausreichen sollte. Wir verwenden für alle Schritte Shell-Befehle, weil Sie damit schneller die Aufgaben bewältigen als etwa mit dem Dateimanager Dolphin. Für Lösungen, die grafische Tools einsetzen, finden Sie in der letzten EasyLinux-Ausgabe (Heft 01/2013) eine Reihe von nützlichen Artikeln: Dort war Datensicherung das Titelthema [1,2].

Schließen Sie den USB-Stick an und finden Sie heraus, in welchem Verzeichnis das System ihn einbindet; das wird ein Unterordner von /media sein, im Folgenden gehen wir davon aus, dass der Ordner /media/STICK heißt. Ersetzen Sie also in allen Schritten STICK durch den korrekten Ordnernamen. (Linux verwendet die Datenträgerbezeichnung des USB-Sticks als Name für das neu erzeugte Unterverzeichnis.)

Öffnen Sie mit [Alt]+[F2] ein Terminalfenster und melden Sie sich darin als Administrator root an, indem Sie sudo su und dann Ihr Passwort (Ubuntu) bzw. das Root-Passwort (OpenSuse, meist mit dem eigenen Passwort identisch) eingeben.

Prüfen Sie zunächst, ob die Daten auf den Stick passen:

du -sm /home
df -h /media/STICK

Wenn der Platz ausreicht, sichern Sie alle Home-Verzeichnisse in einer Archivdatei, die Sie direkt auf den Stick schreiben:

tar czf /media/STICK/home-backup.tgz /home

Paketliste sichern

Falls Sie auf Ihrem bisherigen System aufwendig sehr viele Programme nachinstalliert haben, lohnt es sich eventuell, die Paketliste zu sichern. Auf Debian-basierten Systemen (z. B. Ubuntu/Kubuntu, Linux Mint und Knoppix) klappt das mit folgendem dpkg-Aufruf (siehe auch Tipps 2 und 3 auf Seite 93 dieser Ausgabe):

dpkg --get-selections > Dateiname

OpenSuse verwendet das RPM-Paketformat, hier geben Sie

rpm -qa > Dateiname

ein, um eine Paketliste zu erstellen. Die so erzeugte Datei sollten Sie dann ebenfalls auf den USB-Stick kopieren.

Neuinstallation

Wenn Sie sicher sind, dass Sie alle wichtigen Dateien gerettet haben, können Sie die Neuinstallation einer Linux-Distribution Ihrer Wahl starten. Die bisherige Plattenaufteilung können Sie bei der Partitionierung übernehmen, Sie müssen die Linux-Root-Partition aber formatieren, um alle Spuren des alten Systems zu entfernen. Wählen Sie im Installer vor allem nicht die Upgrade- oder Aktualisierungsoption für die alte Linux-Version – selbst, wenn der Installer dies anbieten sollte – OpenSuse verhindert einen solchen Versuch (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Kein Cross-Upgrade: Der OpenSuse-Installer verweigert das Upgrade von Version 12.2 (32 bit) auf Version 12.3 (64 bit).

Hatten Sie bisher eine separate Partition für die Home-Verzeichnisse in /home, dann binden Sie diese auch im neuen System wieder unter /home ein und geben an, dass sie nicht (!) formatiert wird – die privaten Dateien bleiben dann erhalten, und Sie sparen sich die Rücksicherung im nächsten Schritt. Das vorher erstellte Backup ist trotzdem sinnvoll, weil bei einer Linux-Installation immer etwas schief gehen kann.

Private Daten zurück kopieren

Die folgenden Schritte sind nur nötig, wenn Sie keine separate Home-Partition verwenden und durch die Neuinstallation Ihre privaten Dateien gelöscht haben.

Öffnen Sie im frisch installierten System ein Terminalfenster und werden Sie darin über sudo su zum Administrator root; dazu ist die Eingabe des Root-Passworts (OpenSuse) bzw. Ihres eigenen Passworts (Ubuntu) nötig. Dann wechseln Sie mit cd /home in den Ordner, der die Home-Verzeichnisse enthält. Lassen Sie sich den Inhalt des Ordners mit ls -l anzeigen; Sie sollten dort einen Ordner finden, der Ihren Benutzernamen hat. Benennen Sie ihn mit dem mv-Kommando um:

mv name name.old

Falls Sie bereits mehrere Benutzerkonten angelegt haben, wiederholen Sie den Schritt für alle hier liegenden Ordner, so dass nur Verzeichnisse übrig bleiben, deren Namen auf .old enden.

Jetzt können Sie den USB-Stick anschließen und mit dem Kommando

tar xzf /media/STICK/Datei -C /

das gesicherte Archiv mit den Home-Verzeichnissen entpacken. (Die Option -C / am Ende sorgt dafür, dass das Archiv relativ zum Wurzelverzeichnis entpackt wird; ohne die Option würde im Arbeitsverzeichnis ein neuer Unterordner home entstehen.)

Prüfen Sie danach, dass die Home-Verzeichnisse wieder vorhanden sind und auch den richtigen Besitzern gehören – ist das nicht der Fall, verwenden Sie (für jedes Konto) das Kommando

chown -R name name

Dass hier name zweimal als Argument auftaucht, ist kein Fehler: Vorne steht es für Ihren Benutzernamen, hinten für den (identischen) Namen Ihres Home-Verzeichnisses. Prüfen Sie erneut mit ls -l, dass die Besitzverhältnisse stimmen. Wenn es nur ein Benutzerkonto gibt, sollte die Ausgabe wie in Abbildung 2 aussehen.

Abbildung 2

Abbildung 2: "ls -l" zeigt, dass das Home-Verzeichnis "name" dem gleichnamigen Benutzer "name" gehört.

Pakete neu einspielen

Im letzten Schritt können Sie nun noch die Auswahl der installierten Pakete wiederherstellen. Unter Ubuntu/Kubuntu, Linux Mint und Knoppix erledigen Sie das mit folgenden Befehlen

sudo dpkg --set-selections < Dateiname
dpkg --yet-to-unpack
apt-get dselect-upgrade

wobei Sie Dateiname durch den Namen der weiter oben erzeugten Datei ersetzen müssen, die Sie auf den USB-Stick kopiert haben.

OpenSuse-Anwender können leider nicht ähnlich komfortabel die Pakete neu einspielen, hier ist ein manueller Blick in die gesicherte Paketliste nötig: Wenn Sie dort Pakete finden, die auf dem neuen System fehlen, suchen Sie diese manuell in der Paketverwaltung von YaST und spielen sie wieder ein.

Damit ist dann alles erledigt: Ab sofort treibt ein 64-Bit-Linux Ihren Computer an, und Sie können ab der kommenden EasyLinux-Ausgabe auch die Updater-Pakete auf der Service-Kit-DVD weiter nutzen, die wir dann nur noch im 64-Bit-Format bereitstellen.

Infos

[1] Backup auf USB-Stick: Hans-Georg Eßer, "Backup via USB", EasyLinux 01/2013, S. 36 ff.

[2] Backup über das Netzwerk: Hans-Georg Eßer, "Backup im Netz", EasyLinux 01/2013, S. 40 ff., http://linux-community.de/artikel/28133

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