Shell-Tipps

Know-how für die Kommandozeile

05.04.2013
Erfahrene Linux-Nutzer schwören auf flexible Kommandozeilentools, mit denen sich manche Aufgabe schneller bewältigen lässt als in grafischen Programmen. Wir stellen die wichtigsten Anwendungen vor, um auch Einsteiger zu einem Ausflug in die Shell zu ermutigen.

Tipp: Benutzerverwaltung auf der Shell

Alle von EasyLinux unterstützten Distributionen stellen grafische Programme zur Verfügung, um Benutzeraccounts zu verwalten (Abbildung 1). So fügen Sie mit wenigen Mausklicks neue Benutzer hinzu, entfernen nicht mehr benötigte oder modifizieren bestehende. Wenn Sie lieber auf der Shell arbeiten, etwa weil Sie administrative Aufgaben auf einem entfernten Server durchführen, dann nutzen Sie die Kommandos für die Benutzerverwaltung.

Die drei Befehle useradd, usermod und userdel legen neue Accounts an, verändern existierende und löschen nicht mehr benötigte. Sowohl unter OpenSuse als auch unter Ubuntu gehören die Werkzeuge zum Standardlieferumfang. Das Paket pwdutils (OpenSuse) bzw. passwd (Ubuntu) stellt sie bereit. Alle Kommandos greifen ins System ein und benötigen daher Root-Rechte. Stellen Sie darum bei den in den nächsten drei Tipps gezeigten Befehlen jeweils sudo voran und authentifizieren Sie sich mit Ihrem Passwort.

Abbildung 1: Benutzernamen, Passwörter, Zugriffsrechte – das alles und noch einiges mehr konfigurieren Sie auf den meisten Systemen mit einer grafischen Anwendung (hier Ubuntu).

Tipp: Einen neuen Account hinzufügen ("useradd")

Neue Benutzer erstellen Sie mit dem Kommando useradd. Um eine Kurzübersicht über alle Optionen zu erhalten, geben Sie unter Ubuntu den Befehl ohne weitere Parameter ein; unter OpenSuse blendet --help die Liste ein. Praktischerweise bringt useradd bestimmte Standardeinstellungen zum Anlegen der neuen Accounts mit, so dass Sie sich nicht alle Aufrufoptionen merken müssen. Um diese in Erfahrung zu bringen, geben Sie unter Ubuntu Folgendes ein:

sudo useradd -D

Auch hier weicht die OpenSuse-Syntax leicht ab; das Kommando lautet stattdessen:

sudo useradd --show-defaults

Abbildung 2 zeigt die Defaultwerte für OpenSuse (links) und Ubuntu (rechts) nebeneinander. Auf beiden Distributionen nutzt das Programm diese Variablen beim Erstellen neuer Accounts, so dass es ausreicht, sudo useradd benutzer zu tippen. Ein Home-Verzeichnis für die persönlichen Daten legt der Befehl nicht an. Um dieses gleich mit zu erstellen, tippen Sie daher auf beiden Systemen:

sudo useradd -m Benutzer

Im Aufruf ersetzen Sie benutzer durch den Namen des Accounts. Ein anschließender Blick ins neue Home-Verzeichnis zeigt, dass dieses existiert und ein paar grundlegende Konfigurationsdateien sowie einige Ordner (nur OpenSuse) enthält. Zur Anzeige auf der Shell können Sie das Kommando ls nutzen; verwenden Sie die Option -a, um versteckte Dateien (also solche, die mit einem Punkt beginnen) einzublenden:

$ sudo useradd -m petronella
$ ls -a /home/petronella
.  ..  .bash_logout  .bashrc  examples.desktop  .profile

Verantwortlich für den Inhalt sind die Vorlagen im Verzeichnis /etc/skel. Bei Ubuntu-Systemen liegen dort lediglich die vier Dateien, die das letzte Listing zeigt. OpenSuse bringt dort zusätzlich einige versteckte und sichtbare Ordner sowie etliche weitere Konfigurationsdateien unter. Alle Account-Verwaltungstools – die Shell-Werkzeuge und auch die grafischen Programme – kopieren den Inhalt von /etc/skel als Grundgerüst für neue Benutzer in deren Home-Verzeichnis.

Abbildung 2: OpenSuse und Ubuntu haben "useradd" unterschiedliche Standardeinstellungen verpasst.

Damit sich der neue Benutzer auch anmelden kann, geben Sie diesem noch ein Passwort. Dazu verwenden Sie den Befehl passwd zusammen mit dem neuen Benutzernamen. Auf Aufforderung tippen Sie das neue Kennwort und wiederholen es, um Vertipper auszuschließen:

$ sudo passwd petronella
Geben Sie ein neues UNIX-Passwort ein:
Geben Sie das neue UNIX-Passwort erneut ein:
passwd: Passwort erfolgreich geändert

Beachten Sie, dass bei der Passworteingabe keine Sternchen als visuelles Feedback erscheinen, Sie also "blind" tippen.

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