Linux-Tipps

Kniffe, die Sie kennen sollten

05.04.2013
In diesen Linux-Tipps stellen wir Ihnen einige praktische Kniffe zu Firefox und Thunderbird vor. Der Browser hat einen neuen PDF-Betrachter und verwendet Schlüsselwörter für Lesezeichen, und das Mailprogramm machen wir fit für IMAP und viele Mailfolder.

Tipp: Firefox: PDF-Dateien direkt im Browser anzeigen

Dateien im Portable Document Format (Endung .pdf) tummeln sich im Netz zuhauf. Hard- und Softwarehersteller nutzen das Format gerne für ihre Dokumentationen, und auch elektronische Bücher und Zeitschriften gelangen so zum Leser. Wenn Sie bisher einen Link zu einer PDF-Datei in Firefox angeklickt haben, stellte der Browser Sie vor die Wahl: Wollen Sie die Datei im Standardprogramm, in einer anderen Anwendung öffnen oder herunterladen?

In die neueste Firefox-Version 19 hat Mozilla nun eine Funktion zur direkten Anzeige von PDF-Dokumenten integriert. Wenn Sie einen Link anklicken, der auf eine solche Datei zeigt, so startet automatisch der integrierte Betrachter (Abbildung 1). Über die beiden Pfeilsymbole können Sie im Dokument blättern und im Feld daneben direkt zu einer Seite springen. Mit den Plus- und Minusknöpfen zoomen Sie hinein oder heraus, und das Drop-down-Menü Automatischer Zoom bietet verschiedene Vergrößerungsstufen an.

Ganz links blenden Sie über einen Klick auf das Icon eine Seitenleiste ein. In dieser zeigen Sie entweder Thumbnails der Seiten oder die Dokumentstruktur an. Der vierte Knopf von rechts startet das PDF im Präsentationsmodus und wechselt zur Vollbildansicht. Daneben finden Sie ein Symbol, um die Datei auszudrucken. Einige Dateien zeigt der Browser noch fehlerhaft an. So kommt es etwa vor, dass Grafiken fehlen oder die Schrift unleserlich ist. In diesem Fall klicken Sie auf das zweite Symbol von rechts, das ein Blatt Papier mit einem Pfeil nach unten zeigt. Speichern Sie die Datei auf der lokalen Festplatte ab, um sie wie gewohnt mit einem Betrachter Ihrer Wahl zu öffnen.

Abbildung 1: Die aktuelle Firefox-Version 19 zeigt PDF-Dateien jetzt direkt im Browser an.

Tipp: Firefox: PDF-Betrachter deaktivieren

Gefällt Ihnen die eingebaute PDF-Anzeige gar nicht, können Sie das neue Feature schnell wieder deaktivieren. Dazu öffnen Sie über das Menü Bearbeiten / Einstellungen und wechseln zum Tab Anwendugen. Geben Sie ins Suchfeld pdf als Filter ein und klicken Sie auf den Eintrag Portable Document Format. Im Drop-down-Menü unter Aktion wählen Sie nun anstelle von Vorschau in Firefox zum Beispiel Jedes Mal nachfragen, Datei speichern, Dokument-Betrachter verwenden (Standard) oder eine andere Anwendung.

Tipp: Firefox: Schlüsselwörter für Lesezeichen setzen

Die Firefox-Bookmarks können Sie mit Schlüsselwörtern versehen und damit die Suche im Netz beschleunigen. Anstelle erst auf eine Suchmaschine, Wikipedia, Ebay oder ein anderes Portal zu gehen und den Suchbegriff einzutippen, können Sie mit einem Schlüsselwort direkt über die Adresszeile des Browsers nach etwas fahnden. Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt am Beispiel der deutschen Wikipedia-Seite [1], wie's geht:

  1. Öffnen Sie die Enzyklopädie wie gewohnt, zum Beispiel über Eingabe von http://de.wikipedia.org in die Firefox-Adresszeile.
  2. Tippen Sie dort ins Feld Suchen den gewünschten Begriff ohne Leerzeichen ein. Lautet das Wort etwa Ubuntu, öffnet sich der Artikel mit der URL http://de.wikipedia.org/wiki/Ubuntu.
  3. Daraus leiten Sie ab, dass Sie einzelne Wiki-Artikel jeweils über http://de.wikipedia.org/wiki/ und den an diese Adresse gehängten Artikelnamen finden.
  4. Erstellen Sie nun über Lesezeichen / Alle Lesezeichen anzeigen und Klick auf Verwalten ein neues Lesezeichen.
  5. Im folgenden Dialogfenster vergeben Sie einen passenden Namen, zum Beispiel Wikipedia-Shortcut. Im Feld Adresse tragen Sie die herausgefundene URL zusammen mit dem Platzhalter %s für den Artikelnamen ein:

    http://de.wikipedia.org/wiki/%s
  6. Nun definieren Sie im gleichnamigen Feld das Schlüsselwort (nicht zu verwechseln mit dem Schlagwort darüber). Wählen Sie etwas Kurzes und Prägnantes, das Sie schnell in die Adresszeile tippen können, etwa wiki.
  7. Optional können Sie eine Beschreibung eintragen. Speichern Sie abschließend das neue Lesezeichen über Klick auf Hinzufügen ab (Abbildung 2).

    Abbildung 2: Mit den Lesezeichen-Schlüsselwörtern ersparen Sie sich viel Tipparbeit.

Um nun etwa den Wikipedia-Artikel zum freien Betriebssystem zu öffnen, tippen Sie in die Adresszeile wiki linux. Ähnlich funktioniert das Ganze mit anderen Webseiten. Nach Eingabe des Suchbegriffs kopieren Sie einfach die URL und ersetzen dann das Suchwort durch %s. Für das Onlinewörterbuch LEO [2] lautet die Adresse beispielsweise http://dict.leo.org/#/search=%s&searchLoc=0&resultOrder=basic&multiwordShowSingle=on – der Suchbegriff steht direkt hinter search=.

Tipp: Thunderbird: Internationale Antwortpräfixe

Ein häufiges Ärgernis in E-Mail-Unterhaltungen sind unübersichtliche Betreffzeilen wie Re: Antw: Antwort: Treffen am Mittwoch. Solche Rattenschwänze entstehen, weil sich nicht alle Mailclients an die Konvention halten, Antworten mit Re: zu kennzeichnen. Thunderbird erkennt dann nicht, dass es sich um eine Antwort handelt und fügt die Vorsilbe zum Betreff hinzu. Der nächste Client verhält sich genauso, und spätestens bei der dritten oder vierten Mail ist das Chaos komplett. Die Lösung für dieses Dilemma ist einfach: Die Entwickler haben bereits eine Funktion versteckt, mit der Sie dem Programm beibringen, was neben Re: ebenfalls eine Antwort markiert.

Klicken Sie neben Suchfeld rechts auf das Icon mit den Streifen und wählen Sie Einstellungen / Einstellungen (den Menüeintrag gibt es wirklich zweimal). Wechseln Sie in die Abteilung Erweitert ud dort zum Reiter Allgemein. Klicken Sie auf Konfiguration bearbeiten und bestätigen Sie, dass Sie vorsichtig sein werden. Im folgenden Dialog about:config haben Sie Zugriff auf alle internen und versteckten Einstellungen von Thunderbird, weshalb Sie wirklich aufpassen sollten – eine falsche Einstellung kann fatale Folgen haben!

Tippen Sie ins Feld neben Suchen den Begriff mailnews.localizedRe ein. Klicken Sie danach doppelt auf den gleichnamigen Eintrag. Im folgenden Fenster (Abbildung 3) geben Sie durch Kommata getrennt alle Präfixe ein, die das Mailprogramm zusätzlich zu Re: als Hinweis auf eine Antwort verstehen soll, zum Beispiel AW,Aw,Antwort,Antw. Bestätigen Sie anschließend über OK und schließen Sie den Einrichtungsdialog. Nach einem Neustart erkennt Thunderbird nun auch Antwort-Vorsilben, die vom Standard abweichen.

Abbildung 3: Über eine Konfigurationsoption bringen Sie Thunderbird bei, welche Präfixe Antworten markieren.

Tipp: Thunderbird: Alle IMAP-Ordner aktualisieren

Die meisten E-Mail-Provider unterstützen heutzutage neben POP auch IMAP zum Abrufen der elektronischen Post. Das Internet Message Access Protocol hat den Vorteil, dass alle Nachrichten auf dem Server verbleiben, so dass Sie problemlos mit mehreren Computern gleichzeitig darauf zugreifen können. Besonders komfortabel sind Dienste, die gleichzeitig ein automatisches Filtern auf dem Server erlauben, um beispielsweise Newsletter oder Mailinglisten direkt in eigene Ordner zu verschieben. Das erspart Ihnen, dass Sie in allen Ihren Mailprogrammen eigene Filter einrichten müssen.

Auch Thunderbird unterstützt den Abruf per IMAP, aber die Sache hat einen Haken: In der Voreinstellung prüft das Programm nur den Posteingang auf neue Nachrichten. Um also in einem Ordner mit einem Newsletter nach neuen Mails zu schauen, müssen Sie diesen jedes Mal öffnen.

Auch für dieses Problem bietet der im vorigen Tipp erwähnte about:config-Dialog eine Lösung. Die gesuchte Option heißt mail.server.default.check_all_folders_for_new. Die Standardeinstellung lautet false, das heißt Thunderbird schaut nicht in allen Ordnern nach neuer Post. Klicken Sie den Eintrag doppelt an, um ihn zu aktivieren. In der Spalte Wert steht nun true, und die Zeile ist fett hervorgehoben, was anzeigt, dass Sie die Standardeinstellung verändert haben. Nach einem Programmneustart inspiziert Thunderbird künftig alle IMAP-Ordner und schaut nach neuer Post.

Tipp: Thunderbird: Erweiterte ungelesene Ordner

Wer viele Ordner in Thunderbird verwaltet, der verliert mitunter die Übersicht, wo sich ungelesene Nachrichten befinden. Thunderbird bringt zwar von Haus aus eine Möglichkeit mit, in der linken Seitenleiste nur Ordner mit neuer Mail aufzulisten, doch die Anzeige ist leider nicht besonders aussagekräftig (Abbildung 4). Weder zeigt das Programm die dazugehörigen Mailkonten an noch die hierarchische Struktur der Postfächer. Zur Ordneransicht mit der ungelesenen Post wechseln Sie über die Thunderbird-Menüleiste (und nicht über den rechten Menüknopf) Ansicht / Ordner / Ungelesene. Ist die Menüleiste bei Ihnen ausgeblendet, bringen Sie diese über einen Rechtsklick auf einen leeren Tabbereich und Aktivieren der Checkbox wieder zum Vorschein.

Abbildung 4: Die Auflistung ungelesener Ordner ist unübersichtlich und sortiert die Ordner nicht hierarchisch oder nach Konten.
Abbildung 5: Die Erweiterung Advanced Unread Folders sorgt für mehr Überblick in der Seitenleiste.

Ordnung in der Seitenleiste und den ungelesenen Nachrichten verspricht die Erweiterung Advanced Unread Folders [3], die Sie direkt in Thunderbird installieren können. Wählen Sie aus dem Menü den Eintrag Add-ons und tippen Sie ins Suchfeld advanced unread. Per Klick auf Installieren spielen Sie die Erweiterung ein. Danach starten Sie das Mailprogramm neu.

Ab sofort steht im Menü Ansicht / Ordner / der neue Punkt Ungelesene Ordner (Erweitert) zur Verfügung. Aktivieren Sie diesen, erscheinen die Ordner übersichtlich strukturiert, und die ungelesenen Nachrichten erhalten den richtigen Kontext, da Thunderbird nun nach Konten sortiert (Abbildung 5).

Tipp: Firefox: Alle Dateien herunterladen

Enthält eine Webseite viele einzelne Dateien, die Sie auf den eigenen Computer herunterladen möchten, so müssen Sie jeden einzelnen Link anklicken, einen Speicherort wählen und den Download bestätigen. Schneller geht's mit der Firefox-Erweiterung DownThemAll! [4]. Das Add-on ermöglicht es, in einem Rutsch etwa alle PDF-Dokumente oder alle Bilder einer Seite auf die Festplatte zu befördern. Nach dem Besuch der Addon-Seite klicken Sie auf Zu Firefox hinzufügen und bestätigen im folgenden Dialog nach kurzer Wartezeit Jetzt installieren. Über die Schaltfläche Jetzt neu starten schließen Sie die Installation ab.

Für einen ersten Test besuchen Sie doch einfach die EasyLinux-Webseite mit unserer Community Edition [5], die zahlreiche PDF-Dateien enthält. Um ein Archiv der bisher erschienenen Ausgaben anzulegen, müssen Sie dank der neuen Erweiterung nicht mehr jeden Link einzeln anklicken und speichern. Stattdessen klicken Sie mit der rechten Maustaste auf einen freien Bereich der Seite und wählen aus dem Kontextmenü den Eintrag DownThemAll!. Das folgende Dialogfenster listet alle auf der aktuellen Seite enthaltenen Links.

Diese können Sie nun noch im Bereich Filter beschränken. Per Checkbox suchen Sie aus, ob Sie etwa alle Dateien, bestimmte Grafiken, Dokumente, Videos oder anderes herunterladen (Abbildung 6). Dass ein Filter aktiv ist, erkennen Sie daran, dass in der Linkliste nun bestimmte Einträge hellgelb hinterlegt sind. Wählen Sie außerdem ein Downloadverzeichnis aus. Per Start geht's los. Das Statusfenster informiert über den Fortschritt, und nach kurzer Zeit sollte das Archiv mit allen PDF-Dateien fertig sein.

Abbildung 6: Dieses praktische Add-on lädt in einem Rutsch alle oder nur bestimmte Links einer Webseite herunter.

Tipp: Firefox: Downloadhinweis ausblenden

In der Voreinstellung weist Sie der Browser mit einer kurzen Einblendung am Bildschirmrand auf fertiggestellte Downloads hin (Abbildung 7). Falls Sie dieser Hinweis stört, blenden Sie ihn mit einem kleinen Eingriff in den erweiterten Einstellungen aus. Tippen Sie dazu in die Adresszeile about:config ein. Es erscheint der gleiche Hinweis wie bei Thunderbird (siehe Tipp ##), dass Sie hier Veränderungen mit Vorsicht vornehmen sollten.

Ins Suchfeld geben Sie dann browser.download.manager.showAlertOnComplete ein, woraufhin die gleichnamige Option in der unteren Liste erscheint. Die Einstellung steht standardmäßig auf true, das heißt, Firefox blendet den Hinweis ein. Ein Doppelklick auf die Zeile ändert den Wert zu false. Der Fettdruck zeigt wiederum an, dass Sie hier etwas modifiziert haben. Schließen Sie jetzt den about:config-Dialog, und Sie bleiben künftig von der Anzeige zu fertiggestellten Downloads verschont.

Abbildung 7: Bei Bedarf deaktivieren Sie auch diesen dezenten Hinweis.

Infos

[1] Deutsche Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/

[2] LEO-Wörterbücher: http://dict.leo.org/

[3] Advanced Unread Folders: https://addons.mozilla.org/de/thunderbird/addon/advanced-unread-folders/

[4] DownThemAll: https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/downthemall/

[5] Community Edition von EasyLinux: http://www.easylinux.de/CE

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