Hibiscus funktioniert gut

Insgesamt hinterlässt Hibiscus (Abbildung 1) im Test einen guten Eindruck. Direkt nach dem ersten Start des Jameica-Plug-ins ließ sich das Testkonto bei der Deutschen Bank problemlos über das HBCI-FinTS-Verfahren und PIN/TAN einrichten. Sämtliche Basics des Homebankings beherrscht Hibiscus aus dem Eff-Eff, egal, ob es sich um das Durchführen von Überweisungen (Abbildung 2) oder das Anlegen von Daueraufträgen handelt. Auch Überweisungen nach dem SEPA-Verfahren lassen sich in Hibiscus über eine entsprechende Funktion anlegen.

Abbildung 1: Hibiscus kommt im Tandem mit Jameica auf das System und macht die HBCI-Arbeit gut. Allerdings wirkt die Oberfläche etwas unübersichtlich.
Abbildung 2: Wie Moneyplex bietet auch Hibiscus eine Option, um Überweisungen zu tätigen, allerdings wirkt diese weniger intuitiv als bei Moneyplex.

Die Auswertungsfunktionen von Hibiscus überzeugen auch: Neben der simplen Anzeige von Kontoauszügen kann Hibiscus sowohl eine optisch aufbereitete Kurve des Saldoverlaufs darstellen als auch eine direkte Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben erzeugen. Insgesamt ist Hibiscus im Test sicher die Anwendung, die an Moneyplex (siehe unten) am ehesten herankommt. Ein Kritikpunkt ist, dass das Tool insgesamt deutlich weniger aufgeräumt und weniger übersichtlich ist als Moneyplex – wobei das letztlich immer auch eine Geschmacksfrage ist. Wer erstmal Homebanking-Luft unter Linux schnuppern will, macht sicher keinen Fehler, wenn er Hibiscus ausprobiert.

KMyMoney

In einer Auflistung gängiger Homebanking-Programme darf KMyMoney [2] nicht fehlen. Das Programm hat schon einige Jahre auf dem Buckel, gibt sich jedoch kein bisschen altbacken. Das K am Anfang des Namens verrät, dass KMyMoney sich vorrangig an KDE-Benutzer wendet und auf Qt aufbaut, also auf der gleichen grafischen Bibliothek, die auch KDE selbst nutzt (Abbildung 3). Angenehm ist bei KMyMoney gleich anfangs die Tatsache, dass das Tool den von EasyLinux getesteten Distributionen als Paket beiliegt. Unter OpenSuse und Ubuntu lässt sich KMyMoney also via YaST bzw. Muon installieren, so dass keine manuelle Einrichtung nötig ist. Nach der Installation starten Sie KMyMoney über den KDE-Menüpunkt Persönliche Finanzverwaltung. Dann begrüßt Sie der KMyMoney-Einrichtungsasisstent, der Sie durch die grundlegende Konfiguration führt.

Abbildung 3: Das KMyMoney-Hauptfenster beweist, dass das Programm sich gerade an professionelle Anwender richtet.

KMyMoney setzt auf das Prinzip der doppelten Buchführung. Konkret bedeutet das, dass sich mit KMyMoney im Grunde zwei Konten führen lassen: einerseits ein "eigenes" Konto, in dem Sie Ausgaben sowie die Einnahmen verbuchen; zusätzlich lässt sich das offizielle Konto mit dem "privaten" Konto in KMyMoney verbinden. Insgesamt ist der Vorgang leider etwas unintuitiv geraten, denn das Konto, das Sie unmittelbar nach dem Start von KMyMoney einrichten, ist eben nur ein privates Konto. Um dann ein HBCI-fähiges Konto in KMyMoney hinzuzufügen, steht im Menüpunkt Einstellungen der Eintrag AqBanking einrichten zur Verfügung.

Die Konfiguration des HBCI-Kontos unterscheidet sich kaum von den Einrichtungsroutinen der anderen vorgestellten Programme. Ist das HBCI-Konto aktiviert, müssen Sie im letzten Schritt das angelegte private Konto unter Geldinstitute per Klick mit der rechten Maustaste noch mit dem gerade angelegten Online-Konto verbinden.

KMyMoney richtet sich offensichtlich an Anwender, die zumindest ein grundlegendes Wissen im Hinblick auf Buchhaltung haben. Viele Begriffe, die das Programm wie selbstverständlich verwendet, dürften nur wenigen Endanwendern bekannt sein, dazu gehört Umlaufverbindlichkeit so wie auch Geldflussstatus (Abbildung 4). Auch eine simple Überweisung (Abbildung 5) wird für unerfahrene Anwender zur Geduldsprobe, die passende Option versteckt sich hinter dem Punkt Geplante Buchungen links. Wie Hibiscus und Moneyplex bietet auch KmyMoney umfangreiche Statistikfunktionen, welche die Entwicklung der persönlichen Finanzen optisch aufbereiten, aber auch bei diesem Punkt bietet KMyMoney weniger Komfort als die anderen Anwendungen.

Abbildung 4: Auch kMyMoney bietet umfangreiche Statistikfunktionen, die allerdings wieder nur für Profi-Anwender schnell zu überblicken sind.
Abbildung 5: Das Formular, um Überweisungen aufzugeben, ist bei KMyMoney etwas gewöhnungsbedürftig und wenig intuitiv.

Wer auf der Suche nach einem mächtigen Werkzeug ist, mit dem sich auch die Firmenbuchhaltung stemmen lässt, der ist bei KMyMoney gut aufgehoben. Die Kritikpunkte betreffen eher normale Endanwender ohne großes Finanzwissen; schlecht ist das Programm deshalb nicht. Für Anfänger oder gelegentliche Online-Banker eignen sich Moneyplex oder Hibiscus aber deutlich besser.

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